Nach 35 Jahren ist es an der Zeit, "Altes" aufzuarbeiten
Und das betrifft unsere alten Firmenunterlagen insbesondere unseren bundesweiten DATAFLEX Vertrieb. Die Akten in unserem Stahschrank umfassen fast zwei Meter zuzüglich der ganzen Disketten und Streamer-Bänder.
Weniges davon ist irgendwie noch relevant - außer der Erinnerung und der Erfahrung. Die Firma "Data Access Corp." (= DAC) in Miami hat sich fast in "NICHTS" aufgelöst und von den alten Machern aus der Zeit um 1985 ist so gut wie keiner mehr da.
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Es ging los Mitte 1983 - als die Molli's kamen
Von 1981 bis 1983 hatten wir Einplatzcomputer verkauft und die spezielle Kunden-Softare dazu in Canon-Basic geschrieben. Das klappte hervorragend. Doch die Kunden wurden anspruchsvoller und diese Canon-CX1-Computer waren nicht mehrplatzfähig, und die Software schon gar nicht. Da tauchte am Horizont ein tolles 8-User Computer-System auf, der "Molecular Computer" und der Verkäufer Dr. Fink zeigte uns eine Software mit Namen Dataflex (die kam aus Miami in Florida). Von nun an ging es bei uns nur noch aufwärts.
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Im Sept. 1983 kauften wir unsere DATAFLEX Entwickler-Lizenz
Mit der weltweiten Nummer 233 waren wir bei den Amerikanern - und das sogar weltweit - unter den allerersten Kunden. Anfang 1984 konnten wir uns mühsam ein damals sehr teures Siemens Telex-Gerät leisten und von nun an konnten wir mit den Amerikanern verbindlich kommunizieren. Telefonieren war nämlich immer noch extrem teuer und das Fax stand in den Startlöchern. Wir fragten nach den Vertriebsrechten an und bekamen einen Vertriebsvertrag exklusiv für Deutschland.
Später folgte die erste Erfahrung : Die Amerikaner sehen das alles nicht so eng und auf einmal gabs noch einen zweiten Exklusiv-Vertrieb - in Braunschweig. Von nun an waren wir mit Amerikanern aufmarksamer geworden und wir wurden lernfähig.
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Damals aus der Disco-Branche mitgebracht - unser Messestand
Die Verkaufsgrundlagen kamen auch aus USA : "Show, what you sell." Das hatte ich bereits gelernt. Ich hatte nämlich aus den 1970er Jahren einen modernen kompletten Messestand übernommen bzw. geerbt.
Und diesen eigenen Messe-Stand vervollständigten wir und setzen ihn jetzt ein und gingen daher mit geringsten Kosten auf alle nur erreichbaren Computer-Messen - mit großem Erfolg.
Unser Firmenlogo RDE trat in den Hintergrund, und DATAFLEX trat in den Vordergrund und das war noch erfolgreicher.
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Und dann kam unser eigenes deutsches DATAFLEX Handbuch
Eines war mir klar, die geworbenen Kunden, alles Softwarehäuser und Programmierer und damit Wiederverkäufer für die DATAFLEX Runtime Lizenzen, die muß man binden, langfristig und mit Köpfchen - und vor allem, seriös an sich binden. Wenn ein Programmierer ein Problem hat, helfen keine Sprüche, sondern sofortige Hilfen und Lösungen, auch Samstags und Sonntags und auch abends nach 20 Uhr.
Unser Handbuch "DATAFLEX Professionell" war im deutschsprachigen Raum die Referenz, egal was die Amis dabei dachten. Und das bei einem Preis von 245.- DM pro Buch (ein sehr handlicher Ringordner). Diese Bücher leben heute noch in den Regalen der alten Freunde.
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Bis 1988 hatten wir über 350 Wiederverkäufer begeistert
Von Anfang an war mir klar, auch dieser Markt ist bzw. wird hart umkämpft und ist nicht grenzenlos. Das wollten die Amerikaner aber so nicht sehen. Sie sahen den Aufwärtsgang das emsigen Schweden und des erfogreichen Engländers, die beide mit gigantischen Steigerungsraten (vom Umsatz her gesehen) aufwarteten.
