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Der Telefunken TRX-2000 Quadro Receiver

Dieser Receiver stammt aus der Serie von Geräten, mit denen Telefunken das "Oma- und Opa-Image" abstreifen wollte.

Irgend etwas hat das Aussehen mit dem viel älteren Saba Schauinsland Monsterreceiver gemeinsam. Innen drinnen wurde von Telefunken feinste Technik "verbaut". Roland Grahn aus Osnabrück hat einen TRX-2000 zerlegt und gibt uns technische Einblicke :

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Roland Grahn schreibt:

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  • Auszug aus der Telefunken Werbung von ~1978  (aus HIFIMuseum.de) ...
    Bei den neuen Telefunken-Receivern TR 300 hifi und TR 500 hifi kommt zu naturgetreuem Klang eine professionelle Ausstattung und eine absolute Technik Denn diese Spitzen-Receiver sind total-modularisiert und damit noch zuverlässiger. Und die Profis, die mit Spitzenklang und -technik selbst aktiv werden wollen, haben mit dem neuen TRX 3000 hifi jetzt die beste Möglichkeit dazu. Denn mehr Ausstattung bietet kein Receiver auf der ganzen Welt.

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Der TRX 2000 kam wohl  1-2 Jahre eher auf den Markt, also so um 1976. Ein HiFi-Stereo-Steuergerät mit eingebautem SQ-Decoder. Ausgangsleistung: 4× 60 W (Sinus) bzw. 4× 90W (Musik) bei Quadrofoniebetrieb. Der Preis lag damals so um stolze 3.000 DM.

Zum Vergleich:

Braun Regie 510 und TG 1000

1974 konnte man zum ersten Mal Braun Geräte auch außerhalb von HiFi Studios erwerben, das war bei Karstadt in Essen. Die hatten dort bergeweise Kisten mit dem Receiver Regie 510 und dem Tonbandgerät TG 1000 stehen.

Ich  habe mir damals als Student überall Geld zusammen geliehen, um mir diese Traumgeräte kaufen zu können. Der  Regie 510 kostete jetzt "nur" noch  1.200 DM und  das TG1000 1.400 DM.

Also sehr viele Geräte für 3.000 DM können die bei Telefunken damals nicht verkauft haben.

Wie ich zu dem TRX 2000 kam . . . .

Zu mir kam dieser Receiver  vor einigen Wochen, weil ein Freund sein Haus verkaufte und seinen Dachboden entrümpeln musste. Neben einem  Akai  Bandgerät GX620 und diversen CD Spielern/Verstärkern kam auch der Telefunken ans Tageslicht und da mochte ich nicht ablehnen.
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Eigentlich habe ich nur Braun Geräte bei mir, aber so einen Quadro Receiver hatte ich noch nicht in Händen. Also rein in die Werkstatt, saubermachen und mal sehen was denn so "die beste Ausstattung der ganzen Welt" war. Eigentlich auf den ersten Blick ein gefälliges Aussehen, aber doch mit vielen Ungereimtheiten.

Bestandsaufnahme :

Immerhin waren alle Wellenbereiche da, Lange- Kurz, Mittel welle, abgestimmt mit einem Drehkondensator, dessen Achse natürlich festsaß. Musste erst mit Fön und Ballistol gängig gemacht werden, dann konnte man die Achse herausbekommen und reinigen.

Hier der Drehkondensator von hinten mit dem auf der Achse sitzenden Poti für die manuelle UKW Abstimmung.

Für die Zeit war sicher die (abschaltbare) LED Pegelanzeige, die digitale Frequenzanzeige und UKW Stationstasten ein Novum.  Und Quadro war zu der Zeit schon fast wieder nicht mehr Mode.

UKW "manuell" wurde mit einem Potentiometer abgestimmt, der auf der Ache des Drehkondensators für MW/LW/KW saß.  Sobald man den Knopf berührte, wurde auf manuelle Abstimmung umgeschaltet, sicher eine Super Lösung damals.

Die UKW Stationstasten wurden mit einzelnen Potis abgestimmt, die so eng und tief sitzen, dass man sie nur sehr mühselig abstimmen konnte.  Denn sobald man die Kontaktfeder (die kleinen halbrunden Drahtbügel) der Nachbarstation berührte, wurde umgeschaltet...

Dafür hatte man bei Braun Geräten wenigstens ein kleines Werkzeug dabei.  

Kopfhörer-Würfelsbuchsen
eine 6,3mm Kopfhörer Klinke
2 Löcher oben drauf

Eigentlich schon toll - DIN mit englischer Beschriftung

Und nach deutscher Manier waren fast ausschließlich Din Buchsen dran, hier sogar vorne unter der Klappe 2x Kopfhörer und 1 Micro Eingang.

Der kleine Stift rechts neben dem Micro Eingang war zum Einstellen der Uhrzeit.

