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Über die QUAD Historie

von Gert Redlich im März 2015 - Wenn einer über seine eigene Vergangeheit schreibt, ist die Gefahr der Glorifizierung groß. Ganz speziell bei Nischenprodukten wird (in den einführenden Texten) gerne gedichtet, was das Zeug hält.

Viele Aussagen werden denn auch von den jeweiligen Fans nie in Zweifel gezogen, von den neuen Interessenten aufgesogen und insbesondere von den jüngeren Lesern erst mal als wahr so hingenommen.

Nur Wenige machen sich die Mühe, das mal genauer zu recherchieren und zu neutralisieren und somit "gerade zu rücken". Als interessierte Hifi-Fans und Zeitzeugen, die wir das alles hautnah miterlebt hatten, sehen wir diese Glorien natürlich kritisch.

Darum habe ich hier auch die Eigendarstellung der Firma QUAD genauso gnadenlos auseinander genommen wie die glorifizierten Geschichten von den Nachfolgefirmen (der Pleite gegangenen Firmen) wie Grundig und Telefunken und SABA und DUAL (und vieler anderer), die ihre verbreiteten Glorien immer wieder wiederholen.

Also wie sieht sich die Firma QUAD in 1990 ?

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Die Quad Story (von 1990)

Die Geschichte von Quad begann im Jahre 1936, als Peter Walker in London seine Firma gründete und sie "Acoustical Manufacturing Company" nannte.

Wie in vielen kleinen Firmen waren die ersten Jahre von harter Arbeit und geringem Lohn geprägt. Die so gewonnenen Erfahrungen waren jedoch äußerst wertvoll, und als man Ende der 1940er Jahre überall auf der Welt daran ging, die Schallübertragung zu verbessern, gab es bei Acoustical schon Verstärker und Lautsprecher mit hoher Qualität.
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  • Anmerkung : 1949 war weltweit immer noch die Schellackplatte der Maßstab der erreichbaren Qualität. Das deutlich bessere Magnetophon Magnetbandgerät kam außerhalb Deutschlands nur mühsam in die Gänge und UKW Rundfunk wurde in England erst nach dem Durchbruch in Deutschland - das war etwa 1952/1954 eingeführt.

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Der "Corner Ribbon" Lautsprecher, mit einem Horn-Bändchensystem für die Höhen, machte etwa eine Oktave mehr als andere Lautsprecher, und man hatte den QA12/P Verstärker. Er wurde 1951 durch den Q.U.A.D. Verstärker abgelöst, der unter den damaligen Audio-Enthusiasten in hohem Ansehen stand.

Der Name Q.U.A.D.

Diese Leute fanden schnell heraus, dass das Kunstwort QUAD, abgeleitet von den Anfangsbuchstaben von "Quality Unit Amplifier Domestic", also etwa "Hochwertiger Verstärker für den Heimgebrauch" leichter zu merken und auszusprechen war als der Firmenname Acoustical.

Der Q.U.A.D. Verstärker von Acoustical setzte den Heimstandard des Leistungsverstärkers mit der die nötigen Einstellregler und Programmwahlschalter enthaltenden separaten Vorstufe.

Der Durchbruch

Die internationale Anerkennung von QUAD kam dann in den 1950er Jahren mit dem Verstärker QUAD II und mit dem elektrostatischen Breitbandlautsprecher. Sie begründeten nicht nur den Ruf und den Erfolg von Quad, sondern sie gaben der ganzen Autoindustrie die Richtung vor.

Die Philosophie

Geht man irgendwo auf der Welt in irgendeinen HiFi-Laden, so wird man feststellen, daß die meisten Geräte gleich aussehen; überall die gleiche Farbe, die gleichen Maße, die gleichen Knöpfe. Es scheint so, daß alle nach den gleichen Entwicklungsrichtlinien konstruiert worden sind, nur um sie für den Käufer attraktiv zu machen. So etwas hat aber wenig mit der eigentlichen Aufgabe, der Musikwiedergabe, zu tun.

Erklimmt man die höchsten Gipfel des High End, so stellt man häufig erstaunt fest, daß sie so hoch nicht sind. Manche Entwickler glauben dort mit dem Weglassen einiger wichtiger Bauelemente den Stein der Weisen gefunden zu haben. Und würde man den Erkenntnissen mancher Tester folgen, so müßte man jeden Monat neue Geräte bauen.

Der andere Weg von QUAD

Quad ist bei der Entwicklung seiner Geräte einen anderen Weg gegangen. In erster Linie folgt man dort den Anforderungen des Kunden in seiner Eigenschaft als Musikhörer; und man hat erkannt, daß die Elektroakustik ein Teil der Wissenschaft und kein Kunsthandwerk ist.

Die Wiedergabeeigenschaften, die Zuverlässigkeit, eine überschaubare Funktionsweise und Konstruktion sind wichtige Faktoren für eine lebensechte Musikreproduktion. Erreicht werden sie mit dem grundlegenden Verständnis der physikalischen Gesetze und nicht durch den Glauben an wechselnde HiFi Moden.

