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Die "Firma" Audioplay aus Winnweiler

Bei der "stereoplay" Redaktion angeeckt

von Gert Redlich im März 2017 - Hinter dem fiktiven Namen Audioplay steht (laut deren Hompage aus 2014) die Familie Baus mit der "Audioplay Baus GmbH". Audioplay fand in 1982 mal ganz große Beachtung, als der Herr Baus mit einem völlig "abartigen" Prinzip die etablierten Hersteller aufscheuchte. Übrigens war damals das scheinheilige Geschrei und die völlig konträren Beurteilungen fast genauso groß wie 1969, als dieser Professor aus Amerika diese komischen 5-eckigen BOSE 901 Boxen vorstellte und der Hifi-Markt so richtig in Aufruhr geriet. Als dann später 1976 noch eine Klitsche aus USA die gewaltige abgesägte Pyramide mit dem Walsch Chassis als "OHM F" auf den Markt brachte, ging der Zirkus oder Trubel des Für und Wider wieder los.

Die Grundidee des Herrn Baus war ja überhaupt nicht neu und ist es heute noch nicht. Bereits vor 1970 gab es die in der Disco-Branche bekannten Eberle-Kugeln (ein 38cm Bass, 4 Mitteltöner und 4 Hochtöner), die einen gewaltigen verfärbungsfreien Bass machten. Sowohl die Kugel als auch das Rohr an sich (und auch diverse Pyramiden-Formen) haben nun mal keine parallelen Resonanzflächen wie die altbekannten Klipsch-, JBL-, ALTEC- und Cervin Vega- Power Boxen und natürlich alle damals bekannten Consumer-Lautsprecher bis hoch in die High-End Gefilde.
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Alles ist Geschmackssache und auch vom Wissen abhängig

Das Verblüffende war ja, in der Redaktion der Hifi-Zeitschrift AUDIO waren die "Tester" ganz angetan von dem Konzept und der Qualität. Die Tester von stereoplay in der gleichen Etage im Motor-Presse Haus in Stuttgart waren völlig konträer Meinung und verrissen die Boxen total. Das gab natürlich Krieg.

Jetzt weiß ich aus eigener bitterer (weil sehr zeitraubender) Erfahrung, das Aufstellen von sehr sehr vielen Lautsprechern, vor allem in den höheren Hifi-Gefilden ist sehr vom geeigneten Raum und der akribisch ausprobierten Aufstellung abhängig. Bei meinen beiden JBL Lautsprecherpaaren (JBL 250Ti und JBL L90) habe ich das schmerzlich erfahren müssen. Es gab nun mal (im Wohnzimmer und im Studio) Ecken oder Plätze, da klingen sie einfach nicht, selbst mit noch soviel Watt dahinter. Und die beiden großen 250 Ti sind zum Schleppen und Hin- und Herrücken recht schwer.

Vermutlich auch bei der Namensgebung angeeckt . . . .

Natürlich hatte der Herr Baus den Namen "Audioplay" so richtig populistisch gewählt, um Erfolg zu haben. Eine Kombinatiion des Namens der beiden inzwischen bekannten und ebenso marktschreierischen Hochglanz-Magazine so zu kombinieren, daß ihm keiner mit dem Markenrecht an den Karren fahren konnte, war vom Markting her pfiffig und sehr gesund. Alleine das hatte "Jemanden" von stereoplay gekitzelt und in Rage gebracht, vermutlich den Chefredakteur. Also wurde mal wieder so richtig "getestet".
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Im Vorhinein die (technische) Ansicht des Ingenieurs :

Die Idee mit der Pappe ist natürlich genial. Wenn Sie heute in die meisten Schränke und Regale von IKEA rein schaun, bei einem Transportschaden zum Beispiel, sehen Sie zwischen den zwei äußeren Hartfaserplatten ganz merkwürdige sechseckige "Wabenkonstrukte" aus einlagiger Pappe, fast wie in einem Bienenstock. Dann fällt auch auf, daß diese IKEA Verpackungseinheiten oder Transport-Pakete erstaunlich leicht sind. Und trotzdem sind die Regale enorm stabil.

Andere Beispiele sind die damals (vor 30 Jahren) hypermodernen Tragflächen- konstruktionen der Airbusse, die auch mit solchen verrippten Wabenkonstruktionen gewaltige Lasten tragen können. Und was hatten die Besserwisser von Boeing aus Seattle damals gelästert und heute bauen sie diese Fiberglas-Konstruktionen genauso.