Nur einmal in der ganzen Zeit war unser deutscher RDE Vertrieb der weltweit zweitbeste und mir ging dieser amerikanische aufgeblähte und scheinheilige Laudatio-Zirkus (es war sowieso nur eine Show) damals schon auf den Geist.
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Die Amis wollten 1989 unbedingt ein eigenes Büro in Deutschland
Wer immer ihnen das eingeredet hatte, auf einmal stand im Frühjahr 1989 ein kleiner Mann auf der Matte, der die DAD Data Access Deutschland gründen wollte und der jetzt den ganz großen Durchbruch herbeizaubern sollte oder würde.
Ich konnte den US-Chef Chip Casanave nicht davon abbringen, daß es erstens nicht der befähigte Vertriebsmann sei und daß es viel Geld kosten würde, zusätzlich eine zweite oder dritte Vertrebs-Organisation aufzubauen.
Von den sehr "lockeren" Methoden der Amis bezüglich Verträgen mit "Offshore" Ländern (das sind alle Länder auf diesen Inseln vor Neupfundland, die wir hier als Europa bezeichnen) ahnte ich zu der Zeit noch nichts.
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Eines war mir klar, da wollte sich jemand ins gemachte Nest setzen - zu unseren Lasten - und das stimmte dann auch.
Nach den ersten Gesprächen war mir weiterhin klar, daß es außer an seinem Erscheinungsbild mit Hitler-Bärtchen auch an den Fähigkeiten haperte und so war es dann auch.
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Im Juni 1989 gabs die ersten Presseinformationen
Presseinformation - Juni 1989 - Personalien
Axel Druschel (29) ist zum Leiter des deutschen Büros der Data Access ernannt worden. Das Unternehmen, das im Rahmen seiner weltweiten Expansion derzeit ein deutsches Vertriebsnetz für das Datenbank- Entwicklungstool DataFlex aufbaut, hat damit einen jungen, aber dennoch Vertriebs- und supporterfahrenen Manager an die Spitze der deutschen Aktivitäten gestellt.
Druschel hatte sich zunächst auf der Basis einer vertriebsorientierten, kaufmännischen Ausbildung zum Leiter der Technischen Unterstützung bei Molecular qualifiziert. Es folgte die Vertriebsleitung bei einem Siemens- ComPartner sowie bei ReNoFlex, einem der bekanntesten Anbieter einer auf DataFlex basierenden Lösung.
Im Rahmen dieser Karriere hat DataFlex den agilen Macher bereits seit 1982 begleitet. Da nimmt es nicht wunder, daß er die erste sich bietende Gelegenheit ergriff, um die Geschicke dieses hervorragenden Produktes in Deutschland in die eigene Hand zu nehmen.
Verantwortlich für den Inhalt: EUROPE AB DEUTSCHLAND - Bahnstraße 15 D-6382 Friedrichsdorf
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Anmerkung : Diese Formulierungen stammen ganz offensichtlich von ihm selbst.
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Gleich danach eine weitere Presseinformation .....
Presseinformation - 16.10.89 - GmbH-Gründung abgeschlossen
Data Access, Hersteller des bekannten Datenbank-Programms DataFlex, ist nun auch in Deutschland mit einer eigenen GmbH-Tochter vertreten. Das Unternehmen, das seinen Sitz in Friedrichsdorf hat, kündigte vor wenigen Tagen den Abschluß der vorbereitenden Arbeiten zur Installation einer eigenen Niederlassung an.
Das junge Unternehmen mit stark expansivem Drang beginnt seine Aktivitäten in Deutschland mit 5 Beschäftigten, einem Stammkapital von DM 50.000 und mit derzeit 3 Distributoren, die sich den Vertrieb der Data Access-Produkte auf die Fahnen geschrieben haben.
