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Japan war für uns Deutsche immer ganz weit weg

Dennoch hatte ich auf den Grundig Seiten an vielen Stellen bemängelt, der kluge Max hätte öfter mal zumindest einen seiner Entwickler nach Japan zu solch einer Ausstellung schicken müssen, um nicht völlig überrascht vor deren neuen Produkten zu stehen. Doch auch die Chefs von Telefunken und Siemens und so gut wie allen anderen großen deutschen Herstellern hatten das versäumt. Und es stellte sich als fataler Fehler heraus, immer nur noch "hinterher" reagieren zu müssen. Charles Betignerat berichtet für die Hifi-Stereophonie aus Tokyo :

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TOKYO AUDIO FAIR 1981
Technologien - Markttendenzen - Visionen

TOKYO AUDIO FAIR 1981
Auch komplizierte technische Zusammenhänge werden in Tokyo von Damen erklärt.
Das Programm der Firma Fostex
Müheloses Überschreiten der Schmerzschwelle garantiert. Auch für Freaks, die nach dem Motto „je lauter desto HiFi" leben, ist in Tokio gesorgt.
Wunschtraum oder Alptraum? Ein Vierkanal-Cassetten-Tonstudio von Clarion mit unglaublich vielen Spielereimöglichkeiten von Multiplay, Vierkanal-Abmischungen, Klangbeeinflussung etc.
Ein Durchbruch auf dem Wege zur Popularisierung von PCM. Dieses PCM-Cassettendeck von Sanyo kommt mit einer normalen Metallband-Compactcassette aus und arbeitet mit feststehenden Tonköpfen.
Der Siegeszug der Compact Disc ist nicht mehr aufzuhalten.
Nicht weniger als 16 Firmen stellten CD-Plattenspieler aus. Hier die Modelle von Denon und AIWA.
Schubladen sind "in", auch bei SONY.

Unter den zahllosen Unterhaltungselektronik-Ausstellungen, die es weltweit gibt, nimmt die Tokyo Audio Fair gleich in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung ein. Erstens wird sie wohl bald einmal die einzige „reinrassige" HiFi-Messe sein, zweitens ist sie mit ihren zwei nicht einmal besonders geräumigen Hallen eine der kleinsten Ausstellungen der Welt, und trotzdem gilt sie drittens als die interessanteste HiFi-Schau überhaupt.

Eine andere Kultur und andere Sitten

Schon eine Stunde vor Ausstellungseröffnung stehen tausend, vielleicht zweitausend Leute unglaublich gesittet und ohne zu drängen in einer schier endlosen Schlange vor der Kasse, und innerhalb der sieben Stunden, die sie zugänglich ist, werden nicht weniger als 65.000 Menschen durch die Messe geschleust.

Wer zu Platzangst neigt, bleibt da besser zu Hause. Niemand stößt sich daran, daß auch den größten und mächtigsten Konzernen hier nur relativ wenig Ausstellungsfläche zur Verfügung steht. Im Gegenteil, dies wird sogar als positiv empfunden, denn dem Publikum erspart es lange Fußmärsche und den Ausstellern einiges an Spesen.

Eine Hifi-Messe in nur zwei Hallen ?

Die Japaner - schon seit jeher Weltmeister im optimalen Nützen enger räumlicher Gegebenheiten - beweisen auf das Brillanteste, daß man keine ganze Halle für sich allein braucht, um seine Produkte attraktiv und informativ ausstellen zu können. Konzentration auf das Wesentliche heißt das Stichwort, und wesentlich ist den Japanern Information.

Das Publikum in Tokio ist unglaublich wißbegierig, und zwar nicht nur quantitativ, sondern auch, was Details und Innereien der Exponate angeht. Vor den Prospektausgabestellen stehen die Leute in langen Schlangen und mit märchenhafter Disziplin, und wenn es ans Ausprobieren, etwa von Cassettendecks, geht, wird sorgfältig jeder einzelne Schalter unter die Lupe genommen, jeder einzelne Betriebszustand erprobt. Abgerissene Knöpfe oder zertretene Blumendekorationen wie in Europa oder Amerika gibt es nicht.

Alles strahlt eine irre Kompetenz aus

Konzentrierte Information, das bedeutet, daß es an allen Ständen von Grafiken, Schnittmodellen und Testaufbauten wimmelt und daß alle paar Meter ein charmantes Mädchen steht, das über eine kleine Lautsprecheranlage Erklärungen gibt. Es ist verblüffend, mit welcher Selbstverständlichkeit diese jungen Damen auch komplizierte Schaltungsdetails erläutern, mühelos mit Oszilloskopen hantieren und freundlich lächelnd, mit nie erlahmendem Eifer für „ihr" Gerät werben.

