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DIe Zeiten ändern sich und Corona hat vieles beschleunigt

von Gert Redlich im Juni 2026 - In den fünf Jahren nach der Corona Epedemie hat sich - nicht nur bei uns in Deutschland - vieles geändert. Ab dem Februar 2020 sind so gut wie alle größeren öffentlichen Veranstaltungen regelrecht "gestorben". Viele Hifi-Studios und Hifi-und Fernseh-Läden mußten den Betrieb sehr stark einschränken, die Autohäuser haben große Probleme bekommen und die Museen waren über Monate hinweg geschlossen und leer.

Und jetzt in 2026 kommt immer mehr von der "Wahrheit" ans Licht. Autohäuser machen der Reihe nach dicht, Hifi-Studios mit und ohne Fernsehangebot schließen oder werden übernommen, Vertriebsabteilungen werden extrem ausgedünnt - weil es fast nichts zu verkaufen gibt und bei den Radio- bzw. Rundfunk-Museen lichten sich die Reihen.

Bei den kleineren privaten Museen ist es aber nicht die Marksättigung oder die Konkurrenz aus China oder das geänderte Kaufverhalten sondern der Weg des Lebens. Viele dieser Museen sind nach dem Beruf von begeisterten Technikern und auch pensionierten Vertriebsleuten aufgebaut worden, dabei aber ignorierend, daß diese Mitmenschen auch mal älter werden. Noch gravierender ist aber, daß die begeisterten Besucher, Sammler und die Gleichgesinnten auch (also fast gleichzeitig) immer weniger werden. Es kommen immer mehr Mosaiksteine zusammen, über das private Hobby "Radio-Museum" oder über das private Museum an sich genauer nachzudenken.
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Meine Erfahrung mit dem Tonbandmuseum

Für mich entstammte die Idee eines realen Mueums aus der Tonband-Welt. Damit bin ich aufgewachsen, von dem ersten mühsam ersparten Grundig TK 320 bis zum damals edlen Revox A77. Ein Tonbandgerät, das war etwas Elitäres, das hatte nicht jeder. Auch in den Vorführäumen der bewunderten kleinen und großen Kinos in Rhein-Main standen nur ganz wenige Bandgeräte und wenn überhaupt waren es alte Grundig Tonbandgeräte für die Pausenmusik.

50 Jahre später, ich hatte inzwischen (seit langem) eine besonders edle ASC 6000 Semiprofi- Bandmaschine, drehte sich der Wind in eine Richtung, von der ich damals vor diesen vielen Jahren nicht zu träumen gewagt hätte. Ich bekam ein ehemals teures Traumgerät - und zwar eines nach dem anderen - gespendet - geschenkt und sogar bis hierher nach Wiesbaden gebracht.
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Noch vor Corona sammelten sich die Grundig TK320 und TM320 zusammen mit über 10 UHER Royals und auch bald 10 Revox A77 hier an. Auch der Übertraum, das seltene SABA 600 SH war 2 Male dabei. Von den UHER REPORT 4000 stapelten sich an die 30 Stück in sehr unterschiedlichen Zuständen. Von dem letzten aber bereits erfolglosen Grundig TS1000 waren es dann auch 8 Stück. Ich lernte damals, Du darfst nicht NEIN sagen.

Noch bedeutender oder gewichtiger waren die ebenfalls nicht seltenen Angebote an beinahe neuwertigen ehemals sehr teuren Fernsehgeräten für unser Fernsehmuseum. Es gab damals edelste Teile mit 4 Bildröhren, davon eine große in Farbe. Der Preis (und beinahe auch das Gewicht) entsprach dem eines VW 1300. Damals habe ich am Telefon öfter die Tränen in den Augen der Anrufenden gespürt / gesehen, als ich das honorige Geschenk leider ablehnen mußte.

Denn die Kernfrage kam mit dem Nachdenken in der Corona Zeit :
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Die Kernfrage : Wem wollen "wir" das zeigen ?

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Wen interessieren 120 oder noch mehr Kofferradios wirklich ?
Die Haarpracht zeigt das Alter
der Seniorenteff
das war in 2010

Viele der alten Herren erzählten mir die Geschichten, unter welchen Umständen sie sich das Gerät in den 1950er Jahren erpart hatten und wie schwer es damals war, vor 60 oder 70 Jahren, das den Eltern oder gar der Ehefrau nahezubringen. Die weiblichen Anrufenden, meist die Witwen, erzählten mir ebensolche Geschichten von dem ersten Tonbandgerät und den ersten Kindern usw. . Selbst die Erben, die die Wohnung der Eltern ausräumen "durften", hatten Geschichten auf Lager, die viele Seiten füllen würden.