Geschäftsführer der Data Access Deutschland GmbH ist Axel Druschel (29), ein junger, aber dennoch Vertriebs- und support-erfahrener Manager der neuen Generation. Druschel hat seine Laufbahn in der Technischen Unterstützung bei Molecular begonnen und war zuletzt im Vertrieb von ReNoFlex tätig, einem der bekanntesten Anbieter einer auf DataFlex basierenden Lösung.
Im Rahmen dieser Karriere hat DataFlex den agilen Macher bereits seit 1982 begleitet. Als sich ihm 1988 die Gelegenheit bot, die Geschicke dieses hervorragenden Produktes in Deutschland in die eigene Hand zu nehmen, griff Druschel zu.
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Anmerkung : Auch diese Formulierungen stammen ganz offensichtlich von ihm selbst.
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Das alles wurde ja (ohne unser Wissen) aus USA gesponsert .....
Zu dem Zeitpunkt (Sommer 1989) war mir nicht klar, ob die Amerikaner sich des Aufwandes bewußt waren, den sie in die Wege geleitet hatten. Denn außer den 50.000 DM Stammkapital fielen ja von sofort an die angeblichen 5 Gehälter und die Mieten und sonstigen Nebenkosten an.
Dann kam die "Systems 1989" in München. Bis dahin war ich mit gutem Willen dabei. Es war ja bislang nicht mein oder unser Geld - jedenfalls noch nicht. Unser DATAFLEX- Lizenz-Geschäft lief ja - bis dahin - recht gut. Die dicke Rechnung kam ja erst ein paar Monate später.
Auf der Systems terminierte der neue Geschäftsführer ein paar Events, die wir von RDE noch unterstützten. Zu der Zeit hatten wir bereits einen der super teuren SONY Beamer für unsere großen Präsentationen angeschafft. Doch das alles half nichts, zu viele Flops führten zur totalen Demotivation.
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Als Herr Druschel eine Moderation beginnen wollte .....
Vor über 150 geledenen inzwischen sitzenden Gästen sollte als Messe-Highlight 1989 die ganz neue DATAFLEX (Windows-) Version 3.0 angekündigt werden. Vorne "stand" Herr Druschel und fing an zu reden. Hinten sah man ihn nicht, denn er war von kleiner Statur und auch kaum zu verstehen.
Als der erste Gast von ganz hinten ziemlich laut rief "Steh doch mal auf", reckte er sich, wurde aber dadurch nicht viel größer. Er erntete ganz vorne die ersten Lacher. Anstelle jetzt auf einen Stuhl zu steigen, machte er weiter und ein zweiter und ein dritter Zuruf, er möge sich doch bitte erheben, verhallte im Gelächter. Das war der Einstieg, an seinen Manager-Fähigkeiten zu zweifeln.
Herrn Axel Druschel kannte ja noch niemand, aber mich mit meinen eins-sieben-und-neunzig kannten sie alle, die dort saßen, bis auf de geladenen Pressevertreter. Noch während des vergeigten Vortrags fragten mich die ersten : Wer ist denn dieser "SOS"-Mann - "Sitzt er oder steht er ?"
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Der "neue" Data Access Messestand auf der "Systems 89" ......
Ich jedenfalls hatte in den vergangen Jahren gelernt, daß man immer auf dem bereits gelernten und verarbeiteten Wissen aufbauen sollte (eigentlich mußte), um Erfolg zu haben.
Und da wir seit 1984 das "Produkt" DATAFLEX (und nicht die "Firma DAC" dahinter) mit Macht beworben hatten, war es äußerst unglücklich, jetzt nur noch eine hier bei uns unbekannte amerikanische Firma Data Access Corp. = "DAC" zu bewerben zu wollen und irgendwo an eine Wand auch DATAFLEX hinzuschreiben.