8 Spuren auf normalem Tonband

Ein hervorragend durchdachtes Programm von Tonbandgeräten und Mischpulten zeigte die bisher fast nur Fachleuten bekannte Firma Fostex. Die Palette umfaßt je ein zwei-, vier- und achtspuriges Tonbandgerät, alle mit Viertelzollband (!), 18-cm-Spulen sowie serienmäßig Dolby-C und ausdrücklich konzipiert als Arbeitsinstrument für den kreativen (Pop-)MusiKer, der seine Ideen nicht zu Papier, sondern „zu Band" bringen will.

Für unsere Europäer wäre das das Wichtigste

Aber, und das macht die Tokyo Audio Fair so enorm interessant, die Hersteller zeigen auf dieser Messe nicht nur, was sie gerade im aktuellen Verkaufsprogramm haben. An praktisch allen Ständen sieht man auch Labormuster und Prototypen neuester Entwicklungen.

Geräte, die vielleicht schon im nächsten Herbst in den Verkauf gelangen werden
, vielleicht aber auch erst in mehreren Jahren. Nirgendwo sonst kann man so weit in die Audio-Zukunft blicken, kann so viel über neue Technologien erfahren und über Markttendenzen lernen.

Die Compact Disc kommt, gnadenlos

Der bestimmende Eindruck von der diesjährigen Ausstellung heißt Compact Disc. Nicht weniger als 16 Firmen zeigten CD-Plattenspieler, etliche davon in ganz großer Aufmachung, und da waren die europäischen Compact-Disc-Systempartner noch nicht einmal dabei!

Insgesamt umfaßt die CD-Familie (vorläufig und ohne Anspruch auf Vollständigkeit) 28 Firmen, und diese repräsentieren die überwältigende Mehrheit des Weltmarktes.

Demgegenüber konnte Telefunken
(in Tokio ebenfalls nicht vertreten) keinen einzigen Systempartner für das Mini-Disk-System vorweisen.

Auch die Schallplattenseite ist in Japan geklärt: Neben den in der Phonogram zusammengefaßten Firmen (DG, Archiv, Polydor, Philips, Decca etc.) werden auch EMI, CBS und Denon Compact Discs herstellen.

Damit steht nun wohl endgültig fest, daß diesem Medium die Zukunft der High-Fidelity gehört.

PCM ist die Konkurrenz zur CD

Parallel dazu hat die PCM-Technik auch auf der Tonbandseite einen großen Sprung nach vorne getan: JVC, Pioneer, Sanyo, Sharp und Sony demonstrierten PCM-Cassettendecks, die mit normalen Compact-Cassetten arbeiten.

Natürlich, wie könnte es auch anders sein, mit unterschiedlichen Aufzeichnungsformaten, Spurlagen und Bandgeschwindigkeiten, so daß die Cassetten zwischen den einzelnen Geräten nicht austauschbar sind. Aber es sind bereits Gespräche zwischen den genannten Herstellern im Gange, die eine Standardisierung eines Aufzeichnungsformates für PCM-Com-pactcassetten zum Ziel haben.

Es ist sehr zu hoffen, daß diese Verhandlungen von Erfolg gekrönt sind, damit, wenn in zwei bis drei Jahren solche PCM-Cassettendecks auf den Konsumentenmarkt gelangen, nicht dasselbe Systemwirrwarr entsteht, wie es heute bei Videorecordern der Fall ist.

von Charles Betignerat im Jahr 1981
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PCM hatte nicht überlebt

Wie wir heute in 2010 wissen, hatte die Formatvielfalt und die aufwendige Magnetband-Technik fast keine Chance gegen das neue und vor allem verschleißfreie optische Verfahren auf der CD.

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Die Zukunft der CD steht hier:

Folgende Firmen haben bisher Compact-Disc Plattenspieler vorgeführt oder angekündigt (Stand November 1981):
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  1. Aiwa
  2. Akai
  3. Bang & Olufsen
  4. Crown
  5. Cybernet
  6. Denon
  7. Dual
  8. Fisher
  9. Grundig
  10. ITT
  11. Kenwood
  12. Marantz
  13. Mitsubishi
  14. Nakamichi
  15. NEC
  16. Onkyo
  17. Philips
  18. Pioneer
  19. Revox
  20. Saba
  21. Sansui
  22. Sanyo
  23. Sharp
  24. Sony
  25. Technics
  26. Thomson-Brandt
  27. Toshiba
  28. Yamaha

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