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Die KlangBild Serie 1978 - "Die DIN 45 500"
Der Verstärker (KlangBild Heft 02/1978)

Die DIN 45500 war eine Norm, die viele Kontrversen hervorgebracht hatte.
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DIN 45500 - IM SPIEGEL DER NORM - Teil XI.
Verstärker-Eingänge und -Ausgänge

Nach einer kleinen Unterbrechung, für die der Leser Verständnis haben möge, wollen wir unsere Serie über die Forderungen der Hi-Fi-Norm an die Glieder einer Übertragungskette hiermit fortsetzen.

Zuletzt hatten wir den Verstärker und hier wiederum den Dämpfungsfaktor und den Belastungsscheinwiderstand behandelt. Die jetzt an die Reihe kommenden Normforderungen befassen sich - grob zusammengefaßt - mit den Eingängen und den Ausgängen eines Verstärkers.

Die Eingänge

Behandeln wir nun zunächst die Eingänge, also jene Anschlüsse im weiteren Sinne, über welche die Signale der vorgeschalteten Programmquellen in den Verstärker (oder z. B. auch in den Verstärkerteil eines Steuergeräts oder eines Kompaktgeräts) eingespeist werden.

Bei den Programmquellen unterscheidet man sogenannte hochpegelige Quellen und niederpegelige Quellen. Erstere, zu denen Plattenspieler mit Kristall- oder Keramiktonabnehmer, Tape Decks (Spulenbandgeräte ohne Endverstärker), Kassettendecks (Kassettenbandgeräte ohne Endverstärker) und Tuner (Empfänger bzw. Empfangsteile) gehören, werden deshalb hochpegelige Quellen genannt, weil die von ihnen gelieferte Ausgangsspannung (Signalspannung) einige hundert Millivolt oder gar etwas über ein Volt beträgt.

Die Ausgangsspannung der sogenannten niederpegeligen Programmquellen wie z. B. Mikrofon oder Plattenspieler mit magnetdynamischem Abtastsystem beträgt dagegen weniger als ein oder günstigstenfalls einige Millivolt.
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Der scheinbare Widerspruch

Der Höhe der von den verschiedenen Programmquellen gelieferten Signalspannung müssen nun die Eingänge des Verstärkers Rechnung tragen. Seine Eingangsempfindlichkeiten müssen also entsprechend bemessen sein.

Der Begriff „Eingangsempfindlichkeit" taucht als solcher zwar in „Blatt 6" der Hi-Fi-Norm nicht auf, doch kann seine nähere Erläuterung zum Verständnis dessen beitragen, was mit der entsprechenden Normforderung gemeint ist.

Statt langer Erklärungen am besten gleich ein Beispiel: Steht im Datenblatt eines Verstärkers „Empfindlichkeit Eingang Tuner 250mV", so bedeutet dies, daß in den entsprechenden Eingang eine Signalspannung von mindestens 250 Millivolt eingespeist werden muß, damit der Verstärker „voll ausgesteuert" wird, also seine Nennausgangsleistung erreicht.

Es wird aber auch „umgekehrt ein Schuh daraus": Die Aussage kann nämlich ebenso gut lauten, daß dem betreffenden Verstärker eine Signalspannung von 250 mV genügt, um auf volle Leistung zu kommen.

Ein Gegenbeispiel dürfte die Sache vollends klar machen: Ist für einen gedachten zweiten Verstärker eine vergleichbare Eingangsempfindlichkeit von 400mV angegeben, so reicht diesem eine Signalspannung von 20mV nicht aus, um seine Nennausgangsleistung zu erreichen. Er braucht eben mindestens 400 mV.

Mit anderen Worten: Der erstgenannte Verstärker hat eine „bessere" (höhere) Eingangsempfindlichkeit als der andere; mithin ist der geringere Wert (hier 250mV) der bessere und nicht der größere. Was also auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, ist nur ein scheinbarer Widerspruch.
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Auf die Phono-Empfindlichkeit achten

Entsprechend verhält es sich nun auch mit den Eingängen für niederpegelige Programmquellen. Ist also bei einem Verstärker „Empfindlichkeit Eingang Phono magnetisch: 3,5mV" angegeben, so muß das Tonabnehmersystem des angeschlossenen Plattenspielers mindestens 3,5mV Signalspannung liefern, damit der Verstärker auf Nennleistung kommt.

Eine Phono-Empfindlichkeit von 2,5 oder gar 1,5 mV würde dagegen bedeuten, daß der Tonabnehmer nur eine solche Spannung aufzubringen brauchte, um den Verstärker voll auszusteuern.