Links an der Geräteseite verschämt und unpraktisch versteckt war tatsächlich eine 6,3mm Kopfhörerklinke.

Und oben links auf der Haube waren 2 mit billigen Plastikkappen verschlossenen Löcher vorgesehen, da musste man wohl etwas bei geschlossenem Gehäuse abstimmen.

Dem Design ist das nun wirklich nicht förderlich. Darunter verbergen sich 2 Abstimmpotis - wofür konnte ich mangels Schaltplan nicht ergründen.

DIN Buchsen, aber auch Cinch

Und so sah es von hinten aus, Beschriftung in Englisch aber zumeist deutsche DIN Buchsen.

Aber nun wird geöffnet

Und eigentlich ganz Service freundlich war das Chassis geteilt und im Betrieb aufzuklappen.

Gekühlt wurden die 4 Endstufen mit einem sehr leisen Papst Lüfter, oben die 8 Leistungs-Transistoren samt der DIN Lautsprecherbuchsen. Die Haube hatte hinten oben keine Lüftungsschlitze, man verließ sich nur auf den Lüfter.


Und hier ein Detailfoto, wie die Endstufentranstoren BD311/312 angeschlossen sind.


Und immerhin war für das 4-Spur "Quadro" Tonbandgerät  sogar Chinch Buchsen vorgesehen aber für ein 3000 DM Gerät von billiger Ausführung. Bei dem Preis hätte man vergoldete Buchen erwartet...

Die Lautsprecher wurden zwar mit Relais angeschaltet, doch durch die DIN  Buchsen ist der Gewinn an Inenwiderstand wieder vertan.

Und daneben ist ein kleiner Teil der enorm vielen Sicherungen zu sehen. Das mögen Netzteil-Sicherungen sein, aber auch Endstufen-Sicherungen und das war auch nicht mehr zeitgemäß.

Links sind wieder die eingesteckten Modulplatinen zu sehen.

Ein gewaltiger Drahtverhau

Ganz aufgeklappt sieht's dann so aus - ein gewaltiger Drahtverhau mit enorm vielen Steckern.

Und überall kleine steckbare Platinen, die es als Ersatzmodule oder Austauschmodule nachzukaufen gab. Ob der Aufwand für die paar Bauteile gelohnt hat?

 

Ob der Trafo wirklich die nötigen 400W liefern konnte? Er hatte zumindest massenhaft viele Anzapfungen für diverse Kleinspannungen.
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  • Anmerkung von gr : Er kann, denn es ist ein Schnittbandkern-Trafo, der mit normalerweise wenig Verlusten arbeitet und er soll ja "nur" 4 x 60 Watt = 240 Watt liefern zuzüglich Tuner, Vorverstärker und Treiberstufen und das wären dann etwa 300 Watt.

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Aber immerhin - nach der Reparatur des festsitzenden Drehkondensators und der Justage des klackernden Lüfters war kein weiterer Defekt feststellbar.

Anmerkung : Noch ein Wort zu dem Drahtverhau

Vergrößern Sie bitte nochmal das Bild weiter oben und schaun Sie mal genauer auf die Einzelheiten. Sie sehen jede Menge von händisch nachgearbeiteten (oder nachgeflickten) Korrekturen mit keramischen Kondensatoren und zusätzlichen Leitungen kreuz und quer.

Alleine der Blick auf die beiden Anschlußplatinen auf dem Netztrafo läßt den Ingenieur erschaudern. Das muß doch alles von Hand gelötet werden. Der Produktionsingenieur bei Grundig hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, wenn ihm solch ein Teil zur Prüfung vorgelegt worden wäre.

Resume : Das konnte in Deutschland in 1978 niemals kostengünstig produziert werden, es war eines dieser Labormuster. Aus den Rückblicken wissen wir, daß so um 1978 der Niedergang der weltweiten Audio-Industrie eingeläutet wurde. Und Telefunken stand schon vorher mit dem Rücken zur Wand.

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Die Inbetriebnahme :

Dann kam das Einschalten, alle 4 Kanäle  funktionieren und hatten die letzten 20 Jahre auf dem Dachboden klaglos überstanden. Sogar Mittel-, Lang- und Kurzwelle sowie UKW bringen einwandfreien Empfang.

Tja, mangels Quadro Zuspielers konnte ich das Ganze nur in Stereo genießen. Ob denn die versprochenen 60W je Kanal  hinten rauskamen habe ich nicht nachgemessen.

Jetzt stellt sich natürlich wie immer die Frage - was nun mit diesem 25 Kilo Boliden anfangen. Aber die Reparatur und das Reinschauen in so ein Stück Geschichte haben sich auf jeden Fall gelohnt.
 
Ich hoffen der Bericht  hat ein bisschen Spaß bereitet.

Dipl. Ing. Roland Grahn (Sept. 2014)
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