Kann man das in einem realen Musuem überhaupt darstellen ? Würde das irgend jemanden interessieren ? Hat ein Besucher überhaupt so viel Muße und Zeit, sich das anzuhören oder anzulesen ? Was macht er mit den vielen Informationen, außer sie mit seiner Erinnerung zu vergleichen ?
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Bleiben wir bei der Kernfrage : Wer kommt denn als Besucher für ein Radio-Museum überhaupt noch Infrage ? Auf den letzten beiden der von mir besuchten Jahrestreffen der Radiosammler (der Verein heißt GFGF) war ich mit damals 55 Jahren einer der jüngsten Teilnehmer. "Sie" waren damals alle begeistert - aber "Sie" sind heute alle nicht mehr da !
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Und so schließt ein Museum nach dem anderen die Pforten

Im Frühjahr 2026 hatte ich geplant, die verbliebenen Museen nochmals zu besuchen, um für sie ein wenig Werbung zu machen, natürlich gratis. Die Zugriffs- und Besuchszahlen meiner virtuellen Museen übertreffen selbst die kumulierten realen Besucherzahlen dieser kleinen Museen bei weitem.

In den letzten Jahren vor Corona hatte ich das Rundfunkmuseum Bremen besucht. Einer der Macher Herr Bultmann hatte damals die alten Kollegen von Radio Bremen (Abt. Fernsehen) eingeladen. Einige konnten zu jedem Radio und jeder Musiktruhe eine Geschiche erzählen, jedenfalls damals. Die jüngeren jetzigen Macher setzen andere Schwerpunkte z.B. beim See-Funk oder SAT Fernsehen. Bei meinem Besuch im sogenannten "Verstärkeramt" in Rheda-Wiedenbrück hatte ich auch ganz viele ältere Herren mit ihren Damen kennengelernt, die heute alle nicht mehr dabei sind.

Die Kleinstmuseen in Linsengericht, Lindenfels und Pfungstadt usw. kennen sowieso nur noch Eingeweihte wenn überhaupt. Auf dem Weg in den Ruhrpott wollte ich auch das Radiomuseum Bocket von Hans Stellmacher besuchen. Doch auf der Webseite lese ich bei den Öffnungszeiten : Aus gesundheitlichen Gründen ist das Radiomuseum Bocket ab sofort dauerhaft geschlossen. Das ist sehr schade, denn auch dort steckte ganz viel Herzblut in den Jahrzehnten des Aufbaus. Herr Stellmacher erkennt ganz realistisch - mit 80 hat alles bald ein Ende.
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Über Wochen kam keiner mehr - nur noch die Macher selbst und ihr "Dunstkreis". Auch im Bayerischen hatte ich mehrere kleine Museen besucht und festgestellt, die dortigen Macher waren alle deutlich über 70 und man sah es ihnen an, daß schon länger ein Besucherschwund ungeahnten Ausmaßes eingetreten war.
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Als wir damals in Wolfenbüttel das KUBA Museum besucht hatten, in 2013, kam der Kopf des Museums (der Museumsbetreuers) schon mit dem Elektro-Rollstuhl angefahren. Öffnung nur noch auf telefonischen Zuruf - damals schon.
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Ähnliches im Hifi-Bereich - die Wiesbadener "Hifi-Profis"

Das Stammhaus der "Hifi-Profis" wurde vor ganz vielen Jahren von Michael Gießen gegründet und ich half dort manchen Nachmittag als Hifi Berater aus. Wir verstanden uns gut, es hatte auch Spaß gemacht und von der Materie konnte mir niemand etwas vormachen. Auch vom Kaufmännischen war ich bereits gut geschult, sodaß ich ihm von der geplanten Filiale in Mainz abriet. Jahre vorher war das weit und breit bekannte Bieberhaus aus Fankfurt in Mainz und dann insgesamt gescheitert. Doch es mußte sein. Später wurde das Geschäft von einem neuen Inhaber übernommen und das neue Haupthaus Frankfurt kam hinzu und auch in Mannheim waren die Hifi-Profis präsent. In den Wiesbadener Schaufenstern standen bald nur noch edle teure und große Flachbild-Fernseher. Es hatte aber nicht mehr gereicht. In der Liste der Hifi-Studio- Konkurse hatte ich es dann gelesen - das Ende.

Inzwischen berichten die Online-Fach-Blätter von weiteren heftigen Veränderungen in der gesamten Hifi-Branche. Das Aus von alteingesessenen Radio-Geschäften wird schon gar nicht mehr gemeldet bzw. kommentiert.
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Die Älteren unter Ihnen erinnern sich bestimmt

Bei uns in Wiesbaden wie auch bei den allermeisten Großstädtern gabe es Fahrschulen ohne Ende. Heute kann man die an einer Hand abzählen. Oder noch prägnanter war bei uns die Anzahl der "Foto-Häuser" oder "Foto-Händler". Schaun Sie mal, welche Fotohändler es bei Ihnen im Umfeld von 100km noch gibt. Die Zeiten haben sich gravierend geändert.
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