Da hochwertige magnetische Abtaster häufig nicht viel mehr als die letztgenannten Pegel liefern, sollte man darauf achten, daß die Phono-Empfindlichkeit eines Verstärkers bzw. Verstärkerteils in der Größenordnung von 2mV liegt. Andernfalls muß bei Plattenwiedergabe „weiter aufgedreht" werden als z. B. bei Rundfunkoder Bandwiedergabe.

Wie schon gesagt, arbeitet die Norm nicht mit dem Begriff Eingangsempfindlichkeit. Sie spricht vielmehr von "Nenn-Eingangsspannungen". Und wenn sie sagt, daß bei linearen Eingängen (das sind die Anschlüsse für die erwähnten hochpegeligen Quellen) die Nenneingangsspannung kleiner oder gleich 0,5Volt sein muß, so meint sie damit, daß der Wert für die Empfindlichkeit der linearen Eingänge nicht über 500mV betragen darf. Andernfalls ist der Verstärker eben zu wenig empfindlich.

Entsprechendes gilt für die „Eingänge für magnetische Schallplattenabtaster". Für sie muß die Nenneingangsspannung kleiner oder gleich 5mV sein. Und auch hier nochmals zur Erinnerung: Je geringer der Wert (also z. B. 3mV statt 5mV) für die Eingangsempfindlichkeit, desto besser - zumindest im Prinzip.
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DIN-gerecht oder nicht ?

Die genannten Nenneingangsspannungen gelten bei einer Meßfrequenz von 1kHz und bei bestimmten „Eingangsscheinwiderständen". Bei linearen Eingängen wird von einem Scheinwiderstand von mindestens 470 Kilo-Ohm ausgegangen, bei Eingängen für magnetische Tonabnehmer von einem Scheinwiderstand von 47 Kiloohm ±20%.

Die Toleranz bedeutet für die Praxis, daß der Wert zwischen 37,6 und 56,4 Kiloohm schwanken darf. Die Eingangswiderstände sind eine Bezugsgröße und keine direkte Forderung der Norm.

Denn vornehmlich bei Geräten aus Übersee findet man z. B. bei den linearen Eingängen Scheinwiderstände, die erheblich niedriger als 470 Kiloohm sind. Trotzdem sind derartige Geräte in diesem Punkt DIN-gerecht.

Nimmt man es sehr streng, dann sind sie es nicht, was den jetzt folgenden Punkt 3.2 von „Blatt 6" der DIN 45 500 betrifft. Dieser fordert nämlich, daß für bestimmte Ausgänge die bekannten DIN-Buchsen verwendet werden müssen.

Dies gilt für den Anschluß von Leistungsverstärkern (Endverstärkern) an Vorverstärker und von Bandgeräten an Verstärker. Auch die zu den Lautsprecherboxen (oder zu Kopfhörern) führenden Verstärkerausgänge gehören dazu.

Die japanischen und amerikanischen Geräte arbeiten da bekanntlich mit Cinch- und Klinkenbuchsen (letztere besonders für Kopfhörer) bzw. mit Klemm- oder Schraubanschlüssen (diese besonders für die Lautsprecherboxen).
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Weniger empfindlich gegen Störungen

Die Geräte sind nicht ohne Grund mit derartigen Anschlüssen ausgestattet:

Cinch-Tonbandverbindungen beispielsweise sind weniger anfällig gegen Brummeinstreuungen und gegen Verluste an hohen Frequenzen als DIN-Kabel und können daher auch länger gewählt werden als letztere. Und bei Verstärkern sehr hoher Ausgangsleistung gibt es weniger Verluste, wenn statt der DIN-Verbindung, deren einer Stift ja ziemlich dünn ist, eine solide Klemme mit relativ großer Kontaktfläche verwendet wird.

Auch beim soliden Kopfhörer-Klinkenstecker hat man „etwas in der Hand"; er übersteht auch zahllose Steckvorgänge.

Allenfalls bei den Tonbandanschlüssen zeigen die Übersee-Modelle ein gewisses „Entgegenkommen" gegenüber DIN 45 500: Sie bieten manchmal neben den üblichen Cinch-Buchsen, die ja immerhin vier Kabel erfordern, noch eine zusätzliche DIN-Tonbandbuchse. Denn was den Bandgeräteanschluß betrifft, geht die „gemischte Verbindung" nicht gut.

