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Drei sehr ähnliche QUAD Prospekte aus 1965 und mehr.

unser "Erster"
von 1959
dann von 1964
dann von 1965
dann von 1968
QUAD im Studio

Von QUAD liegen uns noch 3 reine deutsche QUAD Prospekte von vor 1966 vom Importeur Thorens/Bolex aus München vor - dazu ein noch älterer englischer Prospekt aus 1959. Später gab es nur noch Gemeinschaftsprospekte mit anderen Hifi-Vertriebs- Produkten der Firma Bolex. Wichtig war auch, Thorens/BOLEX hatte mal ein reines Thorens Hifi-Studio in Frankfurt - ähnlich den BRAUN Hifi-Studios, natürlich eines davon auch in Frankfurt.

Dann wechselten die Vertriebe in Deutschland, weil anscheinend entweder die Umsatzerwartungen zu hoch angesetzt waren oder die abzusetzende Stückzahl sich nicht mehr rechnete - oder eher die Produkte in die Jahre kamen.
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Schauen wir auf die QUAD Produkte der 1960er und den Wettbewerb

Der Chef Peter Walker baute die QUAD Elektronik ganz speziell für seine ESL Lautsprecher (bzw. ließ die bei sich bauen). Diese Elektrostaten waren 1956 bis 1962 (zu der Zeit) einzigartig. Doch die ESL Lautsprecher waren extrem kritische "Lasten" für die allermeisten Endstufen - wir sind in den Jahren 1955 bis 1965.

Es gehörte damals wie auch insbesondere heute eine Menge Enthusiasmus und Liebhaberei dazu, sich nur für die QUAD Elektronik zu begeistern. Schaun wir zurück, änderte sich mit dem Markteinsteig von Max Grundig in den Hifi-markt alles. Wenn "die Anderen" noch am Entwickeln und am Testen waren, hatte Max Grundig bereits 2 Generationen von neuen Geräten auf dem Markt plaziert. Er setzte von nun an den Maßstab.

So brachte MAx Grundig 1961/62 die Grundig Hifi-Bausteinserie heraus, optisch schon ganz ansprechend für den damaligen Geschmack und preislich hervorragend. Dann im August 1963 zeigte Grundig den RT50 Röhrentuner und den SV50 Volltransistorverstärker zusammen mit dem neuen DUAL 1009 als Kombination zu unglaublichen Preisen. Diese Optik war damals so progressiv, daß den anderen schlicht das Wasser abgegraben wurde, den gesamten Engländern und auch auch QUAD.

Als dann 1969 der Grundig SV140 Verstärker mit dem RT100 Tuner vorgestellt wurde, fristeten die englischen Hifi-Geräte aller Art bei uns hier in Deutschland (West) nur noch ein bescheidenes Nischendasein, zumal dann auch noch die Japaner mit Macht auf den deutschen Markt drängten.

Das alles nur als Vorwort, warum es QUAD so schwer hatte.

Es gab eine Menge Einschränkungen

Zur Zeit der Röhrengeräte wurden Vorverstärker und Tuner aus den Endstufen mit Strom versorgt. Also ohne die Endstufe(n) war es mühsam, den QUAD Pre-Amp oder die beiden QUAD Tuner separat zu betreiben.

Die ganzen Lobeshymnen, auf die QUAD Fans reflektieren und die in ebay immer wieder aufgetischt werden, sind natürlich 50 Jahre alt. Schaun wir uns die damaligen Programmquellen und Schallplatten an, so erstaunt es NICHT, daß man mit 15 Watt Sinus durchaus Musik machen konnte. Für ein Streichquartett reichte es allemale. Doch mit moderneren Platten, und sei es nur MILVA (auch von vor 30 Jahren) oder Juliane Werding (von vor 40 Jahren) sind die ESL 57 schlicht überfordert. Von eine klassischen CD Konzert ist da abzuraten.

