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Der Bericht stammt aus dem 2. August-Heft 1950 Nr.16

Natürlich stand auch in der Funk-Technik von 1950 ein solcher Folge-Bericht, aber halt mit anderen Prioritäten.
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Funkausstellung 1950 Düsseldorf

Ein aussichtsreiches Rundfunkjahr

Erfolgreicher Start der neuen Saison

Die großartige Leistungsschau der deutschen Radioindustrie auf der Düsseldorfer Funkausstellung konnte eindeutig beweisen, daß auf zahlreichen Teilgebieten der Radiotechnik beachtliche Fortschritte gelungen sind, die in Deutschland einen neuen Entwicklungsabschnitt eingeleitet haben.

Noch vor Jahresfrist sahen Wirtschaftsfachleute recht pessimistisch in die nahe Zukunft. Auch der technischen Entwicklung durfte man angesichts der deutschen Wellennot und des unsicheren Startes der in Deutschland damals nahezu unbekannten UKW-FM-Technik keine günstigen Prognosen stellen.

Wer in Düsseldorf Gelegenheit hatte, nicht nur den äußeren, glanzvollen Rahmen einer großzügig geplanten und gut organisierten Fachausstellung von internationalem Format zu bewundern, sondern auch einen Blick hinter die Kulissen der in letzter Zeit von der Radioindustrie getragenen Aufbauarbeit zu werfen, wird die deutsche Initiative und die in kürzester Zeit erzielten Erfolge rückhaltlos anerkennen müssen.

Die anfängliche Skepsis bezüglich der UKW Alternative

Wir erinnern uns der heftigen Pressekampagne beim Start des UKW-Versuchs-Rundfunks und der warnenden Stimmen zur Kostenfrage des UKW-Empfangs.

Man darf heute zu einem Zeitpunkt, der erstmalig mit den neuen AM-FM-Empfängern der Radioindustrie bekannt macht und eine objektive Kritik erlaubt, mit Befriedigung feststellen, daß jener Abschnitt der allgemeinen Unsicherheit über Technik und Preisgestaltung des zukunftssicheren Empfangsgerätes als abgeschlossen betrachtet werden muß.

In der neuen Saison des Baujahres 1950/51 sind rund 30% aller von der deutschen Industrie hergestellten Superhets AM-FM-Kombinationsempfänger.

Ihr Preis liegt in zahlreichen Fällen sogar 5 bis 10% unter der Vorjahres-Preisstufe des mit gleicher Röhrenzahl bestückten Normalsuperhets 1949/50. So kann man jetzt einwandfrei arbeitende AM-FM-Superhets schon in Preislagen um DM 250.- kaufen, wie aus der in diesem Heft veröffentlichten FUNKSCHAU-Tabelle der deutschen Radiogeräte 1950/51 hervorgeht.

In der Geradeausklasse erscheinen kombinierte AM-FM-Geräte in einer Preislage um DM 170.-. Diese Preisklassen stellen eine unmißverständliche Antwort der deutschen Industrie zum Kostenproblem des UKW-Empfanges dar.

Jede Menge fertiger Problemlösungen

In kurzer Zeit konnten preiswerte Konstruktionen entwickelt werden, die bei Anwendung des Reflexprinzips und von Germanium-Dioden an Stelle kostspieligerer Röhren hohe Empfindlichkeit, Trennschärfe und Klanggüte erreicht haben.

Auch das Antennenproblem des AM-FM-Empfängers darf heute als gelöst gelten. Raumsparende, billige Innenantennen, z. T. in Tischform, und hochwirksame Schleifendipole mit Reflektoren und Direktoren ermöglichen die Aufstellung wirtschaftlicher Antennenanlagen.

Fast alle Kombinationsgeräte benutzen Eingangsschaltungen, die den UKW-Dipol gleichzeitig als Empfangsantenne für die übrigen Wellenbereiche verwenden lassen.

Die Qualität ist wesentlich gestiegen

Es muß ferner als gewaltiger Fortschritt betrachtet werden, daß die Qualität des deutschen Radiogerätes wesentlich gestiegen ist, weit mehr als man noch vor Jahresfrist erwarten konnte.

Die Herstellung moderner Röhren der Rimlock- und Picoserien und die sinnvolle Ergänzung durch UKW-Spezialtypen bilden die Grundlage zahlreicher konstruktiver Verbesserungen.