Die auf der Messe angekommenen Bestandskunden von RDE waren verwirrt und verstanden es auch nicht. Die Gespräche mit diesen Kunden versuchte Herr Druschel zwar in seine Lounge zu zerren, doch wir begleiteten die Besucher noch ein paar Meter weiter und unterhielten uns ausserhalb des Messestandes und sprachen dort Klartext. Unsere ebenfalls neue Profi-Videokamera mitsamt VHS-Recorder war übrigens immer dabei. Die gedrehten Filmchen sind sehr aufschlußreich und stehen bald online.
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Geld spielte offensichtlich überhaupt keine Rolle
Bei unseren RDE-Messeständen achtete ich immer auf einen optisch großen Eindruck zu geringsten Kosten. Erreicht wurde es mit einer 12 Meter Breite und nur 2 Meter Tiefe. Hier zur Systems 1989 bestellte Herr Druschel 12 x 5 Meter zu 14.500 DM. Dazu kam ja noch der Messebauer, der diesen schneeweißen DAC-Messestand gestalten und aufbauen und betreuen durfte. Diese Kosten sind uns nicht bekannt geworden, dürften aber in der gleichen Größennordnung liegen.
Von den Personal- und Hotelkosten wollen wir gar nicht reden, wir RDE-ler wohnten weit draußen in unserer Stamm-Pension. Auch hatte ich auf meinen Messeständen immer von einer Bewirtung abgesehen, die von unserer Kundschaft überhaupt nicht angedacht war. Unsere Besucher hatten fast immer alle ein Zeitproblem und kein Schwatzproblem. Herr Druschel sah das gänzlich anders und wollte längere Verkaufsgespräche nach US-Vorbild führen. Bei vielen Gästen kam das nicht gut an.
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Dann verteilte er auf dieser Computer-Messe Holzklötzchen .....
Auch damit erreichte er genau das Gegenteil, nämlich Lacher. Die an die Medien verteilten Dataflex 2.3b Disketten-Demos waren inzwischen veraltet und die Windows-Version 3.0 funktionierte (noch) nicht. Das wurde später in der Presse ausführlich "gwürdigt". Zum Glück wurden diese Pressinfos alle aus Friedrichsdorf lanciert und wir waren nicht (mehr) dabei. Die drei Distributoren sollten das dann richten. Auch dieser Schuss ging nach hinten los.
Ich vermute im Nachhinein, daß diese erste 1989er Messe die Firma Data Access (in den USA) mindestens 100.000 DM gekostet hatte. Dazu kamen auch die Flüge des Schweden Magnusson von Data Access Europe AB und die Flüge der Amerikaner nach München samt den standesmäßigen Hotelkosten.
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Können Sie mit diesen Bildchen etwas anfangen ?
Presseinformation - Auf einen Blick
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Weder die (unsere) alten DATAFLEXER noch die Presseleute konnen mit diesen Bildchen hier oben drüber etwas anfangen, ebensowenig mit den kleinen Holzklötzchen vom Kinderspielplatz. So begann der Anfang vom Ende. An irgend eine Einsicht seitens des neuen "Leiters" von Data Access Detschland war nicht zu denken. Er mache das schon richtig.
Und so hatte ich mich innerlich schon auf der Messe im Herbst 1989 von "unserem Kind" verabschiedet.
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Bereits im Juni 1989 gab es eine neue Preisliste
Und wieder hatte Herr Druschel es nicht verstanden, die Lizenzen kaufte doch kein Privatmann, es waren alles Firmen oder Unternehmer, die die Mwst. immer oben drauf rechneten, bei sich selbst und bei ihren Kunden. Es war schon ziemlich dämlich, Preise für Profis im 100.000 DM Bereich mit Mwst. - also als Endkundenpreise - auszudrucken.
Im gleichen Zug wurden die für RDE geltenden bisherigen Distributions-Rabatte drastisch gekürzt, denn das dort verpraßte Geld mußte oder sollte ja irgendwie wieder rein kommen. Nur klappte das bei uns nicht.
