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Aus der Funk-Technik Heft Nr. 23-1972
Quadrophonie - ein neues Musikerlebnis

von Hans-Robert Kühn - Oberingenieur Hans-Robert Kühn ist Leiter des Kundendienstes der Electroacustic GmbH, Kiel (1972 !!)

1. Entwicklung der Musikwiedergabetechnik
1.1. Allgemeines

4-Kanal PLatten fast nur aus Japan

Wie in vielen anderen Bereichen, so hat die Technik auch auf dem Gebiet der Sprach- und Musikübertragung in den letzten Jahren bemerkenswerte Fortschritte gebracht. Dem angestrebten Ziel, Informationen zwischen zwei Orten ungestört und unverfälscht auszutauschen oder Schallereignisse ohne Verlust an Informationsgehalt und ohne irgendeine Beeinträchtigung zu speichern, um sie zu einem beliebigen Zeitpunkt wiederzugeben, ist man beachtlich nähergekommen.

Die Entwicklungsstufen im technischen Bereich der Musikwiedergabe sind gekennzeichnet durch den jeweils erreichten Fortschritt auf dem Wege zum natürlichen Klangbild. Hierunter versteht man die vollständige Reproduktion einer akustischen Darbietung, die mit dem Ohr vom Original, zum Beispiel der Darbietung in einem Konzertsaal, nicht mehr unterschieden werden kann. Der vorliegende Beitrag untersucht, in welchem Maße das erreicht wurde, und behandelt die einzelnen Entwicklungsstufen der Musikwiedergabetechnik vom monauralen Hören bis zur Quadrophonie.

1.2. Monaurales Hören

Monaural oder monophonisch bedeutet soviel wie einohrig. Jede akustische Übertragung zwischen zwei Orten ist dann monaural, wenn für die akustischen Informationen - beispielsweise Sprache oder Musik - nur ein Übertragungsweg verwendet wird (Bild 1). Dabei ist es gleichgültig, ob die Aufnahme einer akustischen Darbietung mit einem oder mehreren Mikrofonen erfolgt oder - von der Wiedergabeseite aus betrachtet - ob nur ein Lautsprecher zur Verfügung steht oder mehrere für eine breite Schallverteilung sorgen.

Der einkanalige Übertragungsweg gestattet in jedem Fall nur ein Hören „mit einem Ohr", denn in der Übermittlung des akustischen Informationsgehaltes fehlt eine wichtige Größe, die Ortungsinformation. Bekanntlich können akustische Signale entsprechend der Tonhöhe und der Lautstärke differenziert werden. Hinzu kommt jedoch noch eine weitere Eigenschaft des Gehörs, die Erfassung und richtungsmäßige Auswertung von Schallwellen, die mit einem Zeitunterschied eintreffen. Das ausgestrahlte Signal einer Schallquelle gelangt in jedem Fall zu beiden Ohren.

Bild 2. Lokalisierung einer Schallquelle; a) Schallquelle in der Mitte, b) Schallquelle außerhalb der Mitte

Wenn sich die Schallquelle nun nicht in der Mitte, sondern beispielsweise auf der rechten Seite des Hörenden (Bild 2) befindet, dann wird das rechte Ohr das Signal zuerst empfangen, denn der Weg von der Schallquelle bis zu beiden Ohren ist unterschiedlich. Man spricht hier von einer Laufzeitdifferenz. Auf Grund des unterschiedlichen Weges liegt außerdem noch ein unterschiedlicher Schalldruck an beiden Ohren vor.

Diese Intensitätsunterschiede in Verbindung mit der Laufzeitdifferenz ergeben eine Ortungsinformation, das heißt, die jeweilige Schallquelle wird vom Hörer richtungsmäßig lokalisiert. Die Ortungsinformation entsteht also durch Zusammenwirkung von Intensitätsunterschieden und Laufzeitdifferenzen. Es leuchtet ein, daß eine einkanalige Aufnahme nur ein Signal einer Schallquelle verarbeitet, so daß keine Intensitätsunterschiede oder Laufzeitdifferenzen aufgezeichnet werden.