Doch vorher, also bevor Sie die nachfolgenden Texte lesen, schaun sie mal hier rein. Mein Artikel läuft unter dem Titel "Wahrheit und Kalkulation = 1:10".
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Doch jetzt zum Test der stereoplay 11/1982 :

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Die WEISMACHER
Was taugt der "Charly" ?
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Ein kleines Versandgeschäft spuckt mit „Charly"-Papplautsprechern große Töne. In bester Waschmittelreklame-Manier rühren gewitzte Geschäftsleute die Werbe-Trommel: Charly klingt so toll, toller geht's nicht
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  • Anmerkung : Das war natürlich gezielt unwahr. Alle wußten, daß es (nur) ein einzelner Mann war, der diese Konstruktion erdacht hatte.

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Es beginnt mit einem "Statement"

Lautsprecher der Mittel- und Spitzenklasse sind fast ausschließlich über den Fachhandel zu beziehen, da nur der individuelle Beratung, intensive Hörvergleiche und, dank hartem Wettbewerb, angemessene Preise bietet. Kein HiFi-Freund käme auf die absurde Idee, die Katze im Sack zu kaufen.

  • Anmerkung : Diese obige Aussage stimmt(e) natürlich überhaupt nicht. Es ist schlichtes Wunschdenken des Redakteurs, der die (damaligen) Interessen der wichtigen (für den Verlag) lebensnotwendigen inserierenden Hersteller unbedingt berücksichtigen muß. Die Lautsprecher waren der Profit-Träger der gesamten Hifi-Branche, so wie bei Max Grundig die Fernseher und ganz speziell die Farbfernseher die Ertrags-Esel des gesamten Konzerns waren - übrigens bei Philips und Telefunken und den anderen Herstellern auch. Weiterhin waren in jeder stereoplay Ausgabe eine oder mehrere Anzeigen von Boxenbausätzen zum Beispiel von ACR aus der Schweiz zu exrem günstigen Preisen.

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Händler und Versandhändler hatten schon immer konkurriert.

In der Billigklasse sieht die Situation anders aus. Hier erkämpften sich einige Versandhäuser ein großes Stück vom Umsatzkuchen. Denn ohne Fachhändler entfallen auch deren notwendige Gewinnspannen, wodurch die Endverbraucherpreise sinken - oder es zumindest sollten.

Die Winnweiler Boxenfirma Audioplay hat diese heile Welt gehörig ins Wanken gebracht. Die Hessen bieten nämlich laut eigener Aussage mit ihren „Charly"-Lautsprechern „Spitzenboxen per Direktversand" an.

  • Anmerkung : Abgesehen davon, daß der Redakteur das Fach Erdkunde sehr lange geschwänzt haben mußte, Winnweiler liegt wirklich nicht in Hessen, hatte er zu der Zeit vermutlich noch keine ernsthafte Berührung mit kaufmännischem Rechnen, Margen und/oder Gewinnspannen.

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Auch mit dem folgenden Absatz ist der Redakteur weitab von fairer Beurteilung gelandet :

Greift Händler und Hersteller an: Ausschnitte aus dem Audioplay-Prospekt, in dem sogar behauptet wird, ein „Böxchen mit wenig Aufwand für die Akustik" koste 1000 Mark und mehr.
Zum Vergleich: die Innereien der 1400-Mark-Box Yamaha NS-1000M
und von Charly.

Im Werbeschreiben an stereoplay machte Audioplay weis:

„Charly L... eine kleine Sensation im HiFi-Bereich.. . klingt hervorragend .. . kostet unter 400 Mark ... und kann sich mit 2500- bis 3000-Mark-Boxen messen."

"stereoplay" wollte diese kühne Behauptung überprüfen, versammelte um Charly gängige und preisähnliche Lautsprecher von Acron, Canton und Pilot und verglich ihn auch mit dem 2500 Mark teuren Quadral Vulkan (Test stereoplay 10/1982).

Und jetzt wird mit Unkenntnis das Unvermögen kaschiert

Und noch etwas wollte stereoplay herausfinden: Ist der Charly wirklich sensationell preiswert? Die Redaktion ließ den Charly L zur Probe von zwei namhaften deutschen Lautsprecher-Produzenten kalkulieren. Für Material und Produktion inklusive Lohn errechnete der eine 96 Mark, der andere 107 Mark. Dabei wurden genau die Charly-Chassis und -Bauelemente zugrundegelegt.