Wir von RDE hatten bereits Kontakt zu unseren französischen Kollegen aufgenommen, die alleine wegen der Sprache weder von den Amis noch von Herrn Druschel irgendetwas zu befürchten hatten. In Friedrichsdorf hatten wir keine oder nur ein einzige einzelne Lizenz bestellt.
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Die DATAFLEX Version 3.0 ....... funktionierte nie richtig
Natürlich stimmte das so nicht, denn irgendwan bekamen die Amerikaner diese 3.0 leidlich zum Laufen. Doch unsere 12 Vorabversionen wanderten alle - schön getrennt - zum Restmüll. Die vertane Zeit war einfach nicht mehr aufzubringen, alle Fehler nach USA zu melden. Ob die 3.0 dann wirklich mal funktionierte, kam vermutlich nach unserem Abschied raus. Einige unserer Altkunden hatten sch bequatschen lassen, das selbst auszuprobieren. Die riefen dann aber nach wie vor bei uns an, ob wir dieses oder jenes Problem gelöst hätten.
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Ein Anschreiben vom 29. November 1989 von Axel Druschel
Sehr geehrter Herr Redlich,
die beiliegenden Informationen über den Status von DataFlex 3.0 werden von uns auch an interessierte Anrufer in dieser Form weitergegeben.
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- Ich habe nach verschiedentlichen Anrufen in jüngster Zeit den Eindruck gewonnen, daß doch ein erhebliches Informationsbedürfnis auf Seiten der DataFlex Anwender besteht und einige falsche Informationen im Umlauf sind.
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Bitte sorgen Sie dafür, daß die Interessenten mit den hier beigefügten Informationen versorgt werden. Kopien können Sie in ausreichender Zahl kostenlos bei uns erhalten.
Weiterhin ist es geplant, daß wir Ende Januar/Anfang Februar 1990 zusammen mit einem unserer Partnerfirmen Kurse über die Konzepte des Objektorientierten Programmierens anbieten. Versteht sich, daß wir hierbei auch die ersten Updates auf 3.0 übergeben wollen.
Mit freundlichen Grüßen
Data Access Deutschland GmbH
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- Es waren wenig freundliche Grüße - aber gut formuiert. Wie lange hat er an dieser Formulierung wohl gefeilt ? Natürlich hat sich der "Spruch" von dem kleinen "SOS-Mann" (Sitz er oder steht er?) in weiten DATAFLEX Kreisen herumgesprochen. Auch von einer gewissen Arroganz ala IBM mit der neuen Preisgestaltung ist er überall aufgefallen. So ködert man keine Kunden. Nach unseren Informationen sind so gut wie keine Neukunden mehr dazugekommen. Es sind viel zu viele Softwarehäuser durch die harte Zeit ab 1990 abgesprungen oder einfach weg geblieben.
- Unglücklich war dabei aber auch, er sprach von "Anwendern", die wir ja gar nicht betreut hatten. Das machten unsere Softwarehäuser und Programmierer und die wußten recht schnell Bescheid, was da im DATAFLEX Vertriebsweg von jetzt an abging. Wir bekamen von fast allen Adressen, derer er habhaft geworden war, seine Schreiben ziemlich zeitnah per Post als freundlicheKopie zugeschickt.
- Weiterhin hatte ich nach draußen zu unseren Partnern lanciert, daß wir von RDE erst dann einen DATAFLEX 3.0x Demo-Set (auf Disketten) rausschicken würden, wenn die neue Version endlich - bei uns im Haus - nach unseren Maßstäben funktioniert. Denn die aktuelle DATAFLEX Version 2.3b war wirklich fehlerfrei, damals schon absolut ein Unikum. Das hatte man Herrn Druschel sicher auch "untergeschoben" und damit war er überhaupt "nicht glücklich".
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Es währte nur knapp 2 1/2 Jahre - und Schluß
Irgendwann hatten auch die Amis gemerkt, die Fähigkeiten ihres Deutschland Managers (bei uns war er ja "Geschätsführer", was drüben in USA überhaupt nichts zählte) sind trotz der umsatzmäßigen Eingemeindung der Holländer und der Schweizer und der Österreicher nicht so berauschend, daß sich der deutsche Laden irgendwann mal selbst trägt.