Das Fehlen der Ortungsinformation in einer monauralen Übertragung bedeutet, daß der Hörende einzelne Schallquellen, zum Beispiel einzelne Instrumente im Rahmen eines Orchesters, nicht lokalisieren kann. Die Wiedergabe erscheint aus diesem Grunde nicht so durchsichtig und klar wie das Originalklangbild. Auch ein Höchstmaß an technischer Qualität der einzelnen Übertragungsglieder einer monauralen Anlage kann die fehlende Richtungsinformation nicht ersetzen.

1.3. 3D-Raumklang (immer noch mono!)

Bild 3. Schallverteilung im geschlossenen Raum
Bild 4. Prinzip des 3 D-Raumklanges

Überlegungen, wie eine monaurale Übertragung verbessert werden kann, führten in den 50er Jahren zum sogenannten 3 D-Raumklang. Man ging dabei von der Tatsache aus, daß bei jeder Originaldarbietung in einem geschlossenen Raum auch Reflexionen an den Wänden entstehen. Außer dem Direktschall erhält der Hörende also zusätzlich noch ein Schallgemisch von den Seiten oder von hinten (Bild 3).

Untersucht man diese Reflexions-Signale, dann ergibt sich, daß tiefe Töne mit einem geringeren Anteil vorhanden sind als mittlere oder hohe Töne. Der Gedanke lag nahe, neben dem vorhandenen Lautsprecher zwei weitere zu verwenden, wobei die beiden zusätzlichen so angeordnet sind, daß sie seitwärts nach links und rechts gegen die Wände strahlen (Bild 4). Diese Lautsprecher sollten nur im mittleren und hohen Frequenzbereich arbeiten. Damit erreichte man in der Tat eine Verbesserung der monauralen Wiedergabe. Der Hörende registrierte infolge des Reflexionsschalls ein angenehmeres Klangbild, das ihm im Vergleich mit der Wiedergabe ohne Seitenlautsprecher eher die Illusion vermittelte, der Originaldarbietung beizuwohnen. Eine Richtungsbestimmung einzelner Instrumente und damit eine höhere Durchsichtigkeit des Klangbildes konnte damit jedoch nicht erreicht werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die als 3 D-Raumklang bezeichnete Wiedergabe einkanalig ist. Sie wird über drei Lautsprecher vorgenommen, von denen der mittlere das gesamte Freqüenzspektrum überträgt, während die beiden Seitenlautsprecher auf die Seitenwände des Wiedergaberaumes gerichtet sind und den mittleren und hohen Frequenzbereich abstrahlen. Das hiermit erreichte angenehmere Klangbild kann mit einer günstigen Schallverteilung im Raum begründet werden.

1.4. (echte) Stereophonie

Bild 5. Stereophonische Übertragung mit zwei Übertragungskanälen
Braun Stereo-Anlagen etwa 1965

Infolge des Fehlens der Ortungsinformation konnte bei der einkanaligen Übertragung kein durchsichtiges Klangbild erreicht werden. Anders verhält es sich bei der Stereophonie, bei der man zwei getrennte Übertragungswege benutzt. Das Prinzip der Stereo-Übertragung ist im Bild 5 dargestellt. Ordnet man an Stelle der beiden Ohren in der Darstellung im Bild 2 zwei Mikrofone an, so werden in diesen ersten Gliedern der Übertragungskette elektrische Signale erzeugt, die ein Abbild der jeweils verschiedenen Schalldruckverhältnisse sind.

Seitwärts versetzte Schallquellen ergeben verschiedene elektrische Spannungen an beiden Mikrofonen, und zwar verschieden in der Intensität und in der Laufzeit. Wenn diese Spannungen über zwei vollkommen getrennte Kanäle auf zwei entsprechend Bild 5 angeordnete Lautsprecher gegeben werden, erzeugt jeder Lautsprecher wiederum einen Schalldruck, der identisch ist mit dem Schalldruck am entsprechenden Mikrofon. Auf Grund des Einsatzes von zwei Mikrofonen in Verbindung mit der Übertragung von zwei getrennten Kanälen wird automatisch auch die Richtungsinformation übermittelt. Im Wiedergaberaum liegt dann ein plastisches Klangbild vor, und einzelne Instrumente eines Orchesters können lokalisiert werden.

