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Rückblick auf die Hifi Messe 1978
aus der FUNKSCHAU 1978, Heft 06 / 10.März

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Die Großen Deutschen kommen offensichtlich nicht -
aber die Hi-Fi 78 ist dennoch keine „japanische" Ausstellung

Der Beirat der Hi-Fi '78 und der Vorstand des Deutschen High Fidelity-Instituts (Dhfi) stellten sich am 9. Februar den Fach- und Wirtschaftsjournalisten. Die Lage ist bekannt. Die Gruppe der sogenannten „Großen Deutschen" (Hi-Fi-Hersteller) weigert sich unverändert, an der Hi-Fi 78 in Düsseldorf (18. bis 24. August 1978) teilzunehmen, hingegen haben sich zahlreiche mittlere und kleinere deutsche Spezialfirmen und so gut wie alle japanischen Hi-Fi-Hersteller und andere Ausländer angemeldet.

Der Stand vom 8. Februar war der folgende: 125 Hersteller plus 72 zusätzlich vertretene Firmen haben 16 056 m2 belegt, davon sind 17 % der Zahl und 30 % der Fläche nach japanische Produzenten. Auf der Hi-Fi 76 hingegen wurden 173 Aussteller mit 80 zusätzlich vertretenen Firmen auf 17 236 m2 gezählt - jene Deutschen, die diesmal nicht kommen wollen, hatten damals 3000 m2 gemietet.

Wenn sich nichts ändert, werden folgende in der Bundesrepublik produzierende Hi-Fi-Firmen fehlen: Braun, Elac *1)(Elac ist bereits insolvent), Graetz, Grundig, ITT Schaub-Lorenz, Loewe Opta, Nordmende, Philips, Saba und Telefunken.

Ihre Gründe lassen sich so zusammenfassen:
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  • 1. Man will den mühsam erstellten zweijährigen Rhythmus der Funkausstellung nicht stören.
  • 2. Man will sich nicht unter Neuheitendruck setzen lassen: jede Ausstellung verlangt zwingend das Herausstellen von Neuheiten.
  • 3. Die Funkausstellung ist teuer genug, man will weitere Kosten und Belastungen des Personals vermeiden; auch veranstaltet mancher Hersteller in funkausstellungsfreien Jahren Hausmessen, also auch 1978.

*1) ELAC hat Vergleichsantrag gestellt, siehe besondere Meldung.
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Diese in vieler Hinsicht verständliche Haltung bringt den Vorwurf, die Deutschen haben Angst vor den Ausländern, nicht vom Tisch, mag er auch nicht berechtigt sein. Die ausländischen Konkurrenten können einerseits nicht als „Exoten" abqualifiziert werden, wenn man ihnen andererseits demonstrativ aus dem Wege geht. Das Schicksal will, daß eben diese Exoten sowie die mittleren und großen Deutschen das Deutsche High-Fidelity-Institut bilden unter Vorsitz von dem der „guten" Musik verschreibenen Karl Breh. Wie hart dort die Gegensätze aufeinander prallen, bewiesen die diversen, für den Außenstehenden seltsamen und widersprüchlichen Abstimmungen und Verlautbarungen der letzten Monate (vgl. unsere Glosse „Rinn in die Kartoffeln-raus aus denselben" in Heft 4/1978, S. 127).

Karl Breh 34 Jahre später

Das Dhfi ist für die Ausstellung, wichtige Mitglieder sind dagegen, und jedes Mitglied hat, wie in der UN, eine Stimme und nicht etwa so viele, wie seiner Bedeutung am Hi-Fi-Markt im Bundesgebiet entspricht. Man mag daraus den Schluß ziehen, daß das Dhfi als Veranstalter einer Hi-Fi-Ausstellung ungeeignet ist; eine diesbezügliche Frage der FUNKSCHAU wurde nicht beantwortet. Andererseits ist es mehr als unsicher, daß beim Ausscheiden des Dhfi als Veranstalter die „Großen Deutschen" kommen würden.

Karl Breh hat das Hick-Hack im Institut vor der Presse in Düsseldorf mit aller Offenheit erläutert, ihm sei darob Lob gespendet, zumal er einige persönliche Niederlagen offen eingestand.

Hi-Fi 78 findet statt

Messedirektor Schoop, sein Mitarbeiter Wismer und die Herren von Dhfi erläuterten, wie es im August in Düsseldorf zugehen wird. Nachzutragen ist, daß mit einer französischen Kollektivausstellung gerechnet wird, die die belegten Quadratmeter insgesamt mühelos über das 1976er-Niveau bringen kann. Breh und seine Mannen halten an einem niveauvollen Rahmenprogramm fest. So ist neben allerlei Schallplattenkonzerten der einschlägigen Industrie an zwölf Veranstaltungen gedacht, in deren Rahmen das Publikum an der Entstehung einer Schallplattenaufnahme teilnehmen kann, manche Glückliche sogar direkt im Regieraum. Das Ergebnis der 8-Minuten-Aufnahme wird dann in den Saal eingespielt.

Die Frage nach der Berücksichtigung von Pop wurde sehr zögernd beantwortet, und erst kräftiges Nachbohren ergab, daß dies die Sache des Westdeutschen Rundfunks (WDR) sein wird - und der will im März die Karten offenlegen. Jedenfalls steigt der WDR nach erfolgreichen Verhandlungen zwischen Messedirektor Schoop und WDR-Intendanten von Seil groß ein; wesentliche Teile des WDR-Musik- Hörfunkprogramms während der Ausstellungstage kommen aus einer Düsseldorfer Messehalle. Auch der Deutschlandfunk und die Deutsche Welle beteiligen sich, beide Anstalten haben ihren Sitz in Köln, also im Einzugsbereich der Hi-Fi 78.

Chefredakteur Karl Tetzner 1978

Unverändert sind auf der Ausstellung nur Erzeugnisse zugelassen, die der DIN 45 500 entsprechen, wobei man sich über die Problematik einer echten Überwachung im klaren ist. Die Vorführkabinen sollen gegenüber 1976 verbessert werden, vornehmlich was die Klimatisierung angeht. Der Katalog wird einen besonderen Fachaufsatz-Teil enthalten. Übrigens will der WDR eine Anzahl Kunstkopf-Demonstrationen durchführen.

Eingangs des Gesprächs mit den Journalisten verteidigte sich Messedirektor Schoop gegen Vorwürfe, Düsseldorf wolle qua Hi-Fi-Ausstellung dem Platz Berlin langsam die Funkausstellung abspenstig machen. Dem sei nicht so-die Funkausstellung gehört zum Funkturm. Übrigens wird die Hi-Fi '78 die vierte Hi-Fi-Ausstellung in Düsseldorf sein, wenn man richtig zählt. K.T.

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