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Zum Ende des Frühjahrs 1992 wurde es eklatant und Herr Druschel mußte seinen Chefessel räumen und gehen. Er hatte da vermutlich einen Fehler zuviel gemacht.
Wofür er aber nichts konnte, war, daß die Umsätze aller europäischen Distributoren oder Händler ab 1990/91 drastisch eingebrochen waren. Daß er vorher schon für den Ausstieg (bzw. den schleichenden Abgang) namhafter Softwarehäuser gesorgt hatte, war mit ein Grund, warum es in Friedrichsdorf jetzt noch schneller abwärts ging.
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Das Résumé dieser Zeit ......
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Es ist wichtig, die eigenen Fähigkeiten nicht nur selbst einzuschätzen sondern auch Freunde zu fragen, wie die die zu bewältigenden Aufgaben einschätzen.
Als Frontmann einer kleinen Firma oder eines kleinen Teams ist eine solche Einschätzung .... seiner Feinde ... wichtiger als die Bebauchpinselung von Freunden - "Du schaffst das schon."
Weiterhin ist es gefährlich, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Meist geht es schief. Und Freunde kann man nicht kaufen, nur erkaufen.
Dann sollte man den Spruch eines alten erfahrenen IBM-lers verinnerlichen : "Hüte Dich vor Trends .... Sie vergehen so schnell wie sie gekommen sind."
Auch er hätte es sehen können oder sogar müssen : Nicht die Data Access Corp. in den USA bestimmte den Software-Markt, es war Microsoft und Novell und Xenix/Unix. Und mit der Ankündigung von Windows 3.11 von Microsoft war das der neue Maßstab der Zukunft.
Wenn Du Dich in ein gemachtes Nest setzen möchtest, laß noch ein paar Stühle frei für die, die vorher hier gewohnt hatten.
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Schaun Sie mal in seine 1989er Preisliste rein
Es gab 2 Produkt-Seiten, eine für die PC-ähnliche Technik und eine Liste für die damaligen großen Brocken, die heute wirklich keiner mehr kennt.
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Beginnen wir mit Seite 1
DATAFLEX 2.3b Preisliste 01.05.89
Eine DataFlex Entwicklungslizenz schließt eine Runtime-Lizenz aus derselben Kategorie und alle Programm-Module, die zur Erstellung und Ausführung von Anwendungsprogrammen notwendig sind, jeweils ein.
Eine DataFlex Runtime-Lizenz schließt die Programm-Module, die zur Ausführung eines Programms notwendig sind ein. Ebenfalls im Runtime-System enthalten ist unser Menü-System und das Abfrageprogramm, QUERY, das Ihnen eine Online-Abfrage der Daten erlaubt und als Programmgenerator Quellcode von Reports erstellt.
DataFlex-Lizenzen sind für jeden Computer, auf dem die Software installiert wird, notwendig. In Netzwerken ist lediglich eine Lizenz pro Server, vorausgesetzt, die Satellitenrechner können DataFlex ohne Server nicht ausführen, notwendig.
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| Einplatzlizenzen | Mehrplatzlizenzen | |||
| Klasse 1 | Klasse 2 | Klasse 3, 5 | Klasse 4 | |
| Entwicklung | DM 1.584,60 | DM 2.268,60 | DM 4.060,68 | DM 4.288,68 |
| Runtime | DM 564,30 | DM 649,80 | DM 974,70 | DM 1.039,68 |
| Demolizenz | DM 324,90 | nicht lieferbar | DM 324,90 | DM 324,90 |
| C-Source & Library | DM 4.873,50 | DM 4.873,50 | DM 4.873,50 | DM 4.873,50 |
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Von dem Produkt "C-Source & Library" für fast 5.000 DM hatten wir nicht eine einzige Version verkauft.