Wenn man sich auch beim Anhören einer Musikübertragung nicht auf solche Lokalisationen bewußt konzentriert, so erscheint das stereophonische Klangbild doch weitaus durchsichtiger als eine monaurale Wiedergabe. Ein weiterer Vorteil ist die Tatsache, daß ein in einem Übertragungsglied eventuell auftretender Fehler, beispielsweise ein geringer Klirrfaktor, der in einer monauralen Übertragung durchaus als Störung wahrgenommen werden könnte, in einer zweikanaligen Wiedergabe noch nicht als unangenehm empfunden wird.

Bild 6. Stereophonische Wiedergabe; a) beide Lautsprecher strahlen den gleichen Schalldruck ab (Schallquelle in der Mitte), b) beide Lautsprecher strahlen unterschiedlichen Schalldruck ab (Schallquelle nach links verschoben)

Bei der Einführung der Stereophonie wurde oft angenommen, daß die Wiedergabe über zwei Lautsprecher nur ausgeprägte Links-Rechts-Effekte ergibt. Das ist jedoch nicht der Fall. Obgleich beide Lautsprecher als Schallquellen anzusehen sind, entsteht infolge der verschiedenen Intensitätsverhältnisse auch zwischen den Lautsprechern ein „ausgefüllter Raum" (Bild 6). Stellt man sich vor, daß sich im Rahmen einer Aufnahme eine Schallquelle beispielsweise von rechts nach links stetig bewegt hat, so entsteht durch die Übertragung mit zwei Stereo- Lautsprechern der gleiche Bewegungsablauf im Wiedergaberaum.

Derartige Aufnahmen sind gut geeignet, die Übertragungsqualität hinsichtlich technischer Anforderungen zu beurteilen. Die Einführung der Stereophonie war ein bedeutsamer Schritt auf dem Gebiet der Musikwiedergabe, eine Tatsache, die darin zum Ausdruck kommt, daß heute alle hochwertigen Übertragungssysteme in Zweikanal-Technik ausgeführt sind und stereophonische Aufzeichnungen in einem reichhaltigen Programm angeboten werden.

1.5. (echte diskrete) Quadrophonie

Bild 7. Quadrophonische Übertragung mit vier Übertragungskanälen

Bei der Musikübertragung mit Hilfe der Quadro- phonie-Technik sind außer den beiden Stereo-Kanälen zwei weitere Informationskanäle erforderlich. Es handelt sich hier also um eine vollwertige echte Vierkanal-Technik (Bild 7). Als Ausgangspunkt für die Quadrophonie gelten die Reflexionsverhältnisse in einem Konzertsaal. Bei den Erläuterungen des (mono) 3D- Raumklangs wurde erwähnt, daß der Zuhörer im Konzertsaal sowohl Direktschall von vorn als auch den sogenannten Reflexionsschall von allen Seiten erhält. Dieser Reflexionsschall trifft den Hörer jedoch immer etwas später als der Direktschall. Der Grund dafür ist, daß eine von den Wänden reflektierte Schallwelle einen weiteren Weg zurücklegen muß als der Direktschall.

Messungen des Intensitätsverhältnisses zwischen Reflexions- und Direktschall haben ergeben, daß im Konzertsaal an einem akustisch guten Zuhörerplatz die Intensität des Reflexionsschallfeldes wesentlich höher ist als die Intensität des direkten Schalls. Nur unmittelbar vor dem Orchester sind die Intensitäten dieser beiden Schallfelder gleich. Es sei hier darauf hingewiesen, daß die akustisch besten Sitzplätze in einem Konzertsaal nicht unmittelbar vor dem Orchester, sondern weiter hinten liegen, wobei die Intensitätsverhältnisse des reflektierten zum direkten Schall eine große Rolle spielen. Daraus ist zu ermessen, welche Bedeutung dem indirekten Schallfeld zukommt.

