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Das Test-Jahrbuch der Hifi-Stereophonie 1973

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Vorwort
High Fidelity - eine Frage der Übertragungsgüte

von Karl Breh - Karlsruhe, im Mai 1973
High-Fidelity oder das Ziel, das gesamte Spektrum der in der Musik vorkommenden Schwingungen - vom tiefsten Grundton der Orgel bis zu den höchsten Oberschwingungen von Schlaginstrumenten - linear, bei möglichst geringen Verzerrungen und verschwindend klein gehaltenen Fremdgeräuschen von der Aufnahme bis zur Wiedergabe zu übertragen, war zunächst in keiner Weise mit der Stereophonie verknüpft.


Die ersten HiFi-Bausteine waren daher für die monaurale Wiedergabe von Musik bestimmt, die entweder auf Schallplatten und Tonbändern gespeichert vorlag oder vom Rundfunk über UKW ausgestrahlt wurde.

Klanggüte und Störfreiheit der Wiedergabe hängen nicht davon ab, ob die Wiedergabe monaural oder stereophon erfolgt, entscheidend hierfür ist allein die Qualität der an der Übertragung - von der Aufnahme über die Speicherung und Vervielfältigung bis zur Wiedergabe - beteiligten technischen Geräte und Verfahren.

High Fidelity ist also eine Frage der Übertragungsgüte.

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Die Stereophonie gestattet räumliches Hören.

Die Stereophonie dagegen wird, unabhängig von der Übertragungsgüte, durch Verdopplung des Übertragungsweges gewonnen. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies: statt einem einzigen Mikrophon für eine Mono-Aufnahme, deren zwei für eine Stereo-Aufnahme. Die von den beiden Mikrophonen eingefangenen Signale werden auf zwei getrennten Spuren desselben Magnettonbandes gespeichert, sodann, später wieder trennbar, gemeinsam in die Rille der Schallplatte übertragen.

Diese Trennung ermöglicht der Stereo-Tonabnehmer, von dem aus die beiden Signale in den Stereo-Verstärker gelangen, wo jedes unabhängig vom anderen verstärkt und dann zwei getrennten Lautsprecherboxen zugeführt wird, die im Abhörraum in geeigneter Entfernung voneinander aufgestellt sind.

Durch diesen Kunstgriff gelingt es bei der Wiedergabe im Heim, die räumliche Gliederung des aufgenommenen Klangkörpers und dessen Wechselwirkung mit dem Raum, in dem er aufgenommen wird, zu reproduzieren.

Die Stereophonie gestattet demnach natürliches, zweiohriges, und damit richtungsempfindliches Hören. Nichts anderes, nur bei noch merklich gesteigertem Räumlichkeitsempfinden, gestatten Pseudo-, Quasi- und echte Quadrophonie. Zwar hört man auch eine Mono-Wiedergabe mit zwei Ohren, aber die Rauminformation ist durch die einkanalige Übertragung verlorengegangen.

Ein paar Beispiele

Mit dem Hören verhält es sich wie mit dem Sehen. Räumliches Sehen ist nur demjenigen möglich, der über die Kraft beider Augen verfügt. Betrachtet man jedoch eine normale Fotografie mit beiden Augen, vermittelt nur noch die Perspektive einen Eindruck von der räumlichen Gliederung. Soll das Bild selbst jedoch räumlich wirken, müssen zwei unter leicht verschiedenem Winkel aufgenommene Fotografien überlagert werden (Stereo-Fotografie).

Man kann die Analogie noch etwas weiter treiben. Bildschärfe und Farbechtheit einer Fotografie entsprechen der Klanggüte bei der Musikübertragung, also dem, was man mit High Fidelity bezeichnet, während die Plastizität des Stereo-Bildes dem vermittelten Eindruck räumlichen Hörens entspricht. Trotz mangelnder Bildschärfe und verfälschter Farben, infolge Verwendung schlechter Optiken, kann die Plastizität des Stereobildes gut sein.

Die Kombination von Hifi und Stereo

Ebenso verhält es sich bei der Stereophonie. Sie kann räumlichen Eindruck vermitteln, auch wenn die Übertragungsgüte beider Kanäle mangelhaft ist. Stereophonie allein ist daher kein Maßstab für die Güte der Übertragung. Der monauralen HiFi-Übertragung fehlt die Rauminformation, der nicht hifi-gerechten Stereoübertragung die Klanggüte. Nur aus der Verbindung von High Fidelity und Stereophonie ergibt sich das erreichbare Maximum: hohe Klanggüte bei räumlicher Wiedergabe.