Die unterstützten Systeme lasen sich so :
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- IBM PC-DOS 2.x, 3.x und MS-DOS 2.x, 3.x
- CP/M-86
- 3COM 3+ 1.1
- Alloy PC-PLUS NTNX 1.64
- AT&T STARLAN 1.1
- Banyan VINES/286 2.10
- DNA Networks
- DCA 10 NET 3.2
- IBM PC LAN 1.12
- IBM Token-Ring,
- Novell NetWare bis Version 4.61
- MultiLink Advanced 5.0 (Software Link)
- TeleVideo Infoshare 1.1
- Univation LifeNet 2.50 = baugleich mit LifeLan90
- Western Digital ViaNet 3.06.14
- OS/2 1.0
- Univation LifeNet 2.50 + Database Server
- Concurrent CP/M-86
- Concurrent DOS 3.2
- TurboDOS 1.4x
... und andere
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Dazu kamen die kleinen Unixe unter 286 UNIX/XENIX:
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- Altos 886 XENIX 3.2F
- AT&T 6300 PLUS
- CUBIX 286
- IBM AT XENIX 1.0
- IBM AT XENIX 2.0
- Microport System V/AT
- Microsoft XENIX 3.x
- Microsoft XENIX 5.x
- SCO XENIX System V 286
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Fragen Sie uns nach weiteren verfugbaren Systemen !
(Anmerkung : Danach kamen keine weiteren Portierungen mehr, der gesamte Markt war am Schrumpfen und Xenix war alsbald tot.
Hier der größte Flop :
Alle genannten Preise verstehen sich inklusive 14% Mehrwertsteuer zuzüglich Fracht und Verpackung. Bisherige Preislisten verlieren damit ihre Gültigkeit.
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Die Unix-Systeme - Seite 2
DATAFLEX 2.3b Preisliste 01.05.89
Eine DataFlex Entwicklungslizenz aus diesen Klassen schließt eine Runtime-Lizenz für 4 Benutzer und alle Programm-Module, die zur Erstellung und Ausführung von Anwendungsprogrammen notwendig sind, ein.
Eine DataFlex Runtime-Lizenz aus diesen Klassen schließt die Programm-Module, die zur Ausführung eines Programms notwendig sind, ein. (Sonst Text wie oben) Eine Basis-Runtime -Lizenz aus diesen Klassen ist die erste Lizenz für 4 Benutzer. DataFlex-Lizenzen sind für jeden Computer, auf dem die Software installiert wird, notwendig.
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UNIX XENIX und VAX Lizenzen
| Klasse 15 | Klasse 20 | Klasse 30 | Klasse 40 | Klasse 50 | |
| Entwicklung | 4.548,60 | 5.848,20 | 9.080,10 | 21.118,50 | 97.470,00 |
| Benutzer in Basis-Runtime | 4 | 4 | 4 | 4 | 32 |
| Basis-Runtime | 1.559.52 | 1.949,40 | 2.924,10 | 4873,50 | 64.980,00 |
| Entwicklungs-Programme | 3.119,04 | 3.898,80 | 5.848,20 | 16.245,00 | 32.490,00 |
| Je 4 Benutzer | 1.299,60 | 1.624,50 | 2.274,30 | 3.898,80 | 6.498,00 |
| Unlimitierte Runtime | 19.494,00 | 24.367,50 | 45.486,00 | 97.470,00 | 324.900,00 |
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Auch hier der Flop mit der Mwst. :
Alle genannten Preise verstehen sich in Deutsche Mark inklusive 14% Mehrwertsteuer zuzüglich Fracht und Verpackung. Bisherige Preislisten verlieren hiermit ihre Gültigkeit. Änderungen jederzeit vorbehalten.