Daß trotz der geringen Intensität des Direktschalls eine Ortung der Schallquellen überhaupt möglich ist, liegt daran, daß das Gehör in bezug auf die Richtungsbestimmung immer nur das zuerst ankommende Signal auswertet, also den Direktschall. Um die Konzertsaalakustik annähernd naturgetreu in einem Wiedergaberaum zu transformieren, ist es also erforderlich, einen entsprechend dosierten Reflexionsschall mit zu übertragen. Hierzu dienen (gegenüber der Stereophonie) die beiden zusätzlichen Kanäle, die die Reflexionsinformationen enthalten und die auf die beiden rückwärtigen Lautsprecher gegeben werden.

Bei der Aufnahme einer Musikübertragung sind aber auch eine Reihe von wichtigen Faktoren zu beachten. Hervorzuheben ist die Schwierigkeit, in manchen Fällen einwandfreie Reflexionssignale zu erhalten, da die meisten Aufnahmen nicht in Konzertsälen, sondern in Aufnahmestudios mit ganz speziellen Raumeigenschaften erfolgen. Es ist Aufgabe der Toningenieure, das richtige Reflexionsgemisch, das in einem Konzertsaal vorhanden ist, mit Hilfe elektronischer Geräte nachzubilden. Diese Nachbildungen werden durch verschieden wirkende Hallgeräte und durch Mischen von einzelnen Signalgruppen vorgenommen. Die beiden rückwärtigen Lautsprecher geben bei der Wiedergabe einen Schalldruck ab, der den Reflexions-Signalen proportional ist.

Bei richtiger Dosierung der Intensitäten eines aufgenommenen Musikprogramms bestehen dann für den Zuhörer im Wiedergaberaum annähernd die gleichen akustischen Bedingungen wie an einem guten Platz im Konzertsaal. Die durch den Abstand der Lautsprecher vom Zuhörer bedingten Schalldrucklaufzeiten sind sehr gering und können vernachlässigt werden.

Voraussetzungen

Die Voraussetzungen für gute quadrophonische Übertragungen sind:
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  • Alle Übertragungsglieder der vier Kanäle müssen in technischer Hinsicht einwandfrei sein.
  • Eine gegenseitige Beeinflussung der Kanäle untereinander darf nicht vorliegen.
  • Wenn eine Speicherung vorgenommen wird, beispielsweise auf Schallplatten, dann darf keine Verfälschung der Informationsinhalte erfolgen.
  • Bei der Aufnahme eines Musikprogramms sind die unterschiedlichen Intensitäten und Laufzeiten sorgfältig aufeinander abzustimmen.
  • Auf der Wiedergabeseite muß entsprechend dem Programminhalt und unter Berücksichtigung der Raumverhältnisse ein ausgewogenes Klangbild eingestellt werden können, wobei die Intensitäten der rückwärtigen Lautsprecher im Vergleich zum Direktschall besonders zu beachten sind.

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Werden diese Voraussetzungen erfüllt, dann ergibt sich für den Zuhörer ein der Originaldarbietung fast gleiches Klangerlebnis. Fülle und Durchsichtigkeit des Orchesters mit den einzelnen Instrumenten sind ebenso ausgeprägt wie im Konzertsaal. Der Gewinn gegenüber der Stereophonie-Übertragung ist bemerkenswert und erstreckt sich nicht nur auf die Illusion eines weitaus größeren, akustisch optimal ausgelegten Raumes, sondern auch auf das zusätzliche Empfinden einer gewissen Tiefenstaffelung der einzelnen Schallquellen. Die Quadrophonie ist ein beachtlicher Fortschritt auf dem Wege zur naturgetreuen Klangwiedergabe.

