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Eine musikalische geschichtliche Technik- und Gesellschafts- Historie aus 1960 in 3 Teilen - Hier von "1935-1948" (Polydor)

jeweils 12 Singles pro Kassette

November 2009 - Eigentlich hätten 1960 die 45er Schall- platten bereits eine gute Qualität haben müssen. Dem ist leider nicht so. Manche dieser Scheiben klingen einfach nur grausam. Damit hat sich weder Polydor noch Bertelsmann irgend einen Dienst erwiesen, im Gegenteil. Es riecht nach simpler primitiver Geldmache ähnlich den ehemals allbekannten Billig-Labels a la Keytel, Arcade und Europa (-Gurken-) Platten.

Also werfen wir einen Blick auf und in die drei großen langen Kassette von 1960, in der jeweils 12 Stück 45er Singel-Schallplatten als sogenannte kleine Langspielplatten enthalten waren. Was diese Schallplattenring Edition für uns hier so wertig macht, hinten auf der Rückseite war jeweils ein Stückchen Zeitgeschichte aufgedruckt.
Sicherlich irgendwie auch leicht politisch (60er Jahre) gefärbt, aber immerhin chronologisch mit interessanten Informationen aus der U-Musik Branche.
Dort finden Sie Zeitmarken und Informationen zu der Entwicklung der Schallplatte, des Radios, des Fernsehens und des Kinos und zu den damals bekanntesten Interpreten.

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Nr 1 - Dieser Teil 2 (von 3) beginnt 1935 . . . .

  • 1935 Regentropfen (Palm/Hochleitner) Trio Moderno - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 1935 Schön ist die Liebe im Hafen (Bazant/Schachner) Ein Seemannschor - Das Orchester der T. S. „Bremen" Leitung: Hermann Rohrbeck
  • 1935 Du kannst nicht treu sein (Otten/Ebener) Die Dominos - Egon Kaiser und sein Orchester
  • 1935 Wie ein Wunder kam die Liebe über Nacht (Doelle/Balz) - Ina Brosow und Kurt Equiluz, Gesang - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester


1935 war der Tiefpunkt des Schallplattenumsatzes erreicht. Bei Autounfällen wurden erstmalig Blutproben gemacht. Die blauen Postbriefkästen wurden rot angestrichen. Die Hakenkreuzflagge wurde zur alleinigen Reichsfahne erklärt. Thomas Mann veröffentlichte seine Tagebuchblätter „Leiden an Deutschland". Den Friedensnobelpreis sollte Carl von Ossietzky erhalten. Persien legte sich den Namen Iran zu. Zur Umbenennung der Perserteppiche in Iraner konnte man sich jedoch nicht entschließen.

In den USA wurden alle Kinotheater auf Tonfilm umgestellt, das Gallup-Institut zur Erforschung der öffentlichen Meinung wurde gegründet. Internationale Bridgeregeln wurden geschaffen und förderten die Verbreitung dieses Kartenspiels.

Das Arbeitsbuch wurde in Deutschland durch Gesetz eingeführt. In Moskau wurde die erste Linie der Untergrundbahn eröffnet. Griechenland nahm den Namen „Hellas" an und rief seinen König zurück. Die Rumba wurde der Modetanz des Jahres; die Damen trugen wieder längere Haare, der letzte Schrei war die Rolle. In Deutschland wurde die allgemeine Wehrpflicht eingeführt. Walter Kollo schrieb seine Operette „Berlin, wie es weint und lacht", Richard Strauß seine Oper „Die schweigsame Frau". In Köln entstand der Karnevalsschlager „Du kannst nicht treu sein", der im Jahre 1948 dann von Amerika zurückkam als „You can't be true dear".

