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Der Lenco L75 - stufenlos - der Durchbruch

Der Lenco L75 kam so um 1972 genau zur richtigen Zeit und war in Deutschland für Lenco der Durchbruch im lowcost Hifi-Bereich. Er hatte zwar auch diesen primitiven Reibradantrieb des Lenco B55, doch der neue Tonarm war schon deutlich besser.

Aber wie gesagt, von "Studio-"plattenspieler oder gar "Studio-" technik oder Studioqualität war da immer noch keine Spur. Es war die absolut billigste Hifi-Lösung für "blutarme" Schüler und ebensolche Studenten, die sich im leichten Glanz der besonders bunten Prospekte ihre wenigen Musikplatten anhörten. Gute klassische Platten waren mit 21.- bis 35.- DM damals recht teuer.

Anmerkung: Ich hatte auch schon recht früh solch einen L75 (im Bild rechts auf dem Schreibtisch). Für mehr hatte es am Anfang eben nicht gereicht. Gewollt hätte ich ja schon, der DUAL 1219 stach da schon ins Auge, doch der L75 war um mindestens einen Hunderter billiger. Damals 1967 im Bieberhaus bekam ich den L75 zum Personalpreis, das für mich war enorm günstig.

Wenn man genauer hinsah, fiel Einiges auf.

Der Tonarm mit Antiscating - (Mitte) der Tonarm-Lift - und (rechts) die Tonarm-Shell für das Magnetsystem


Bereits auf den Prospektfotos sah der aufmerksame "Experte"
, daß das Gegengewicht hinten am chromglänzenden auf Hochglanz polierten Tonarm schon "im Sinkflug" war. Es hing später noch deutlich weiter runter, weil der Dämpfungsgummi sich eindrückte oder ausleierte. Damit hatte dieser Gummieinsatz natürlich seine Funktion als Dämpfer verloren, aber bei den anfänglich für uns Hifi-Jünger überhaupt erschwinglichen preiswerten Magentsystemen fiel das auch gar nicht auf.

Der Lift war dagegen super, er ging immer, auch nach Jahren noch. Die Aluschrauben in der Shell leiterten aber nach dem 5. Mal Systemwechseln aus und das wars dann.
.

Der Lenco L75 sah (damals) optisch einfach gut aus . . .

. . . und hatte damit mit dem "Studiotonbandgerät" SABA 600SH etwas gemeinsam, weil es eben auch "nur" gut aussah. Wenn man den Lenco L75 in der Lenco Edelholz-Zarge kaufte, hatte man schon ein die Nachbarn oder Mitschüler oder Komilitonen beeindruckendes Schmuckstük.

Viele andere Lenco L75 Besitzer hörten mehr mit den Augen als mit den Ohren und ließen sich anfänglich gerne von anderen "Mithörern" bestaunen.

Und auf allen Prospekten und in allen Anzeigen wurde immer wieder mit "Studioplattenspieler" geworben, also mußte das ja stimmen. - Es stimmte natürlich nicht, denn das Rumpeln hörte selbst der Laie über einigermaßen vernünftige Boxen sofort raus. Und das war auch nicht weg zu bekommen (außer mit einem sehr starken Rumpelfilter). Die 4 Federbeine, die in den Prospekten immer so hervorgehoben wurden, halfen da nämlich auch nicht.

In Tanzschulen und Diskotheken war der L75 einsame Spitze.

Doch hier muß man unbedingt unterscheiden: In Tanzschulen brauchte der Tanzlehrer eine deutlich größere Variation der jeweiligen Musik-Geschwindigkeit, als es bei jedem vergleichbaren Thorens TD124 oder DUAL möglich gewesen wäre. Und Tanzlehrer behandelten ihre Plattenspieler besonders sorgfältig.

In Diskotheken dagegen war der "Platten-Dreher" ein Verschleißteil
und das mußte billig sein. So kaufte ich später ab 1974 für mein Akustik-Ingenieubüro diese L75 Chassis immer 10 stückweise ein (zu sehr guten Preisen) und hatte bei meinen Kundendienstbesuchen immer einen L75 originalverpackt im Auto.

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