In der Bundesrepublik ist das Stadium der monauralen High Fidelity, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, übersprungen worden. Als die deutsche Industrie begann, sich mit HiFi-Geräten zu befassen, war die Stereo-Schallplatte schon geraume Zeit auf dem Markt, und die Ausländer hatten ihre MonoBausteine durch entsprechende Stereo-Geräte ersetzt. Daher waren die ersten deutschen HiFi-Geräte von Anfang an für Stereo-Wiedergabe eingerichtet.

Und von Anfang an mußten sie gegen eine starke ausländische Konkurrenz antreten. Daran hat sich bis heute nichts geändert, und dies erklärt auch, weshalb der HiFi-Markt, wie kaum ein anderer, von internationalem Wettbewerb gekennzeichnet ist. Inzwischen hat die inländische Industrie mit ihren hochwertigsten Erzeugnissen durchaus den Anschluß an die internationale Spitzenqualität gefunden. Gleichzeitig hat sie jedoch eine große Vielfalt des Angebots hervorgebracht.

Unsere DIN 45 500

Als Orientierungshilfe innerhalb dieses Angebots dient die Deutsche Industrienorm 45.500, in der die Mindestforderungen festgelegt sind, die von Geräten erfüllt werden müssen, wenn sie das Qualitätssymbol „HiFi" für sich in Anspruch nehmen wollen.

Leider sind diese Mindestanforderungen im Zuge einer Revision der Norm nicht durchweg verschärft worden, wie es in der Logik des technologischen Fortschritts gelegen haben würde. Vielmehr wurden sie - z. B. bei Tonbandgeräten - sogar so weit herabgesetzt, daß nun auch die dank erzielter Fortschritte verbesserten Kassetten-Tonbandgeräte hifi-salonfähig gemacht werden konnten.

Aber wie dem auch sei, wichtiger ist, daß DIN 45 500 die Meßmethoden definiert, nach denen verfahren werden muß, um die Qualitätseigenschaften von HiFi-Geräten zu ermitteln. Dank dieser Festlegung der Meßmethoden sind die Ergebnisse von Untersuchungen an verschiedenen Geräten untereinander vergleichbar, sofern die Messungen nach den definierten Verfahren durchgeführt wurden.

Bezogen auf DIN 45 500 reicht das heutige nationale und internationale Angebot von solchen Geräten, deren Übertragungsdaten der Norm nicht genügen und die daher nur als Stereo-Geräte bezeichnet werden, über solche, welche den geforderten Daten in allen Punkten genügen, bis zu Bausteinen der Spitzenklasse, deren Qualität weit über der von der HiFi-Norm geforderten liegt.

Als HiFi-Gerät nach DIN 45 500 gilt bei uns demnach alles, das dieser Norm genügt oder diese mehr oder weniger übertrifft. Sie schafft eine eindeutige Abgrenzung nach unten, für die man immerhin dankbar ist.

Über die Test-Jahrbücher 1970 bis 1972 und auch 1973

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  1. Das erste Testjahrbuch ist 1970 erschienen und enthielt die Testberichte, die in der Zeitschrift HIFI-STEREOPHONIE im Zeitraum Januar 1969 bis März 1970 veröffentlicht wurden.
  2. Im Testjahrbuch 1971 waren Testberichte über insgesamt 55 Bausteine zusammengefaßt, die in der Zeitschrift HIFI-STEREOPHONIE von April 1970 bis April 1971 veröffentlicht wurden.
  3. Das Testjahrbuch 1972 entsprach dem Veröffentlichungszeitraum Mai 1971 bis April 1972.
  4. Das vorliegende Testjahrbuch 1973 enthält alle Testberichte, die in der Zeitschrift von Mai 1972 bis März 1973 publiziert wurden.