  • Anmerkung : Ich kann nur wieder auf die "1:10" Informationen aus dem alten ARCUS (Berlin) Umfeld verweisen, die übrigens auch bei Conrad und Reichelt nachzuvollziehen sind. Schaun Sie mal in die JBL Seiten rein, wie eine ehemals teure Box von 6.980.- DM auf 1.990.- DM reduziert werden konnte und der Händler immer noch seine 30 % Marge hatte und der Importeur und !!! der Hersteller natürlich auch noch "etwas" verdienten. Das muß doch jedem (aufmerksamen Leser und selbstverständlich auch einem Redakteur vom Fach) zu denken geben.

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Und jetzt folgt eine absurde Kalkulation

Würde also der Hersteller nur etwa 1.600 Boxenpaare verkaufen, läge nach Adam Riese der Rohgewinn schon bei über 700.000 Mark. Ein hübsches Sümmchen, das die sonst übliche Spanne, die sich auf Hersteller, Vertrieb und Handel verteilt, ganz schön in den Schatten stellt.

  • Anmerkung : Auch das hier ist ein solch fachlich unqualifizierter Unsinn, der den Lesern vorgegaukelt wird, daß einem schon schwindelig wird. Damit war die Reputation der stereoplay Redaktion oder des Redakteurs (also die Unvoreingenommenheit und/oder die fachliche Qualifikation) endgültig verspielt, egal was da an Text noch geschrieben stand.


Der Direktvertrieb (Audioplay-Werbung: „Das spart eine Menge Geld") nützt also offenbar nur "den cleveren Charly-Bauern". Trotzdem wäre dem HiFi-Freund immer noch gedient, könnte er für 330 Mark einen Lautsprecher kaufen, der sich „mit 2500 Mark teuren Boxen messen kann".

Das Thema "Namensgebung" wurde schon weiter oben angesprochen

Raffiniert wählte Bekleidungstechniker und Geschäfts- führer Karl Baus samt Gesellschafter den Firmennamen: Audioplay. Das erinnert stark an die beiden größten deutschen HiFi-Magazine.

  • Anmerkung : Wieder diese Selbstbeweihräucherung - beiden "größten deutschen HiFi-Magazine" und dazu dumme Sprüche. Von Wolfgang Hasselbach, Chefentwickler von BRAUN Frankfurt wissen wir, daß er mit einem Krawattenhersteller zusammen die ersten funktionierenden BRAUN Hochton- und Mittelton- Gewebekalotten entwickelt hatte und sie hatten super funktioniert, siehe die BRAUN L710/ L715 und LV720.


Zufall oder Berechnung? Falsch ist jedenfalls, daß Charly von Redakteuren der Schwabenhochburg Stuttgart konstruiert wurde oder hergestellt wird. Richtig ist, daß Charly aus Pappe besteht.

  • Anmerkung : Volltreffer, also voll "auf den Schlips getreten". - Und wie dämlich kann man nur den vermeintlichen Herstellungsort mit dem Boxenmaterial vergleichen ? Das ist "absolut" unseriös und verspielt die Rest-Reputation der Redaktion.

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Pappe ist viel billiger als Holz.

Charlys Kante: Gefährlich scharfe Ecken an der nicht sonderlich sorgfältig verarbeiteten Box
Deckel drauf: Das Abdeckgitter Charlys liegt lose auf der Plastikkrempe
Guter Stern: Der an ein Marken- automobil erinnernde Pappstern - hier eine weniger haltbare Version - stärkt Charly den Papprücken

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  • Anmerkung : Das ist nun wirklich eine "sehr weise" Erkenntnis des Redakteurs. Selbst mit geringstem Intelligenz- quotienten würden das 99% der Bevölkerung auch noch so hinbekommen. Der Redakteur rangiert hier an den glaubwürdigen Fakten vorbei.

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Und das hat seinen Grund: Pappe ist nicht nur in Herstellung und Versand wesentlich billiger als Holz, sie dämpft auch störende Resonanzen besser als die üblichen Spanplatten. Allerdings verlangt Pappe auch nach sehr behutsamer Behandlung, sonst verliert Charly schnell sein Gesicht.

Eine sternförmige Pappverstrebung im Innern soll Charly gegen unerwünschte Schwingungen den Rücken stärken. Die mit billiger Kunststoffolie überzogene, stark an eine Waschmitteltrommel erinnernde Säule beherbergt einen 24cm Tieftöner, der im Zusammenspiel mit dem voluminösen Gehäuse für „abgrundtiefe" Bässe sorgen soll.