Nr 2 - 1936

  • 1936 Sag beim Abschied leise Servus (Kreuder nach Jon. Strauß/Hilm) Horst Winter, Gesang - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 1936 Du sollst mein Glücksstern sein (Brown/Amberg) Margot Friedländer, Gesang - Simon Krapp und sein Orchester
  • 1937 Ich tanze mit dir in den Himmel hinein (Schröder/Beckmann) Ina Brosow und Kurt Equiluz, Gesang - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 1937 Yes, Sir (Benatzky) Zarah Leander, Gesang - Das FFB-Orchester - Leitung: Arne Hülphers


Fotos: Ullstein

  • Bild Vorderseite: Gruß aus ..Olympia-Berlin" 1936.
  • Bild   unten:   Der „Kampf des  Jahrhunderts":  Am 19.6.1936 schlägt Max Schmeling in New York Joe Louis, den „Braunen Bomber", in der 12. Rund« k. o. (links Szene aus der U. Runde).


1936 wurde in Australien die erste Flugzeugfabrik gebaut. In Moskau fuhr der erste Oberleitungsomnibus. Die BBC eröffnete offiziell ihr Fernsehprogramm. Die Deutsche Lufthansa machte ihre ersten planmäßigen Versuchsflüge über dem Nordatlantik. Schmeling schlug Joe Louis k.o. „Vom Winde verweht" - Margaret Mitchells Buch - erschien und wurde mit einer Million Exemplare der Buch-Bestseller des Jahres. Charly Chaplins Film „Moderne Zeiten" erschien.

Unter den fünf Olympischen Ringen trafen sich die Völker der Welt in Berlin zur Olympiade. Deutschland erhielt 42 Goldmedaillen. Werner Egk schrieb die Olympische Festmusik, Friedrich Bischoff das vielgelesene Buch „Die goldenen Schlösser". Der Deutsche Künstlerbund wurde verboten. Thomas Mann wurde ausgebürgert und emigrierte in die USA. Der Schlager des Jahres wurde von Hans Moser gesungen und stammte aus dem Wiener Film „Burgtheater": „Sag beim Abschied leise Servus!"

1937 ging es mit dem Schallplattengeschäft wieder aufwärts. Zarah-Leander- Platten hatten damals einen Wochenumsatz von 3.500 Stück. Der Volksmund nannte die wuchtige rothaarige Schwedin „nordische Baß-Amsel". „Gefiederte Meistersänger" hieß ein Lehrbuch mit Schallplatten von Heinroth und Koch, das viele Käufer fand. Der Preisstopp wurde eingeführt.

Nr 3 - 1937

  • 1937 O mia bella Napoli (Winkler/Siegel) Trio Sorrento - Gerhard Winkler und sein Orchester
  • 1937 Fahr mich in die Ferne, mein blonder Matrose (Pfeil) Die Dominos - Egon Kaiser und sein Orchester
  • 1938 Spatzenkonzert (Börschel/Igelhoff) Bruno Saenger und sein Orchester
  • 1938 Donkey-Serenade (Friemel/Forest) Tommy Voss und sein Orchester

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  • Bild Vorderseite:  LZ 129 ..Hindenburg"  auf seiner Deutschlandfahrt 1937. Das Luftschiff wurde  im  gleichen Jahr  in  Lakehurst durch Feuer zerstört.
  • Bild links:  Heinz Rühmann  und Theo Lingen im Film „Der Mann, von dem man spricht".
  • Bild unten: Berlin: „Das größte Scala-Jahr beginnt!"

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1937 wurde auf der Insel Java ein Affenmenschenschädel mit 800 ccm Schädelinhalt gefunden. Ricardo Huch schrieb das historische Werk „Das Zeitalter der Glaubensspaltung". 2,4 Millionen Ausländer besuchten in diesem Jahr Deutschland. Damit hatte der deutsche Fremdenverkehr im Jahre 1937 mit 104,5 Millionen Übernachtungen seinen Höhepunkt erreicht. „Narrenspiegel der Statistik" hieß ein Buch von Ernst Wagemann. Die Stadt Berlin feierte ihren siebenhundert-jährigen Geburtstag.