Oft finden Sie im Ebay den Satz : "Die Lautsprecher sind schon ein paar Jahre alt, wurden aber kaum gespielt und befinden sich daher in nahezu neuwertigem Zustand." Das mit dem "selten gespielt" hat natürlich auch seine Gründe.

Auch das mit dem "daher neuwertig" ist natürlich großer Unsinn, denn die Kunststoff-Folien altern durch die Umwelteinflüsse aller Art, nicht nur durch Feuchtigkeit. Die Folien in den elektrostatischen Infinitys waren nach 10 Jahren "faltig" geworden, auch PE Folien mit 100 Jahren 3M Garantie.
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Dann machte QUAD den kapitalen "DIN-Buchsenfehler"

Der neue QUAD 33 Transistor Vorverstärker wurde von Cinch auf DIN Buchsen umgestellt, warum auch immer. Damit vergraulte sich QUAD den Weltmarkt. Die Verbindung zum QUAD 303 und zum 405 geschah über eine 4 Pol DIN Leitung. Das war dann auch ein Problem, denn die QUAD Geräte konnten ohne diese verdammten Adapterkabel nicht mehr eigenständig betrieben werden - im Gegensatz zu fast allen anderen Hifi-Geräten auf dem Weltmarkt. QUAD - wie auch die Deutschen - hatte es nicht kapiert : Der Erfolg wird auf dem amerikanischen Markt ausgefochten, nicht hier bei uns in Europa oder sogar nur auf der UK-Insel - oder aber "man" begnügt sich mit der Nische.
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Die ESL Flächenstrahler hatten den schwachen Bass

Ob alt oder neu, ob QUAD oder Infinity oder Rennwald aus Heidelberg oder wer auch immer, die Elektrostaten konnten nie den vollen Bass eines dynamischen Lautsprechers abliefern. Darum haben so gut wie alle Hersteller solcher Systeme die Elektrostaten immer in dem Frequenzbereich betrieben, den sie gut konnten.

Alle Voll-Elektrostaten schwächeln in diesem Punkt prinzipiell und das ist auch nicht veränderbar oder reparabel. Es geht einfach um die geforderte Amplitude der Folien-Membrane zur kräftigen Luftbewegung. Monsieur George Cabasse hat dazu eine fast wissenschaftliche Abhandlung veröffentlicht und das BRAUN LE1 Dilemma bei BRAUN spricht Bände.

Das abzuleugnen oder strikt in Abrede zustellen, ist dummes Zeug. So reduzieren sich die Musikstücke, die "der Elektrostat" im Allgemeinen absolut hervorragend wiedergeben kann, auf die Arten von klassischer Musik mit maximal mittleren Lautstärken oder Pegeln und insgesamt wenig Bass.

Schon bei modernen klassischen Aufnahmen von CD
oder noch höher aufgelöster digitaler Edel-Quelle mit der inzwischen machbaren Dynamik von mehr als 60 Dezibel reicht die Auslenkung der kleinen wie auch der großen (vorgespannten) Membranfolien einfach nicht aus und das gesamte System zerrt oder die Funken schlagen über und brennen Löcher in die Folie.
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Ein Stückchen Legende - für die QUAD-Fans

So schreibt es ein QUAD Freund und auch die Marketingabteilung :

The 50E has been produced from 1966 to 1983. The quantity that was sold counts up to 12.000.
The 303 was built from 1967 to 1985, numbers produced: 94.000.

Doch viele Kleinigkeiten und vor allem die Aussgane der Hifi-Händler aus jener Zeit sprechen dagegen, daß es wirklich so viele waren. Denn ab 1975 brach der Hifi Markt (nicht nur in Deutschland-West) brutal ein und selbst die Großen wie Gundig bekamen dicke Probleme. Aus der Sicht des Autors waren verschiedene QUAD Produkte bereits ab 1975 nahezu unverkäuflich. Von den Zeitzeugen aus dem Rhein-Main Gebiet, die mal ein Studio hatten oder dort gearbeitet hatten, wird das alles so ähnlich bestätigt.
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