2. Quadrophonie mit Schallplatten

2.1. Problemstellung

Viele Überlegungen wurden in den letzten Jahren angestellt, wie überhaupt eine quadrophonische Übertragung mit Schallplatten durchgeführt werden kann, denn dabei sind folgende grundsätzliche Forderungen zu erfüllen:
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  • Im Gegensatz zur Stereo-Übertragung sind bei der Quadrophonie vier Kanäle notwendig, die unabhängig voneinander in der (bereits vorhandenen) Schallplattenrille mit ihren beiden Rillenflanken untergebracht werden müssen.
  • Eine quadrophonische Schallplatte soll kompatibel sein (ähnlich der UKW Stereophonie). Darunter versteht man die Möglichkeit, eine in Quadro-Technik aufgenommene Schallplatte auch stereophonisch ohne Verlust an Informationsgehalt (Qualität und Stereo-Inhalte) wiedergeben zu können.
  • Der Aufwand und die Handhabung des Verfahrens sowohl auf der Aufnahme- als auch auf der Wiedergabeseite müssen (besser sollten) erträglich sein.

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Darüber hinaus mußten Überlegungen mit einbezogen werden, ob eine geeignete Quadrophonie-Technik für Schallplatten gleichzeitig auch für UKW-Rundfunkzwecke in Frage kommen kann. Bei einem Vergleich zwischen Schallplatten- und Rundfunktechnik ergibt sich, daß grundsätzlich auf der Schallplatte mehr Informationsgehalt (Anmerkung: eine höhere Informations-Bandbreite) als in einem UKW-Kanal unterzubringen ist.

Es bot sich als mögliche Lösung für Schallplatten an, die beiden erforderlichen zusätzlichen Informationskanäle unabhängig voneinander und unabhängig von den üblichen Stereo-Signalen durch eine Ausdehnung des Frequenzbereiches nach oben zu übertragen, das heißt, dafür den Ultraschallbereich zu verwenden. Dieses Prinzip kann für UKW-Übertragungen jedoch nicht eingesetzt werden, da hier die zur Verfügung stehende Frequenzbandbreite bereits voll ausgenutzt ist.

Anmerkung:

Wir bewegen uns in diesem Artikel im Jahr 1972 und es gibt nur die pure analoge Technik. Das Unterbringen von zusätzlichen digitalen Signalen war noch nicht einmal theoretisch angedacht.

2.2. CD4-Technik

Für Schallplatten wurde unter anderem das CD 4-Verfahren entwickelt, bei dem die beiden zusätzlichen Kanäle in entsprechender Form einem 30-kHz-Träger aufmoduliert sind. Diese Modulationen werden den bisherigen Stereo-Signalen überlagert. Dabei ergibt sich aber zwangsläufig eine Bandbreite bis wenigstens 45 kHz.

Auf der Wiedergabeseite erfolgt nach der Abtastung eine Demodulation. Dem Vorteil dieser Technik, die vier Kanäle unter Beibehaltung der üblichen Rillenflanken-Modulation im Prinzip mit guter Kanaltrennung übertragen zu können, steht neben der bereits erwähnten Tatsache, daß ein solches Verfahren für UKW-Betrieb nicht in Frage kommt, ein großer Nachteil gegenüber:

Heute übliche Abtastsysteme können dabei wegen der bis etwa 45 kHz ausgedehnten Bandbreite nicht verwendet werden. Die CD 4-Technik ist eine gute, aber teure Lösung.

2.3. SQ-Technik

Bei der SQ-Technik werden die vier Informationskanäle vor der Aufzeichnung so codiert und zusammengefaßt, daß nur zwei Kanäle (wie bei der Stereophonie) aufgezeichnet werden. Bild 8 zeigt schematisch die Umwandlung der vier voneinander unabhängigen Kanäle mit einem Coder in zwei Kanäle. Die Aufgabe des Coders ist es also, die vier verschiedenen Informationen Lv (vorn links), LH (hinten links), RH (hinten rechts) und Rv (vorn rechts) so zu zwei Kanälen zusammenzufassen, daß durch eine entsprechende Decodierschaltung wieder eine einwandfreie Auf Spaltung in die ursprünglichen Kanäle möglich ist. Ein Informationsverlust oder eine gegenseitige Beeinflussung der vier Kanäle darf dabei jedoch nicht eintreten. Die SQ-Technik nutzt dafür die Tatsache aus, daß auch eine Phasenverschiebung zwischen zwei elektrischen Spannungen für die Codierung geeignet ist.

