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Es ist offensichtlich der erste deutsche richtige Hifi Stereo- Plattenspieler auf nenneswertem Niveau.

ELAC war die deutscher Qualitätsschmiede, die 1961 hierzulande ein Vorreiter war. Dual, PE, Telefunken, Philips und andere hatten zu der Zeit nichts Vergleichbares anzubieten. Es gab da zwar mal einen frühen PE Plattenspieler von 1959, den aber wirklich keiner kannte und von dem heute kein Exemplar mehr vorhanden ist.
ELAC baute auch Magnet- Tonabnehmersysteme. Der Thorens TD124, der Lenco L70 und der Garrad 301 bestimmten noch das Geschehen, jedenfalls bis jetzt. Der Braun PCS 5 und auch berühmte DUAL 1009 kamen erst Mitte/Ende 1963 und erst der DUAL 1009 brachte den eigentlichen Umbruch oder auch den Durchbruch der High Fidelity für Jedermann.

fonoforum 11/61 - 6. Jahrgang

Ein erster technischer Artikel in der Schallplatenzeitschrift fonoforum über einen edlen Plattenspieler für mindestens eineinhalb Monatsgehälter.
Es gab damals nur ganz ganz wenige Hif-Geräteanzeigen und auch fast keine Informationen über diese neue Technik. In der Funk-Technik und in der Funkschau von 1961 waren das bislang auch nur Randbereiche.

MIRACORD 10H
Ein Plattenwechsler für Hi-Fi-Wiedergabe

ein allererstes Foto 1961

von Ernst Pfau im November 1961 - Als wir zu Beginn dieses Jahres die Fabrikationsstätte der ELAC in Kiel besuchten, konnten wir das erste handgearbeitete Exemplar eines neuen Plattenspielers und Wechslers begutachten, der als deutsches Spitzengerät den Standard international anerkannter Hi-Fi-Geräte erreichen sollte. Unter der Bezeichnung „Miracord 10H" wurde das neue Erzeugnis jetzt auf der Deutschen Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung 1961 in Berlin ausgestellt und im Betrieb vorgeführt.

Der Hi-Fi-Freund konnte dabei gleich eine ganze Reihe neuer Bauprinzipien feststellen, zu deren Verwirklichung der Hersteller nicht nur ideenreich sein, sondern auch wirklich jahrzehntelange mechanische und elektrische Erfahrungen besitzen mußte.

Eine erste Anzeige im ff 1962

Die Konstrukteure der ELAC hatten sich vorgenommen, ein Universalgerät zu bauen, also einen Plattenwechsler, der zugleich als automatischer Plattenspieler und als Dauerspieler funktionierte. Die für den Hi-Fi-Standard erforderliche möglichst geringe mechanische Verkopplung des Antriebes und des Tonarmes wurde bei diesem Wechsler durch eine sorgfältige Neukonstruktion erreicht, als deren wesentliches äußeres Kennzeichen auch dem Laien eine noch weitergehende Vereinfachung des Antriebsund Steuermechanismus erscheint.
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Zunächst muß er (der Laie) die vorbildliche Gestaltung des Plattenspielers anerkennen, dessen Platine mit einer Glanzlackierung in dunkelgrauem Farbton gehalten ist, von dem sich die hochglanzverchromten Teile und der schwarze Tonarmkopf wirkungsvoll abheben. Außer der Geschwindigkeitsumschaltung durch einen links angebrachten Hebel fallen besonders vier runde Drucktasten neben dem Tonarm auf der rechten Seite auf. Diese auf leichtesten Fingerdruck erschütterungsfrei reagierenden Tasten dienen zum Start des Spielers, wobei jeweils den Plattendurchmessern von 17, 25 und 30 cm eine eigene Taste zugeordnet ist.
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Dies geschieht deshalb, weil je nach Wahl der Taste der Tonarm automatisch entsprechend der Plattengröße bei einem anderen Durchmesser aufsetzen muß. Die vierte Taste dient als Stopptaste, mit der das Abspielen zu jedem beliebigen Zeitpunkt unterbrochen werden kann, wobei der Tonarm automatisch in seine Ruhelage zurückgeführt wird. Bei der Geschwindigkeitsumschaltung ist keine Nullstellung notwendig, weil das Reibrad des Antriebes bei jeder Um- und Abschaltung wiederum automatisch von der Stufenscheibe der Motorachse abgehoben und erst beim nächsten Start wieder angedrückt wird.

