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Die Hifi-Ausstellung 1980 in Düsseldorf - Bericht 1

Jan. 2013 - von Gert Redlich - Ich fange mit einer 5seitigen Berichterstattung der ELO 1980 Heft 11 an. Wir haben noch mehrere solcher Berichte zum Beispiel aus der Hifi-Sterophonie, der Funkschau, der Funktechnik, dem fonoforum und anderen Magazinen. Nicht alle haben die große Gefahr für die ganze Branche erkannt oder publiziert, um nicht die letzten möglichen Kunden auch noch zu verschrecken. Hier in der ELO steht es im Klartext.

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November 1980 "Der harte Kampf ums Überleben".

Das Titelbild in der ELO Nr. 11 von 1980

ein Bericht von Lutz Findeisen und Winfried Knobloch im November 1980

Fast 300 Aussteller, 187.000 Besucher - das waren die Äußerlichkeiten der hifi 80. Doch nur die Journalisten hörten zwischen den „Zeilen", wie es im „Innern" der Aussteller gärte. Der Konkurrenzdruck ist unerbittlich geworden. Die Japaner drücken die Preise der Europäer, und den Japanern sitzen andere Ostasiaten im Nacken, die noch billiger produzieren. Das freut zwar die Endverbraucher, aber Arbeitsplätze sind bedroht. Wer hinter die Kulissen schauen durfte, bekam in Düsseldorf ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Anmerkung: Die beiden Redakteure haben es schon gemerkt, da stimmte etwas hinter den Kulissen nicht mehr. Die Firmen waren unter immensem Erfolgsdruck zu dieser Messe angereist. Jede noch so kleine Marktlücke - selbst eine vermeintliche - wurde besetzt - mit noch so bekloppten Produkten. Selbst Marktführer suchten nach der Lücke - wie z.B. Grundig mit den wirklich super tollen Hifi-Geräten der 1980er Jahre.

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Das Angebot ist unüberschaubar geworden . . .

Hi-Fi im Tragekoffer. Das Cassetten- Deck ist auch für Metallbänder aus- gelegt (ein Flop von Blaupunkt)

Besucher, die mit dem Vorsatz gekommen waren, sich eine neue Hi-Fi-Anlage auszusuchen, kapitulierten oft schon nach einer Stunde des Sich-durch-die-Halle-schieben-Lassens. Wie sollten sie sich merken, welches Gerät wo ausgestellt war, wenn so mancher Aussteller um die hundert Neuheiten präsentierte. Hätte der Besucher nur die Kataloge gesammelt, wäre er bald zusammengebrochen. Brachte doch das ELO-Team allein schon fast einen Zentner Pressematerial mit. Angesichts dieser Fülle können auch wir nur über einige Einzelheiten berichten, die uns besonders auffielen.

Anmerkung: Diesen großen und edel mit Kunstleder bezogenen "Koffer" hatte der Autor dieser Webseiten gr um 1980/81 versucht, im gesamten Bundesgebiet anzubieten. Erst nach längerem Mißerfolg wurde klar, daß so gut wie kein "normaler" Mensch solch ein Ungetüm an Stereoanlage zu irgendeiner Waldparty "in den Busch" schleppt. Und die erwartete Menge der (unnormalen) Kunden tat sich leider nicht auf. Auch Blaupunkt hatte nur wenige Exemplare des GSA Koffers abgenommen. (Den einzigen und letzten habe ich dann endlich in 2012 verkauft. Ich konnte ihn einfach nicht entsorgen)

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1980 - Türme sind „in" - Kompaktanlagen „out"

Und fast jeder Turm läßt sich fernbedienen. Mal mehr, mal weniger Funktionen. Am interessantesten bei Philips, bei denen die Hi-Fi-Geräte sowie der Farbfernseher und der Videorecorder (!) über einen Datenbus miteinander verbunden sind. Das spart Leitungen und sichert gegen Verwechslungen. Allerdings nur in der Elektronik, denn die Fernbedienung erfordert bei so vielen Möglichkeiten erhöhte Aufmerksamkeit. Ein netter Gag fiel bei Philips von selbst an. Zwei Bausteine aus dem Jahr 1958, Tuner und Verstärker, natürlich röhrenbestückt, passen in ihrer Größe genau zum modernsten Turm.

VHF-/UHF-Tuner für Stereo- Fernseh- tonempfang zur Wiedergabe auf der Hi-Fi-Anlage (ITT).
Auch in den Minis ist noch Platz für eine Fernbedienung, wie hier anschaulich und charmant vorgeführt wird (Akai).
Bald wird es zu der Slim-Line-Anlage von Metz auch einen Equalizer geben.
Etwas für Fort- geschrittene ist diese ausgefeilte Kombination mit Boxen (Loewe).

Anmerkung: Von den oben gezeigten Anlagen haben sich nur wenige in die Wohnzimmer verirrt. Ein untrüglicher (heutiger) Maßstab für den damaligen Verbreitungsgrad ist das Erscheinen solcher (historischer) Modelle und Fabrikate im ebay nach 2008.