Bild 8. Schematische Darstellung der Aufzeichnung und Abtastung nach dem SQ-Verfahren
Bild 9. Phasenverschiebung von 90° zwischen zwei Sinusspannungen U: und U2

Wie SQ technisch funktioniert

Bild 9 zeigt die zwei Sinusspannungen U1 und U2, die um 90° gegeneinander phasenverschoben sind. Es ist jederzeit möglich, aus einer vorhandenen elektrischen Spannung U1 gleichzeitig eine weitere Spannung U2 mit einer Phasenverschiebung von 90° zu erzeugen. U2 kann man als Hilfsspannung für die Codierung betrachten.

An einem Beispiel soll die Wirkungsweise erläutert werden. Nimmt man an, daß dem Coder nur ein Signal zugeführt wird, zum Beispiel das des hinteren linken Kanals (LH), dann gelangt diese Spannung mit gleicher Phasenlage in den Kanal L (Bild 10).

Bild 10. Wirkungsweise des SQ-Coders beim Eingangssignal LH

Gleichzeitig wird jedoch im Coder eine hinsichtlich Frequenz und Amplitude gleiche Hilf sspannung erzeugt, die lediglich um 90° phasenverschoben ist. Diese Spannung wird dem Kanal R zugeführt. Auf der Wiedergabeseite, auf der die Signale L und R zum Decoder gelangen, kann durch entsprechende Phasenbeziehungen der Schaltung festgestellt werden, daß beide Spannungen bezüglich Frequenz und Amplitude gleich sind, sich jedoch in der Phase um 90° unterscheiden. Dies ist das Kennzeichen für den Decoder, daß im Kanal LH ein Signal vorhanden war.

Bild 11. Schneidstichel-Bewegung bei um 90° phasenverschobenen Spannungen (Eingangssignal LH)

Das einzelne Signal in dem Beispiel nach Bild 10 ergibt also in den beiden Kanälen L und R zwei elektrische Spannungen, die über die Schneidapparatur eine Aufzeichnung in beiden Flanken der Schallplattenrille bewirken. Infolge der 90°-Phasenverschiebung der Signale in diesen beiden Kanälen führt der Schneidstichel dabei eine kreisende Bewegung aus (Bild 11). Man erkennt, daß die kreisförmige Bewegung im vorliegenden Fall im Uhrzeigersinn erfolgt. Das einzelne Signal LH bewirkt also eine Drehbewegung des Schneidstichels. Je größer die Amplitude des Einzelsignals ist, um so größer ist der Radius der Drehbewegung.

Bild 12. Wirkungsweise des SQ-Coders beim Eingangssignal RH
Bild 13. Schneidstichel-Bewegung beim Eingangssignal RH
Bild 14. Wirkungsweise des SQ-Coders bei den Eingangssignalen Lv und LH
Bild 15. Schneidstichel-Bewegung bei den Eingangssignalen Lv und LH

In den Bildern 12 und 13 sind die Verhältnisse dargestellt, wenn nur das Signal RH vorliegt. Die dann in den Kanälen L und R vorhandenen Spannungen ergeben eine Drehbewegung des Schneidstichels entgegen dem Uhrzeigersinn. Die beiden Kanäle LH und RH unterscheiden sich also durch die Richtung der Drehbewegung. Sie sind dadurch eindeutig bestimmt und unabhängig voneinander.

Wenn neben dem Signal LH auch ein Signal in einem der beiden vorderen Kanäle, zum Beispiel Lv, vorliegt, so gelangt dieses Signal, ohne daß eine phasenverschobene Hilfsspannung erzeugt wird, direkt zum Kanal L. Ausgelöst durch das Signal LH, tritt dabei im Kanal R nur eine äquivalente Hilfsspannung mit 90° Phasenverschiebung auf (Bild 14). Der Schneidstichel-Drehbewegung nach Bild 11 ist dann eine weitere unter 45° zur Schallplatten- Oberfläche in der linken Rillenflanke liegende Bewegung überlagert (Bild 15).