Der Tieftöner sitzt wie ein Deckel auf der Trommel oben auf. Deshalb strahlt er von der Frequenzweiche eventuell nicht genügend unterdrückte Mitteltonanteile und Partialschwingungen zur Decke hin ab. So sollen nur tiefe Frequenzen dank kugelförmiger Wellenfront das Ohr des Zuhörers erreichen. Aber daß der große Abstand des Tieftöners vom Boden stehende Wellen verhindern soll, dürfte eine doch zu kühne Behauptung sein.
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Alleine stereoplay kann das richtig beurteilen - oder nicht ?

Direkt dagegen "zielen" ?? der 10cm Konus und der 2,5cm Kalottenhochtöner aus dem oberen Rohrviertel. Charly umgeht dank seiner runden Form das mögliche Problem eckiger Lautsprecher, daß klangverfälschende Beugungen und Reflexionen an den Kanten entstehen.

  • Anmerkung : Der Redakteur ignoriert vollkommen, daß diese runde Bauform vor allem die Gehäuseresonanzen der normalen Kasten- und Kisten-Boxen ausmerzt. Fast alle "normalen" Boxengehäuse hatten einen Eigenklang bzw. Tiefton-Resonanzen.


Fundierte Theorie scheint also in Charly zu stecken. Wichtiger ist jedoch, ob der Entwickler, angeblich Professor an einer Technischen Hochschule, die Weiche korrekt dimensionierte und ob der Charly hochwertige Chassis sein eigen nennt. Dies untersuchte stereoplay im Meßlabor.
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Die Untersuchung von stereoplay

Charlys Frequenzgang zeigte sich arg zerklüftet: Unterhalb 1000 Hertz setzten Mitten und Baß zu einer irrwitzigen Talfahrt an. Von „sattem, tiefem Baß bis 25 Hertz" also keine Spur.

Das Ein- und Ausschwingverhalten bot ab 8 Kilohertz Anlaß zur Kritik. Die Verzerrungen liegen im Bereich: zwischen sehr guten 0,2% und sehr hohen 5%. Die nötige Betriebsleistung beträgt 4,14 Watt, Charly verlangt also nach mittelkräftigen Verstärkern.

Im Hörtest fühlte er sich von stereoplays Referenz-Vorverstärker Burmester 808 Mk II und der 320-Watt-Endstufe McIntosh MC 2255 sicher gut versorgt. Der Dynavector DV 505 an Nakamichis Super-Laufwerk TX-1000 nahm den Tonabnehmer 17D auf seinen Arm, damit Charly richtige Impulse erhielt.

Der Vergleich mit anderen aber konventionellen Boxen

Im ersten Hördurchgang traf Charly auf den Acron 400B (Testsieger stereoplay 10/1981, Preis um 440 Mark), den gleichteuren Canton Quinto 510 (Testsieger 6/1981) und den neuen Pilot VI (Preis um 450 Mark).

Der Acron wartete trotz wesentlich kleinerem Volumen mit einem kräftigeren und konturierteren Baß als der größere Charly auf. Dieser brachte schlichtweg überhaupt keine Tiefen. Die Mitten des 400B kamen sauberer und natürlicher. Bei Streichern, Oboen und Schlagzeug unterlag Charly ebenfalls. Er verbuchte in diesem Vergleich nur einen einzigen Pluspunkt: Im Extremfall konnte er lauter spielen.

Auch der Pilot VI brachte die tiefe Orgel der „Cantate Domino" natürlicher und kräftiger.  Entgegen dem Prospektversprechen kam Charly bei Orchesteraufnahmen keineswegs „frei". Auch Schlagzeugsoli ließen die versprochene „Impulsfestigkeit" missen. Die Stimme der italienischen Sängerin Milva preßte Charly eng und hohl aus der Röhre. Ebenso klangen Violinen von Vivaldis „Vier Jahreszeiten" verfärbt und fremd.

Alles von teuer bis gut muß ran

Nun liegt allerdings der Verkaufspreis für Acron und Pilot VI etwas über Charly-Niveau, wenn auch die vom ortsansässigen Fachhändler gebotenen Leistungen diesen Nachteil schnell wieder wettmachen. Trotzdem wollte stereoplay überprüfen, ob Charly wenigstens einen gleichteuren Lautsprecher schlagen könnte.

Aber das neutrale Klangbild, die hervorragende Räumlichkeit und ausgewogene Tiefenstaffelung des Canton Quinto 510 ließen den hohlen und manchmal lästigen Charly-Tönen keine Chance. Er gefiel nur in einem engen Frequenzbereich zwischen 5 und 10 Kilohertz.