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Wer also alle vier genannten Testjahrbücher sein eigen nennt, verfügt damit über alle Testberichte, die in der Zeitschrift HIFI-STEREOPHONIE von Januar 1969 bis März 1973 veröffentlicht worden sind. Insgesamt sind dies 219 Testberichte über mehr als 400 HiFi-Bausteine.
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Die Zeitschrift HiFi-Stereophonie

Seit ihrem ersten Erscheinen im Januar 1962 betrachtet es die Zeitschrift HiFi-Stereophonie als eine ihrer vordringlichsten Aufgaben, den HiFi-Interessenten durch ebenso gründliche wie objektive Testberichte über die Qualität des internationalen Angebots zu unterrichten. Seit mehr als vier Jahren verfügt die Zeitschrift über ein mit den besten Meßgeräten ausgerüstetes eigenes Laboratorium und über einen akustisch geeignet ausgestatteten Abhörraum. Im Labor werden alle Messungen von qualifizierten Kräften durchgeführt. Der Abhörraum dient zur vergleichenden Beurteilung von Lautsprecherboxen und anderen HiFi-Bausteinen aufgrund von Musik-Hörtests.

Grundsätzlich befaßt sich die Zeitschrift nur mit Geräten, für die der Hersteller oder der Importeur in Anspruch nimmt, daß sie die Mindestforderungen nach DIN 45500 erfüllen oder übertreffen. Da, soweit solche existieren, nach den in dieser Norm festgelegten Meßmethoden verfahren wird, sind die Ergebnisse der Messungen untereinander und - zumindest was Geräte deutschen Fabrikats betrifft - auch mit den technischen Angaben der Hersteller vergleichbar.

Die Testberichte aus 1973

Auch in diesem Testjahrbuch sind die Testberichte wieder nach Bausteingruppen zusammengefaßt. Innerhalb dieser Gruppen sind sie aber - anders als bisher - nicht alphabetisch, sondern chronologisch geordnet. Dies erschien uns zweckmäßig, weil innerhalb eines Jahres immer wieder meßtechnische Verbesserungen eingeführt werden, die dann für alle nachfolgenden Testberichte relevant sind.

Jeder Bausteingruppe ist eine kleine Einführung vorangestellt, in der ein Überblick über die Aufgaben, Funktionsweise und die Qualitätskriterien der jeweiligen Gerätegruppe gegeben wird, Entwicklungstendenzen aufgezeigt und wo nötig, Meßmethoden und deren Problematik erläutert werden. Für Quadrofonie geeignete Bausteine sind durch ein besonderes Symbol als solche gekennzeichnet. Da Quadrofonie kein bausteinspezifischer Begriff ist, sondern ein Übertragungsverfahren, das alle Bereiche der Aufnahme, Tonspeicherung, Übertragung und Wiedergabe betrifft, ist ein Überblick über den derzeitigen Stand der Quadrofonie an den Anfang gestellt.

Alle in den Testberichten genannten Preise wurden vor Drucklegung des Jahrbuchs verifiziert. Trotzdem sind sie mit Vorsicht zu genießen, weil gerade in dieser Zeit durch währungspolitische Ereignisse insbesondere die Preise ausländischer Geräte Schwankungen unterlagen und die Preisentwicklung ganz allgemein schlecht abzusehen war.

Es ist ein Qualitätsüberblick aus 1973

Mit dem Testjahrbuch 1973 hoffen wir, dem HiFi-Freund wieder in geschlossener Darstellung einen Qualitätsüberblick über eine große Anzahl HiFi-Bausteine zu geben und ihn durch die den Bausteingruppen vorangestellten Einführungen in die Lage zu versetzen, die Testberichte zur Bildung eines eigenen Urteils in dem Sinne nutzen zu können, daß er die Ergebnisse aus der jeweils eigenen Kaufproblematik heraus individuell zu beurteilen lernt.

Darüber hinaus wird die aufmerksame Durchsicht dieses Testjahrbuches beim Leser den Blick für die entscheidenden Qualitätskriterien der verschiedenen HiFi-Bausteine schärfen und ihm dadurch helfen, sich innerhalb des immer reichhaltiger werdenden Angebots zurechtzufinden.

Wer schon die vorausgegangenen Testjahrbücher besitzt, kann sich durch Vergleich mit dem vorliegenden einen Überblick über den Grad des Fortschritts in den verschiedenen Bereichen der HiFi-Technik verschaffen.

Karlsruhe, im Mai 1973 Karl Breh

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