Zuverlässigkeit erzeugt man durch die richtige Anwendung von Ingenieurswissen, durch sorgfältige Produktion und durch die Auswahl der Bauelemente. Man könnte sagen, daß die Zuverlässigkeit eines der wichtigsten Kriterien ist; denn was nützen die besten Daten, wenn sie nach kurzer Betriebszeit nicht mehr eingehalten werden.

Das "andere" Konzept

Die Anordnung der Bedienelemente und die Gestaltung müssen sich nach den Forderungen praktischer Handhabung richten. Schwierig zu bedienende Geräte bilden ein Ärgernis, und ein HiFi Rack, das wie ein Spielautomat glitzert und funkelt, fördert kaum den Eindruck, den man sich für eine realistische Musikwiedergabe wünscht.

Das technische und das äussere Design werden bei Quad von ein und demselben Team entwickelt. Diese Menschen schauen die Innen- und die Frontplattenkonstruktion mit den gleichen Augen an. Dadurch wird ein widersinniges Styling vermieden, das oft entsteht, wenn elektronische Schaltungen in die Hände von Designern fallen.

Quad Geräte geben jede Einzelheit einer Musikaufnahme wieder. Wenn deren technische Qualität stimmt, und wenn der Toningenieur eine Meisterleistung vollbracht hat, dann wird der ästhetische Genuß beim Musikhören nur durch das Original übertroffen.

Die Glorie wird gepflegt

Man findet kaum einen Elektroakustiker, der diese Geräte nicht als Vergleichsstandard für seine eigenen Bemühungen um die Verbesserung der Musikwiedergabe heranzog. Die Prinzipien, nach denen diese frühen Quad Geräte konstruiert wurden: eine sorgfältige wissenschaftliche Analyse des jeweiligen Problems und die Bereitschaft, herkömmliche Lösungen durch innovative Ideen zu ersetzen, wenn sie dem Ziel dienen, die Tonwiedergabe zu verbessern. Quad ist diesen Prinzipien bis heute treu geblieben.

Eine Ehrung durch die Königin

Spätere Quad Erzeugnisse haben ihren Beitrag zur Anerkennung des Hauses geleistet. Ehrungen wurden erteilt und Preise wurden gewonnen bis hin zum Preis für Technische Verbesserungen der englischen Königin, der nur in diesem einen Fall einer HiFi Firma gewährt wurde. Obwohl Quad Geräte in erster Linie für den Heimgebrauch gedacht sind, finden sie auch beim Rundfunk und im Aufnahmestudio ihre Anwendung; jeweils dort, wo höchste Qualität gefordert wird.

Das Wunschdenken

Quad ist für hunderttausende von Menschen in der ganzen Welt die einzige Alternative zum Musikerlebnis im Konzertsaal: der ästhetische Genuß beim Musikhören wird nur durch das Original übertroffen. Die Verbindung von Ingenieursleistung, Produktionsqualität und nicht zuletzt das Eingehen auf den Anwender machen Quad zur einzig möglichen Wahl eines jeden Musikliebhabers.

1949

Die Verstärker/Vorverstärker - Kombination QA12/P  mit 12 Watt Ausgangsleistung war das erste Produkt der Acoustical Manufactu ring Company, das für den Musikliebhaber gefertigt wurde. Zuvor hatte die Firma auschließlich Geräte für Übertragungsanlagen gebaut. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sind einer der Grundsteine der Firmenphilosophie.

1949

Der "Corner Ribbon" Lautsprecher. Ein gefaltetes Horn für die Tiefen und ein ebenfalls auf ein Hörn wirkender Bändchenlautsprecher für die Höhen setzten Maßstäbe für die natürliche Klangwiedergabe, die Quad später niemals aufgab.

1949

Der Radioempfänger H.R.1. war seinerzeit in Großbritanien das Standardgerät für hochqualitativen Musikempfang. Er war der erste einer ganzen Reihe von Tunern, die diese wichtige Programmquelle in das Heim der Musikliebhaber brachte.

1951

Das Gerät mit dem der Name Q.U.A.D. eingeführt wurde. Es sind die Anfangsbuchstaben von "Quality Unit Amplifier Domestic". Sinngemäß übersetzt also: Qualitäts-Verstärker für den Heimgebrauch. Eine Endstufe mit getrenntem Vorverstärker, der schon separate Filterregler aufwies.

  • Anmerkung : Diese Übersetzung ist etwas weit hergeholt. "Domestic" bedeutet korrekt inländisch und eben nicht aus Amerika.

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1953

Der Leistungsverstarker Q.U.A.D II mit seiner Vorstufe QC II wurde 18 Jahre lang unverändert hergestellt. Mehr als 80.000 dieser Geräte wurden in faktisch alle Länder der Erde geliefert. Seinerzeit benutzten die Schallplattenhersteller unterschiedliche Aufnahme-Entzerrungen für ihre Platten. Mit dem QC II konnte man sie alle klangrichtig abspielen. (Anmerkung : Wenn man sie überhaupt wußte !!) Außerdem gab es für dieses Gerät besondere Einsteckmodule, mit denen der Tonabnehmer an den Vorverstärker optimal angepaßt werden konnte.
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1956

Als Ergänzung der Stereo-Schallplatte und des Stereo-Rundfunks gab es den Vorverstärker Quad 22 und jetzt auch den Quad Stereo-Decoder. Der Stereodecoder machte den Quad FM Tuner stereotauglich. Fast alle hergestellten Quad 22 mit ihren Quad II Endstufen sind heute noch in Gebrauch.