Bei der Verwendung als Wechsler wird eine Stapelachse
je nach Wunsch für kleines oder großes Mittelloch der Schallplatte in die Plattentellermitte eingesetzt. Die Stapelachse arbeitet ohne Stabilisierungsvorrichtung nach dem Schirmträgerprinzip und faßt bis zu 10 Platten gleichen Durchmessers und gleicher Drehzahl. Setzt man statt der Stapelachse eine kurze Spielerachse ein, dann arbeitet der „Miracord 10H" als automatischer Plattenspieler. Das bedeutet, daß der Benutzer mit unsicherer Hand das Aufsetzen und Abheben des Tonarmes dem Automatismus überlassen kann. Will er bei größeren Platten einzelne Bänder auswählen, kann er natürlich den Tonarm auch von Hand bedienen.

Die kurze Stapelachse kann aber auch umgekehrt eingesteckt werden. Dies bewirkt, daß die aufgelegte Platte so lange wiederholt abgespielt wird, bis man die Ausschaltung mit der Stopptaste auslöst. Es ist nicht jedermanns Sache, die Platten auf den laufenden Plattenteller aufzulegen oder von diesem abzunehmen. Andererseits aber haben alle schweren Plattenteller natürlich die Neigung, sehr lange auszulaufen. Deshalb hat die ELAC eine Plattentellerbremse eingebaut, die beim automatischen Ausschalten gleichzeitig in Tätigkeit tritt und den Teller rasch zum Stehen bringt.

Die einzelnen Teile der Konstruktion
sind den Erfordernissen der Hi-Fi-Technik entsprechend sorgfältig ausgebildet. Die Platine, die als Chassis den ganzen Mechanismus trägt, ist aus starkem Stahlblech gepreßt.
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Ihre Abmessungen von 370 x 319mm richten sich nach dem großen Plattenteller und dem relativ langen Tonarm. Die Platine wird von vier Kegelfedern in passenden Löchern der Grundplatte gehalten, an deren Stelle auch eine Zarge zum freien Aufstellen des Plattenspielers vorgesehen ist. Besondere Verschraubungen sichern das Gerät während des Transportes. Sie sind selbstverständlich vor Inbetriebnahme zu lösen.

Im Gegensatz zu den bisher gewohnten Plattenspieler- konstruktionen erfolgt der Antrieb des „Miracord 10H" durch einen Spezial-Hysterese- Außenläufermotor, wie er bei hochwertigen Tonbandgeräten üblich ist. Da dieser Motor synchron mit der uhrengenau gesteuerten Netzfrequenz läuft, ist eine Geschwindigkeitsfeinregulierung oder Kontrolle nicht erforderlich. Die Motordrehzahl wird über eine Stufenscheibe und ein gummibereiftes Reibrad auf die gewünschte Plattentellerdrehzahl untersetzt.

Der dynamisch ausgewuchtete Plattenteller hat ein Gewicht von 2,8 kg, das eine hohe Konstanz seiner Drehzahl garantiert. Sein Durchmesser von 30cm ergibt auch bei den großen Schallplatten eine volle Auflage und eine schwingungsfreie Abtastung. Sehr geschickt ist die Tellerachse ausgebildet, die in ihrem unteren Teil von einem großdimensionierten Kugellager gehalten wird. Ihr oberes Ende zeigt die Form eines Konus, auf den der abnehmbare Plattenteller aufgeschoben ist. Der mittlere Teil der Achse ist mit einem Ritzel und einer Schaltnocke für den Wechselmechanismus versehen.