Auch die Schaltungstechnik hat sich der heutigen Empfangssituation noch mehr angepaßt. Die erstmalig in deutschen Geräteserien auch im Zf-Teil eingeführte Gegenkopplung steigert Trennschärfe und Klangqualität. So sind einige, in mittleren Preisklassen erscheinende Superhets herausgekommen, deren Klangeigenschaften alle Beachtung verdienen.
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Einfluß auf die Lautsprecherentwicklung mit beinahe Hifi

Im übrigen wirkt sich die Forderung des AM-FM-Superhets nach Breitbandwiedergabe auf die Lautsprecherindustrie sehr befruchtend aus. Der vor Jahren im Gerätebau kaum angewandte Breitbandlautsprecher bildet heute ein typisches Kennzeichen des fortschrittlichen Superhets. So findet man in neuen Geräten an Stelle kostspieliger, Raum beanspruchender Mehrfach-Kombinationen einfache Breitbandlautsprecher, die z. B. einen Frequenzbereich von 40 bis 12.000 Hz einwandfrei wiedergeben.

Wieder wettbewerbsfähig für den Export

Der deutsche Empfänger des neuen Baujahres ist nach langem Zeitraum wieder exportreif geworden. Er besitzt in seinen ausgereiften und hochgezüchteten Vertretern die Eigenschaften und den Komfort der internationalen Spitzenklasse mit zehn Wellenbereichen, Gegentaktendstufe und Drucktastenwahl.

Sechs gespreizte KW-Bänder bilden in dieser Klasse eine Selbstverständlichkeit. Der Wellenschalter erscheint in diesen Vielbereichempfängern in seiner bisherigen Form nicht mehr und wurde durch Drucktasten ersetzt.

Weiter sinkende Preise und überlange Nutzungsdauer

Im neuen Geräteprogramm konnte der Preis des Einkreisempfängers auf ca. DM 70.- absinken, während man schon für DM 149.- vollwertige Sechskreissuperhets erhält. Dieses niedrige Preisniveau ermöglicht den Ersatz veralteter Empfangsgeräte, die in Deutschland oft eine unnatürlich lange Benutzungsdauer aufweisen.

Überalterung der Radiogeräte führt in der Regel zu unwirtschaftlichen Reparaturen. Alte Empfangsgeräte vermögen in der Wiedergabequalität nicht mit dem technischen Ausbau der Studios und Aufnahmeeinrichtungen Schritt zu halten.

Über das Alter der in Deutschland verwendeten Empfangsgeräte lagen bisher konkrete Zahlenangaben nicht vor. Im Sendebereich des NWDR wurde deshalb durch das DISMA-Institut eine Befragung der Gerätebesitzer nach Baujahr, Röhrenzahl und Empfängertyp durchgeführt, die überraschende Feststellungen ergab.

Rund 52 % aller im NWDR-Gebiet heute benutzten Radiogeräte sind zwischen 11 und 20 Jahre alt. Darunter befinden sich 8%, die eine Benutzungsdauer von mehr als 16 Jahren aufweisen können.

Die Überalterung der Geräte fällt vor allem in den Landgemeinden auf. In Schleswig-Holstein wurden z. B. 59% Geräte mit einem Alter von über 11 Jahren ermittelt. Man wird annehmen dürfen, daß in den anderen westdeutschen Sendebezirken, insbesondere in Landbezirken, ähnliche Verhältnisse anzutreffen sein werden.
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Erste Ansätze einer unglücklichen Denkweise

Es muß daher eine dankbare Aufgabe für den Handel sein, überalterte Empfangsgeräte nicht mehr zu reparieren, sondern durch neue zu ersetzen.

Niedrige Preise, Teilzahlung, bessere Empfangsqualität und UKW-Empfangsmöglichkeit bieten genügenden Anreiz und viele Verkaufsargumente.

Das TEFI-Fon Schallband kommt

Eine Marktbelebung darf man auch durch zahlreiche elektroakustische Fortschritte auf dem Phonogebiet erwarten. Langspielplatten deutscher Herstellung und das neue Tefi-Schallband mit einer Spieldauer bis zu einer Stunde erschließen dem Phonomarkt neue Möglichkeiten.

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die deutsche Radioindustrie am Anfang einer neuen vielversprechenden Epoche alle wirtschaftlichen Möglichkeiten ausnutzen wird und dabei der tatkräftigen Unterstützung des Handels sicher ist.

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