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„Moving Coil" schlägt Magnetsysteme

Auch dies ist ein neuer Trend, der mit so manchem Schlagwort eingeführt wird. Rüsten Sie Ihren Plattenspieler aber deshalb nicht gleich um. Unter beiden Systemen gibt es „solche und solche". Außerdem verlangen die dynamischen Systeme spezielle Verstärkereingänge, und selbst die passen nicht für alle. Weil es hier zu sehr auf Eingangskapazität und Eingangswiderstand ankommt. Im ungünstigsten Fall hören Sie nur mehr Rauschen.

Gewicht und Masse sind im Angebot

Dieser Plattenspieler wird ver- schaukelt und jault trotzdem nicht. Kardanische Tonarmaufhängung macht's möglich (Dual).

Bei den Plattenspielern gab es schwere und schwerste - bis zu über einen Zentner an Masse - und übliche „normale". Die meisten Verbesserungen fand man an den Tonarmen.

JVC gleicht über Linearmötoren Höhen- und Seitenschlag der Schallplatten aus, Sony stellt ebenfalls mit Linearmotoren den Tonarm immer richtig ein, und Dual hängt den Tonarm im Schwerpunkt kardanisch auf.

Ein arg getaumelter Plattenspieler bewies so, daß man damit auch auf einem schwankenden Schiff Schallplatten abspielen kann. Immerhin gehört die obligate Wasserwaage wohl bald der Vergangenheit an.

Anmerkung: Dual ließ nicht nur den Plattenspieler taumeln, das St.Georgener Unternehmen taumelte bereits selbst. Der Hifi-Markt war satt an hochwertigen und höchstwertigen Abspielgeräten. Sowohl Thorens als auch die gesamten Japaner hatten inzwischen Wettbewerbsprodukte auf dem hart umkämpften Markt. Und Dual brachte immer weitere neue Typen raus, sodaß auch ein Händler überhaupt nicht mehr durchblickte, was denn dieses oder jenes Modell "konnte". Dann 1982 war Dual am Ende, ausgetaumelt, konkurs.

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Alle vertragen „Reineisen"

So präsentierte sich den WDR Toningenieuren das Publikum. Ein Blick aus dem gläsernen Studio. Man beachte die beiden Grundig Aktivlautsprecher.
Der neue Revox B710 Recorder

Und die Hersteller denken dabei ans Cassettengeschäft. Denn die Reineisencassette, bei einigen Herstellern garantiert rostfrei (da gab es tatsächlich Probleme!), kostet so an die 20DM. Also, jeder Recorder-Hersteller, der auf sich hält, bietet einen (oder viele) Cassettenrecorder an, die auch mit der neuen Metall-Cassette können. Doch selbst im A-B Vergleich zieht die Chromdioxid-Cassette noch immer mühelos mit. Aber vielleicht hören einige Kunden doch besser und erahnen die möglichen etwa 2dB Höhengewinn. Gewinne bringt das Metallband aber sicher demjenigen, der geschickt dafür wirbt.

Bei einem Gerät jedoch könnte es das Rennen machen: im Revox B 710, dem ersten Cassettenrecorder dieser renommierten Firma. Nach dessen Preis haben wir vorsichtshalber gar nicht erst gefragt. Schon an die zwanzig Lizenznehmer hat Telefunken für sein wirklich exzellentes Rauschunterdrückungsverfahren High-Com, aber wie lange wird es noch gebraucht? Denn schon tauchen die ersten PCM-Audio-Recorder auf, wie bei Technics - hier noch mit Videokassette und rotierenden Köpfen.

Digitales auf mattsilberner Platte angerichtet - PCM ist auf dem Vormarsch (Sanyo).

PCM Bild- und PCM Ton-Platten

Es gibt sie zwar, aber sie waren nur hinter der vorgehaltenen Hand zu sehen (Video war von der Ausstellungsleitung verboten) und zu hören (erlaubt), so etwa bei Telefunken.

Und es wird um sie erst interessant werden, wenn es dafür eine weltweite Norm gibt, für die sich genanntes Unternehmen besonders aufgeschlossen zeigt.

Die ersten Schritte in dieser Richtung waren aber recht erfolgsversprechend.

Und die übrigen Komponenten?

Damit Sie gleich wissen, woher die gute Musik kommt - ein mikroprozessorgesteuerter Tuner mit Sendererkennung (Grundig).
Bei diesem Tuner läßt sich neben den Programmen selbst auch der Stationsname einspeichern, z. B. WDR 2, SWF 3. (ist aber bereits alte Technik)

Bei den Tunern geht es nicht mehr ohne Digitalanzeigen und Vorprogrammierung; und Grundig führte sogar einen vor, der die Senderkennung, wie WDR 3, anzeigt. Bei den Verstärkern bekommen die Röhrenverstärker wegen ihrer geringen Intermodulationsverzerrungen wieder Oberwasser. Allerdings präsentierte Harman Kardon den ersten Verstärker von Dr. Matti Otala, dem Entdecker der Transient-Inter-Modulation (TIM). Dieser Verstärker Citation XX leistet 250 W/Kanal und hat nur 12 dB Gegenkopplung über zwei ineinandergelegte Rückkopplungsschleifen.