Die Unterscheidungsmerkmale der vier Kanäle innerhalb der Schallplattenrille sind also
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  • Kanal Lv (vorn links): 45°-Auslenkung links,
  • Kanal LH (hinten links): kreisförmige Bewegung im Uhrzeigersinn,
  • Kanal RH (hinten rechts): kreisförmige Bewegung entgegen dem Uhrzeigersinn,
  • Kanal Rv (vorn rechts): 45°-Auslenkung rechts.

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Auf der Wiedergabeseite werden die beiden codierten Kanal-Modulationen mit dem Tonabnehmer zweikanalig abgetastet, wobei ein Unterschied im Abtastvorgang gegenüber der üblichen Stereo-Technik nicht vorliegt. Die im Tonabnehmer entstehenden elektrischen Spannungen entsprechen unter der Voraussetzung, daß sowohl beim Aufzeichnen mit der Schneidapparatur als auch im Abtastsystem keine Verfälschungen erzeugt werden, genau den vom Coder vor der Aufzeichnung gebildeten Spannungen.

Im nachgeschalteten Decoder erfolgt die Aufschlüsselung der codierten Informationen L und R in die vier ursprünglichen Kanäle. Am Ausgang des Decoders entstehen also elektrische Spannungen, die identisch sind mit den dem Coder zugeführten Signalen.

Die Tatsache, daß die beiden Kanäle Lv und Rv in gleicher Weise wie bei der üblichen Stereo-Schallplatte
aufgezeichnet werden, bedeutet, daß die geforderte Kompatibilität gewährleistet ist. Eine Quadro-Schallplatte nach dem SQ-Verfahren kann also auch stereophonisch wiedergegeben werden.

Da die Schallplatte einschließlich Aufzeichnung und Abtastung nur als Informations-Zwischenträger dient, können die elektrischen Signale der Kanäle L und R - also in codierter Form - auch einem UKW-Sender in der herkömmlichen Weise zugeführt werden. Auf der Empfängerseite ist zunächst eine Signalaufbereitung - wie bisher bei UKW-Stereo-Empfang - durchzuführen. Im gleichen SQ-Decoder, wie er für die Schallplatten-Wiedergabe erforderlich ist, erfolgt anschließend die Trennung in die vier Kanäle.

Das SQ-Verfahren hat neben der Verwendbarkeit für UKW-Rundfunkübertragungen den großen Vorteil, daß heute übliche hochwertige Abtastsysteme und Plattenspieler verwendet werden können. Erforderlich ist nur, zwischen Phonogerät und Verstärker noch den Decoder einzuschalten.

Zusammengefaßt ergibt sich:

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  • Das SQ-Verfahren ist ein geeignetes Mittel, um vier Kanäle zu übertragen.
  • Durch entsprechende Codierung der beiden hinteren Kanäle, bei der um 90° phasenverschobene Hilfsspannungen erzeugt werden, kann die Aufzeichnung und Abtastung von Schall-platten in üblicher Weise zweikanalig erfolgen.
  • Die 90°-Phasenverschiebung der Hilfsspannung bewirkt eine Drehbewegung des Schneidstichels beziehungsweise des Abtaststiftes.
  • Die Richtung der Drehbewegung hängt davon ab, in welchem der beiden hinteren Kanäle ein Signal vorliegt.
  • Die bei der Abtastung entstehenden beiden elektrischen Spannungen sind identisch mit den Spannungen, die der Schneidapparatur zugeführt wurden.
  • Die Abtastung kann mit den heute üblichen Tonabnehmern erfolgen.
  • Ein dem Tonabnehmer nachgeschalteter Decoder trennt die codierten Signale wieder in die ursprünglichen vier Kanäle.
  • Die SQ-Schallplatten können ohne Qualitätsverlust auch stereophonisch wiedergegeben werden.
  • Das SQ-Verfahren ist für UKW-Rundfunkübertragungen ohne weiteres verwendbar.

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