Während des Anspielens ist dieser Wechselmechanismus
jedoch vom Laufwerk vollkommen getrennt, um jede Rückwirkung auf die Gleichmäßigkeit der Drehzahl auszuschließen. Die erreichte Laufkonstanz liegt im Gesamtwerk bei etwa 2,5°/oo. Die Laufzeitschwankungen im Bereich der tiefen Frequenzen, die als „wow" bezeichnet werden, liegen bei ±1°/oo die „flutter" genannten Schwankungen im oberen Frequenzgebiet bei 1,2°/oo.
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Jede Wechslerkonstruktion verlangt natürlich einen fest eingebauten Tonarm. Deshalb wurde auf dessen hochwertige Ausführung besonderer Wert galegt. Seine ungewöhnliche Länge mit 202 mm von der senkrechten Drehachse bis zur Abtastspitze des Tonabnehmersystems hält den Winkelfehler beim Abspielen entsprechend niedrig.

Um Schüttelschwingungen und Verdrehungsresonanzen zu vermeiden, wurde der Arm sehr stabil als rechteckige Kastenkonstruktion aus Profilmetall ausgeführt. Das Hochschwenken des Tonarmes erfolgt über ein schräg gestelltes Lager mit waagerechter Achse, womit die geometrische Lage der Abtastnadel zur Tonrille auch bei wechselnder Höhe des Plattenstapels beibehalten wird, was besonders für Stereorillen wichtig ist.

Die Lagerung des Tonarmes ist sowohl in vertikaler wie horizontaler Richtung spielfrei und mit geringster Reibung ausgeführt, so daß hier von einer wirklichen Präzisionskonstruktion gesprochen werden muß. Für die Höhen- und Seitenverstellung des Tonarmes sind am Sockel der Tonarmhalterung Einstellschrauben mit Feinregulierung vorgesehen. Zur Entlastung des vorderen Tonarmendes ist auf der anderen Seite des Lagers ein verschiebbares Gegengewicht angeordnet, das mit einer Rändelmutter festgeklemmt werden kann.

Die Auflagekraft des Tonabnehmersystems kann zwischen 2p und 6p (1p = Pond entspricht dem Druck von 1 Gramm Masse) verändert werden. Zu diesem Zweck wird ein in p geeichtes Einstellgewicht mitgeliefert, das in das hintere Ende des Tonarmes eingeschoben werden kann. Je nach seiner Lage verändert sich die Balance des Tonarmes, die dann durch Verschieben des Gegengewichtes wieder hergestellt wird. Nach dem Entfernen des Einstellgewichtes drückt der Arm mit der vorher am Einstellgewicht angezeigten Auflagekraft auf die Schallplatte.
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Der Tonarmknopf, der das Abtastsystem enthält, ist auf den Tonarm aufgesteckt und mit einer Rändelschraube festgeklemmt, wobei der Anschluß an die Leitungen durch vier Kontaktfedern erfolgt. Die Abmessungen des Kopfes erlauben den Einbau jedes beliebigen Tonabnehmersystems mit den USA- Standardabmessungen. Dabei werden die Anschlüsse von den Kontaktfedern zum System durch übergeschobene Metallhülsen hergestellt. Auf diese Weise ist die Lage der Anschlußstifte am Tonabnehmersystem unwichtig geworden, was gerade bei der Verwendung verschiedener Systeme praktisch ist. Die Auswechselbarkeit des Kopfes selbst gestattet dem Amateur, beliebige Spezialsysteme für Mono- oder Stereo-Wiedergabe bereit zu halten.

Die Zeichnung zeigt als Einbaubeispiel den Tonarmkopf TAK 4 mit einem eingebauten Stereo-Magnetsystem ELAC STS 220.1 = Masse, 2 = linker Kanal, heiße Ader, 3 = linker Kanal, kalte Ader, 4 = rechter Kanal, heiße Ader, 5 = rechter Kanal, kalte Ader. Der Einbau anderer Tonabnehmersysteme ist ebenfalls möglich, wenn sie die üblichen Abmessungen besitzen.