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Die damaligen "großen" Computer - nach Klassen aufgeteilt :
Klasse 15:
SCO XENIX Systeme V 386 - eine damals ganz neue CPU
Klasse 20:
AT&T UNIX System V.3/386
Convergent Technologies Server PC CTIX/386
CUBIX 386
INTERACTIVE Systems UNIX V.3 386/ix
MICROPORT System V/386
Prime EXL
UNISYS 6000/50
Microvax I
Microvax II
Microvax 2000
IBM AIX PS/2 (3.5" Disketten)
Klasse 30:
Arix - OS System V
AT&T 3B2, 3B15, 3B4000
British Telecom Fulcrum
Convergent Technologies S/MT
Honeywell XPS-100
IBM AIX RT
ICL CLAN 4, 5, 6, 7
NCR Tower 32 (68020)
SIEMENS MX300/500
UNISYS 5000/30-55, 5000/85, 5000/90, 5000/95
VAX Serie 3xxx, 7xx, 82xx, 83xx
Klasse 40:
Hewlett Packard 9000/800
PYRAMID 9805/10/15/25 (vorab registriert)
VAX Serie 62xx, 85xx, 86xx, 87xx, 88xx
Klasse 50:
PYRAMID 9835/45/MIServer (vorab registriert)
VAX Serie 897x
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Heute ist keines dieser Computersysteme noch in Betrieb außer in wenigen weltweiten Computer-Museen.
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Es wurden natürlich (in den USA) noch weitere Fehler gemacht :
Nachdem der Name bzw. die Produktbezeichnung DATAFLEX weltweit einmalig war und auch nirgendwo angeeckt hatte (wie zum Beispiel "Sensible Solution" = in Frankreich ein Präservativ), hätte man diesen Weg weiter verfolgen müssen.
Auch waren diese Regenbogenfarben im Logo extrem aufmerksamkeitsheischend und überall herausragend sichtbar. Wer immer dieses neue Logo entwickelt hatte, es war nichtssagend blaß und ohne Dynamik, ein ganz normales aussageloses Allerweltsprodukt und vor allem mit "Vielem" auf dem Software-Markt vergleichbar.
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Denken Sie bei uns an die Papiertaschentücher "TEMPO" (Gib mir mal ein "Tempo" ...) oder "den Kärcher" (Hast Du einen Kärcher ?), der aber von Aldi oder Lidl aus China kommt.
Es gibt da noch mehr über 60 Jahre alte Beispiele außer "A SONY is a SONY" und "Persil wäscht weißer als weiß".
Der weiße Messestand ab 1989 war zwar klinisch rein, aber wir verkauften keine Arzt Software oder Reinigungsmittel. Googeln Sie heute mal nach Data Access in Miami oder nach DATAFLEX. Es wird sehr dünn mit den Antworten.
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In weiser Voraussicht hatten wir bei RDE vorgebaut .....
..... und hatten 2 ganz spezielle Programmsysteme (auf der Basis von DATAFLEX) erstellt, die wir auch gut verkauft hatten. Laut damaligem Nixdorf Marketing-Leiter waren wir damit in diesen beiden Marktlücken ganz ganz oben angekommen.
Das Wissen um den optimalen Umgang mit den genialen DATAFLEX 2.3b Befehlen hatten wir bereits vorher in unser DATAFLEX-Handbuch eingebracht, und zwar für alle anderen Programmierer. Das zahlte sich aus, über Jahre.
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Ein weiteres wirklich gutes Netzwerk-Server- Produkt war Lifenet (bei uns namensrechtlichen Gründen als LifeLan 90 angeboten), mit dem wir aber gegen das Netware 4.0 Serversystem vom damaligen Riesen Novell nicht ankommen konnten.
Es sei denn, wie benutzten die Dataflex Portierung für diese Lifelan Server-Engine. Dann konnten wir alle anderen Lan-Server- Wettbewerber locker vor uns her treiben - bezüglich der Abfrage- und Speicher-Geschwindigeit. Da war die Server basierte Datenbank-Engine unschlagbar.
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Dort finden Sie nach der Tafel 6 meine wichtigsten Aussagen :


