  • (Anmerkung : Das war vielleicht der Stand von 1970, der zur Zeit dieses Prospektes - um 1990 - bereits zu den Legenden und Mythen gehörte.)


Sie demonstrieren auf diese Weise die Markentreue der Quad Besitzer und die beispielhafte Qualität des Reparaturservice von Quad. Auf Hobby-Börsen sind es gesuchte Sammlerobjekte. Wenn überhaupt, dann wechseln sie nur zu Liebhaberpreisen ihre Besitzer.

  • (Anmerkung : Das stimmt, sogar 2014 und 2015 werden auf ebay völlig idiotische Preise "verlangt", aber allermeist werden diese überzogenen Preise jedoch nicht erzielt.)

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1957

Der erste elektrostatische Breitbandlautsprecher weltweit.

  • Anmerkung : Das fehlen eine paar Attribute wie "der erste in Serie hergestellte" und allgemein "kaufbare". Es gab schon vorher - auf dem Kontinent - elektrostatische Lautsprecher, nur hatte das die Engländer nie interessiert.)


Er wurde für die nächsten 25 Jahre der Standard der natürlichen Musikwiedergabe.

  • (Anmerkung : für eine ganz bestimmte Art von klassuischer Musik)


Ein Tester sprach damals (1957) von "Walker's kleinem Wunder". Jeder andere Lautsprecherfabrikant besaß einen als Vergleichsreferenz für seine eigenen Produkte,

  • (Anmerkung : das mag in England so gewesen sein. In Deutschland mit einer 10 fachen Radioproduktion im Vergleich zu England hatten nur ganz wenige solch einen als Referenz - BRAUN - und da Herr Hasselbach - vielleicht, sonst ist mir keine anderer Hersteller bekannt geworden, auch Klein+Hummel oder Sennheiser nicht)


und man findet kaum einen Musikexperten weltweit, sei es auf der Aufnahmeseite, beim Rundfunk oder in der HiFi Industrie, der nicht wenigstens einen QUAD ESL besessen hat.

  • (Anmerkung : Das mag sein, die Frage war nur, wei lange er ihn besessen hatte, bis er die Schwächen festgestellt hatte. In Europa findet man ganz ganz viele honorige Rundfunk-, Schallplatten- und Musik-Experten, die sich auf andere Fabrikate wie K+H, JBL, Cabasse und andere verlassen hatten, sogar die Legende Karajan hatte andere Anforderungen, der liebte nämlich etwas Bass.)

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1967

Während einige Hersteller so schnell wie möglich Transistor- Verstärker herausbrachten, erkannte Quad, daß mehr zur guten Ingenieursarbeit gehört, als das magische Wort "Transistorisiert" auf der Frontplatte. Der Vorverstärker Quad 33 und die Endstufe Quad 303 lösten die technischen Probleme, die bei den ersten Transistorschaltungen offenkundig geworden waren.

  • (Anmerkung : Das mag aus englischer Sicht einer kleinen Firma mit begrenzten Ressourcen der Fall gewesen sein, in Deutschland und vor allem in den USA gingen die Uhren und damit die Innovationen viel schneller und das Knowhow war lange vor 1967 nahzu perfekt.)

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1975

Current Dumping ist die prägnante Bezeichnung, die man für ein neues Verstärkerkonzept wählte, das die Verwendung von vergleichsweise empfindlichen, sorgfältig gepaarten Leistungstransistoren überflüssig macht, um optimale Ergebnisse zu erzielen.

Quad erhielt für diese Erfindung den Technologiepreis der englischen Königin und blieb bisher die einzige HiFi Firma, die diesen Preis erhalten hat. Die Endstufe Quad 405, die mit dieser Schaltungstechnik ausgerüstet ist, wurde schnell weltweit zum bestverkauften Leistungsverstärker, einschließlich Japans.

  • Anmerkung : Eventuell im Jahr 1975 - aber später nichtmehr.)


Aufnahmestudios, Rundfunkstationen und private Anwender benutzen ihn wegen seiner optimalen technischen Eigenschaften und seiner Zuverlässigkeit.

  • (Anmerkung : Auch diese Aussage war 1990 absolut überholt und zehrte von der Legende. Er mag in einer ganz bestimmten Klasse von Verstärkern und in einer bestimmten Preiskategorie der meistverkaufte Endverstärker gewesen sein, doch selbst das würde irgendwo in den Hifi-Medien zu lesen sein. Und in der Redaktion haben wir jede Menge Magazine mit unglaublich vielen Informationen verfügbar. Weiterhin ist doch bemerkenswert, daß kein weiterer Hersteller weltweit dieses Konzept übernommen hatte.)

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