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Das ELAC-Stereo-Magnetsystem STS 220

Normalerweise wird der „Miracord 10 H" mit dem ELAC-Stereo-Magnetsystem STS220 geliefert, das mit einem Diamanten mit einem Verrundungsradius von 17 mü sowohl für Mono- wie Stereo-Rillen ausgerüstet ist. Das in einem Mu-Metall-Gehäuse eingeschlossene System ist besonders brummsicher, sein Nadelhalter kann auf einfache Weise ausgewechselt werden. Das STS 220 ist ein hochwertiges System mit praktisch konstanter Empfindlichkeit über den ganzen Bereich von 20 bis 20.000 Hz. Für die Stereo-Wiedergabe ist besonders wichtig, daß die Empfindlichkeitsabweichungen beider Kanäle unter 2dB (bei 1.000 Hertz) liegen. Die hohe Übersprechdämpfung von 24dB sichert den notwendigen Abstand der Kanalinformationen.

Anstelle der Compliance (=Nachgiebigkeit) gibt die ELAC den Wert der statischen Rückstellkonstante an, wobei jeweils der kleinere Wert das nachgiebigere und also normalerweise bessere System kennzeichnet. Für das STS 220 wird eine Rückstellkonstante von nur 1,2 p pro 60mü Auslenkung angegeben, die auch bei kleiner Auflagekraft eine klirrfreie Nadelführung gewährleistet.

Für den Anschluß von Hi-Fi-Verstärkern ist der empfohlene Abschlußwiderstand von 33 bis 51 kOhm wichtig. Man findet die entsprechende Angabe als Eingangswiderstand für magnetische Tonabnehmer in den Verstärkerbeschreibungen bzw. Schaltungsunterlagen.

An alle derartige Hi-Fi-Verstärker kann der „Miracord 10H" also direkt angeschlossen werden. Für den Einbau in Musiktruhen oder den Anschluß an einfache Verstärker oder Rundfunkempfänger reicht die Ausgangsspannung magnetischer Tonabnehmersysteme nicht aus. Da diese nur für Kristalltonabnehmer ausgelegten Geräte auch keine Entzerrung enthalten (der Kristalltonabnehmer entzerrt die vorverzerrte Schneidkennlinie der Schallplatte bereits infolge seiner mechanischen Eigenschaften), muß zwischen dem „Miracord 10H" und einem solchen Wiedergabegerät ein Entzerrer-Vorverstärker geschaltet werden.

Das erfolgt auf besonders elegante Weise durch einen unter der Platine einsetzbaren Zweikanal-Transistor- Vorverstärker PV8 mit eingebautem Netzanschlußteil. Wo der Verstärker nicht benötigt wird, stellt eine Kontaktleiste die durchgehende Verbindung von der Tonarmleitung zum Ausgang des Plattenspielers her. Soll der Vorverstärker verwendet werden, wird diese Kontaktleiste einfach gegen den PV8 ausgetauscht, wobei auch die Stromversorgung des Vorverstärkers hergestellt wird. Zur Sicherung der Befestigung am Chassis sind noch zwei Schrauben anzuziehen. Diese zweckmäßige Konstruktion macht auch jede Verwendung eines Werkzeuges oder eines Lötkolbens überflüssig.

Der Entzerrer-Vorverstärker PV8 ist je Stereo-Kanal mit zwei Transistoren OC75 bestückt. Seine Frequenzkurve sorgt für einen linearen Frequenzgang am Ausgang, so daß die Regler des Wiedergabeverstärkers zur Einstellung der Klangfarbe je nach Geschmack verwendet werden können. Die Verstärkung von etwa 40 dB bei 1.000 Hertz ergibt eine maximale Ausgangsspannung von 2V, die für alle Fälle ausreichend ist. Der Klirrfaktor des Verstärkers bleibt unter 2%. Für den, der sich erinnert, daß hochwertige Hi-Fi-Verstärker bei Normalaussteuerung geringere Klirrfaktoren besitzen, sei wiederholt, daß solche Verstärker ja auch die Verwendung des PV 8 überflüssig machen. Alle anderen Wiedergabegeräte, für die ein Entzerrer-Vorverstärker notwendig ist, weisen sowieso höhere Klirrfaktoren auf.

Der Preis des „Miracord 10H" beträgt 390,- DM. Eine zusätzliche Stapelachse für Platten mit 38mm Mittelloch kostet 14,50 DM. Der Preis des Stereo-Transistor-Entzerrer-Vorverstärkers PV8 lag bei Redaktionsschluß noch nicht fest.

Ein Artikel von Ernst Pfau im November 1961

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