Zu guter Letzt nahm stereoplay die Audioplayer beim Wort und hörte Charly
gegen einen 2500- bis 3000- Mark-Lautsprecher, den Quadral Vulkan für 2600 Mark.

Auch aus Charly tönte Musik. Nur fehlten im Gegensatz zum Vulkan die wohldosierten Bässe, die unverzerrten Mitten und brillante Höhen, durch die Triangelschläge zum Ohrenschmaus werden.

Und jetzt die Schlußfolgerung der stereoplay Redaktion

Nach diesem Vergleich ist klar, warum sich Charly nicht im Fachhandel zum Vergleich stellen will: Er klingt zu schlecht. Der Traum vom billigen Lautsprecher, der besser als erheblich teurere Boxen klingt, zerplatzte in diesem Test leider wie eine Seifenblase. Schade, daß sich Audioplays Weismacher als Schaumschläger entpuppten.

Harald Kuppek

  • Anmerkung : Ui ui Herr Kuppek - Jetzt ist (oder war) der Charly ganz traurig, weil er schlecht klingt. Auf die Idee zu kommen, mal nach Nebenan zu den Kolegen von AUDIO zu gehen und die Kollegen - die den Charly ganz ok fanden - mit ins Boot zu holen, oder andere fremde Lautsprecherspezialisten zu befragen, kam anscheinend niemand. Das alles klingt (oder hört sich an) wie damals in der Ostzone (DDR) oder in Russland, wenn das Urteil bereits fertig war, und nur der Text noch geschrieben werden mußte. Auch mit viel zeitlichem Abstand hat der ganze Artikel in der Ausgabe 11/1982 ein heftig merkwürdiges Geschmäckle.

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Hier ein Nachtrag von dem Artikel - auch von Harald Kuppek:

Das fiel auf :

Abseits des Tests fiel der Redaktion ein Audioplay-Prospekt auf, der den Anschein erweckt, die gesamte Händlerschaft sei eine Schar von Gaunern. Erstens wird der Händler als Neidhammel abgestempelt: „Wir liefern ab Werk, was die Händler natürlich ärgert. Denn ihnen entgeht ein Geschäft, an dem sie verdienen."

Zweitens wird unlauterer Wettbewerb unterstellt, wenn Charlys im Handel vorführbereit stehen. Doch könnte der Händler nicht die Charlys eines unzufriedenen Kunden in Zahlung nehmen und weiterverkaufen? Sofern der Zusatz „Inzahlungnahme" das Preisschild ziert, ist dies keineswegs unlauterer Wettbewerb.

Offensichtlich schießen die Audioplayer nicht nur mit ihren Versprechungen gern übers Ziel hinaus, sondern dem Fachhändler wird gleich noch ein Tiefschlag erteilt. Sensationsmache, Marktschreierei und Diffamierungen kennzeichnen jedenfalls nicht den seriösen Kaufmann. H. K.
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Was mir bereits beim ersten Lesen aufgefallen war :

Im Artikel wird immer von "der Redaktion" gesprochen, oder "stereoplay" testet das jetzt mal richtig, es werden aber keine weiteren Namen genannt, die an dem Test wirklich partizipiert hatten. Am Ende unteschreibt der stellvertretende Chefredaktuer Harald Kuppek.

Auf die Idee zukommen, den Herrn Baus mal einzuladen, Winnweiler ist ja nicht so weit von Stuttgart enfernt, wie das bei Karl Breh im Labor der Hifi-Stereophonie und den dortigen Lautsprechertests - vor allem bei einem abzusehenden Verriß - immer gehandhabt wurde, kam da wirklich niemand.

Mir drängt sich der arge Verdacht auf, diese Röhre sollte gar nicht klingen dürfen. Denn man hätte ausgiebig beschreiben können, wie man durch eine sicher aufwendige aber geschickte(re) Aufstellung in einem normalen Wohnzimmer die Qualitäten abgetastet (evaluiert) hätte. Man wollte und mußte den raren und damit wertvollen Inserenten ums Maul schleichen, die ihre Boxen mit großem finanziellen Aufwand bewerben, damit die Händler die dann (endlich) aufstellen und anbieten und (ab)verkaufen.

War denn die Firma Baus wirklich kein Inserent bei der Motor Sport Presse ? Die mußten doch die Box Charly auch in dieser Zielgruppe der Hifi-Kunden bewerben.

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