Die Cinch-Anschlüsse sind nämlich pegelmäßig anders ausgelegt als die DIN-Anschlüsse. Man schalte also immer entweder „Cinch an Cinch" oder „DIN an DIN".
Ist keine andere als die gemischte Verbindung möglich, so muß entweder ein Adapterkabel mit Dämpfungswiderständen her, oder der Fachhändler muß die Eingangsschaltung des Bandgeräts ändern - je nachdem, wo der DIN-Anschluß sitzt.
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Zumindest DIN-nahe

Einer anderen DIN-Forderung kommen die ausländischen Geräte zumindest sehr nahe. Sie besagt, daß die Ausgangsspannung von Vorverstärkern zur Erzielung der Vollaussteuerung beim nachgeschalteten Endverstärker mindestens 1 Volt betragen muß - dies wiederum bei einer Meßfrequenz von 1 kHz und im vorliegenden Fall bei einem Ausgangsscheinwiderstand von kleiner oder gleich 47 Kiloohm.

Bekanntlich bieten ja manche „Japaner" unter den Vollverstärkern oder Steuergeräten die Möglichkeit, das Signal des Vorverstärkerteils an einem dafür geschaffenen Anschluß abzugreifen. Und der Pegel, den dieser Ausgang bei deutlich weniger als 47 Kiloohm Ausgangswiderstand (damit sehr gute Befolgung der Norm) liefert, liegt etwa in der Größenordnung von 1 Volt.

Zumindest teilweise Übereinstimmung zeigen die japanischen oder amerikanischen Geräte mit dem Punkt 3.2.3 von „Blatt 6" unserer Hi-Fi-Norm.

Dieser fordert, daß bei Ausgängen zum Anschluß von Lautsprechern und Kopfhörern für den sogenannten Nennbelastungs- Scheinwiderstand - nennen wir ihn vereinfacht Anschlußwiderstand - einer der Werte 4 Ohm oder 8 Ohm (bei Lautsprecheranschlüssen) bzw. 200 Ohm oder 400 Ohm (bei Kopfhöreranschlüssen) gewählt werden muß.

Indem die Boxenausgänge der ausländischen Geräte zumeist für 8 Ohm Anschlußwiderstand ausgelegt sind, wird hier unserer DIN-Norm noch Genüge getan. Die Kopfhörerausgänge sind jedoch oft für sogenannte niederohmige Kopfhöhrer (Anschlußwiderstand etwa 10 bis 50 Ohm) gedacht. Die bei uns sehr weit verbreiteten „mittelohmigen" Kopfhörer (Anschlußwiderstand etwa 200 bis 600 Ohm) klingen daher, an solche Geräte angeschlossen, oft zu leise.
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Was an Rest bleibt

Lediglich der Vollständigkeit halber sollen jetzt noch die verbleibenden Punkte 3.3 und 4 von „Blatt 6" der DIN 45 500 hier erwähnt werden. Punkt 3.3 fordert, daß korrespondierende, also „gleichgesinnte" Anschlüsse gekennzeichnet werden müssen, wenn sie nicht durch bestimmte Steckanschlüsse (Beispiel: DIN-Kopfhörerstecker) und deren Kontaktbelegung (typisches Beispiel: DIN-Tonbandbuchse für Stereo) eindeutig gekennzeichnet sind.

Da die Überseegeräte ihre oft recht zahlreichen Cinch-Anschlüsse und auch die Ausgänge für die Lautsprecherboxen unmißverständlich kennzeichnen, dürfte es in dieser Beziehung keine Probleme geben.

Punkt 4 schließlich fordert, daß von den Eigenschaften eines Verstärkers zumindest die Nenneingangsspannung (sprich: Empfindlichkeit) aller Eingänge, die Nenneingangs-Scheinwiderstände aller Eingänge sowie die Nennausgangsspannung bzw. Nennausgangsleistung und der Nennklirrfaktor anzugeben sind - letztere drei Kriterien für jeden Kanal, wenn es sich um Stereo-Geräte handelt.

Als Anmerkung ist noch hinzugefügt, daß die sogenannte Musikleistung eines Verstärkers nur zusätzlich (gemeint ist zusätzlich zur Sinusleistung) und ausdrücklich als solche gekennzeichnet angegeben werden darf - womit die Norm auch „verdammt" recht hat. Soviel also zum Thema Verstärker. Im nächsten Beitrag kommt dann „Blatt 7" der Norm (Mindestanforderungen an Lautsprecher) an die Reihe.

Joachim Stiehr im FEB. 1978 KlangBild
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