Bei den Lautsprechern gibt es ebenfalls einiges Neues, wie die BM 12 von Backes & Müller, inzwischen Referenzbox einiger Testzeitschriften - das Paar für rund 12.000.- DM; selbstverständlich Aktivboxen mit Bewegungsgegenkopplung. Vielbeachtet wurden auch die Biegenschwinger MBL 100 von der MBL-Akustikgeräte GmbH sowie die noch erwähnte Monolith von Grundig, bei der die einzelnen Systeme nach einem Digitalprogramm einmal so und einmal so gepolt sind.

Probehören in Autoattrappen (Bose).

Jetzt kommt echte Hi-Fi ins Auto

Die Techniker von Bose haben ihr bekanntes „Direkt/Reflecting-System" fürs Auto umgestrickt. Urplötzlich ist der im Fahrzeug lange vermißte Tiefbaß in voller Intensität da.
Der zu den vier Lautsprechern gehörige Equalizer-Verstärker leistet 100 satte Watt, zwei Regler erlauben die individuelle Anpassung an die verschiedenen Fahrzeuginnenräume. Gut Ding will Märker haben, in diesem Fall sind's ziemlich genau neunhundert davon.

Anmerkung: BOSE hatte mit den 901 einen gewaltigen weltweiten Erfolg (mit an die 250.000 Stück - vermutlich 120.000 Paare) und legte immer noch nach. Doch irgendwann war der Markt gesättigt und was nun ? BOSE entwickelte ein aktives Autolautsprechersystem (mit 4 ganz simplen einfachen und problemlosen Breitbandchassis aus der 800er Serie) und verkaufte es in den USA an GM und Ford - wieder mit grandiosem Erfolg. Der musste natürlich in Europa wiederholbar sein. War er aber dann doch nicht. Hier baute man lieber Blaupunkt ein. Jedenfalls noch ein par Jahre lang.

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PCM direkt vom (Video-)Band (Technics).

Die Hersteller haben es längst erkannt: Die Aufzeichnung hochwertiger Musikstücke ist mit der herkömmlichen Analog-Aufzeichnungstechnik kaum noch zu verbessern. Mit High-Com ist man an die Grenzen der Wiedergabetreue gestoßen. So stürzen sich denn immer mehr Hersteller auf die vielver- sprechende Digitaltechnik. Fast überall geht man dabei über den Umweg Videorecorder.
Einzig Sanyo stellte ein anderes Mustergerät vor
, bei dem das totgeglaubte Elcaset-System von Sony zu neuem Leben erwacht. Hier erreicht man mit stehendem Tonkopf bei 9,5cm/s Bandgeschwindigkeit u. a. eine Dynamik von über 86dB! In Serie gehen wird dies Gerät aber wohl niemals. Vielleicht deshalb nicht, weil man schon an einem PCM- Compactcassetten- system entwickelt?

Die Microcassette wird erwachsen

Von den Diktiergeräten her kennt man sie schon, jetzt drängt das streichholzschachtelgroße Ding auch noch auf den Hi-Fi-Markt. Eine ganze Stunde Musik paßt mittlerweile drauf.

Anmerkung: Der Versuch mit der primitven Microkassette scheiterte kläglich. Heute spricht kaum noch jemand mal davon, daß es soetwas überhaupt gab. Wie gesagt, manche Hersteller suchten ganz verzweifelt nach der Lücke, denn auch in Japan setzte das große Sterben ein.

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Gigantomanie oder Monolith - von Grundig

Von ganz anderem Kaliber sind da die Größten von Grundig. Diese „Monolith" genannten State-of-the-art-Lautsprecher würden mit ihren 1,90 Metern selbst für einen bekannten gallischen Hinkelsteintransporteur zum Problem werden.

160 Watt steuern die insgesamt 22 Systeme dieser Aktivbox zu höchster Wiedergabetreue. Wer genug Platz hat, kann für knapp 3.000.- DM pro Stück sein privates Hi-Fi-Stonehenge im Wohnraum aufbauen.

Anmerkung: So richtige "160" Watt waren das aber nicht, es waren nämlich 4 x 40 Watt Sinus - sehr ähnlich der Grundig XSM 3000. Und das war nicht nur damals bereits zu wenig für einen kräftigen Bass in größeren Räumen.

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Was gab es sonst noch?

Autos und Möbel. Autos als Blickfang, neben den Standmiezen natürlich, und Möbel, weil sich ein alter Trend neu bemerkbar macht, die inzwischen wieder als zu technisch angesehenen Geräte zu verstecken.

Einen schönen Nebenerfolg seiner Hi-Fi Entwicklung führte Sennheiser vor: ein drahtloser Hörtrainer für hörgeschädigte Kinder kann individuell an das Hörgerät des Patienten angepaßt werden. Ein menschlicher Zug in einer unmenschlich anstrengenden Ausstellung.

Lutz Findeisen Winfried Knobloch im November 1980
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