Die ersten Luftpostbriefe von Berlin nach Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, wurden befördert. In Berlin gab es einen Fernsehsender mit einem regelmäßigen Studioprogramm. Gustaf Gründgens wurde Intendant der preußischen Staatstheater. Auf der Wasserkuppe fand der erste internationale Rhön-Segelflug-Wettbewerb statt. Rudolf Caracciola fuhr auf dem Nürburgring einen Stundendurchschnitt von 133,2 Kilometer. Beim Fußballspiel England gegen Schottland zählte man 149547 Zuschauer. Das war seit 1872 die größte Zuschauermenge, die es je bei diesem Fußballspiel, das alljährlich stattfindet, gegeben hat.

1938 fand in Paris die Weltausstellung statt. Die Eigernordwand wurde zum erstenmal bestiegen. Der deutsche Kleinempfänger (Anmerkung: Volksempfänger) wurde geschaffen und zum Preis von 35 Reichsmark verkauft. G. B. Shaw erlaubte zum erstenmal die Verfilmung eines seiner Theaterstücke und arbeitete selbst am Drehbuch von „Pygmalion" mit.

Nr 4 - 1938

  • 1938 Kornblumenblau (Jussenhoven/Schlösser) Die Dominos - Egon Kaiser und sein Orchester
  • 1938 Kann denn Liebe Sünde sein (Brühne/Balz) Zarah Leander, Gesang - Das FFB-Orchester, Ltg.: Friedrich Schröder
  • 1938 Roter Mohn (Jary/Balz) Bruno Saenger und sein Orchester
  • 1938 Der Wind hat mir ein Lied erzählt (Brühne/Balz) - Zarah Leander, Gesang - Das FFB-Orchester, Ltg.: Lothar Brühne

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  • Bild Vorderseite: Zarah Leander und Willy Birgel in dem Ufa-Tonfilm ,,Der
  • Blaufuchs".
  • Bild unten: Ida Wüst und Hans Moser in dem Film ,,Kleines Bezirksgericht".
  • Bild  rechts:   Die ,,Eisprinzessin" nannte man (..Häseken") Sonja Henie in
  • aller Welt.

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1938 spielte Ingrid Bergman ihre erste deutsche Filmrolle in dem Carl-Froehlich-Film „Die vier Gesellen". Orson Welles' Hörspielsendung über eine Invasion der Marsbewohner auf die Erde rief in Amerika eine Massenpanik hervor. Otto Hahn entdeckte die Spaltbarkeit des Urankerns durch Neutronen. Die Meinungen der SchallplattenKäufer waren gespalten: chilenische Nachtigall oder nordische Baß-Amsel war die Devise. Für beide Damen komponierte Michael Jary einige der erfolgreichsten Schlager. Das Rennen um die Publikumsgunst gewann Rosita Serrano mit dem Schlager „Roter Mohn" mit wenigen Längen vor Zarah Leander, die die deutsche Kinoleinwand  beherrschte.

Nr 5 - 1938

  • 1938 "Eine Insel, aus Träumen geboren" (Kreuder/Schröder/Beckmann) Horst Winter, Gesang - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 1938 "Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen" (Schröder/Beckmann) - Andreas Werner, Gesang - Friedrich Schröder und sein Orchester
  • 1938 "Das Fräulein Gerda" (Wernicke/Walter) Rudolf Scherfling, Gesang - Simon Krapp und sein Orchester
  • 1939 "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern" (Jary/Balz) Ein Seemannschor - Das Orchester der T. S. „Bremen" - Leitung: Hermann Rohrbeck

  • Bild Vorderseite: Autotypen der 30er Jahre.
  • Unten: Lilian Harvey und Willy Fritsch in dem Ufa-Tonfilm ,,Sieben Ohrfeigen". „Was hat er gesagt? Wir könnten keinen Seemann nicht erschültern? Der weiß auch nicht, was für'n Sex-Appeal bei uns unter der schlichten Matrosenbluse schlägt" (aus: Simpli-cissimus 1940).

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1938 schrieb Thomas Mann seine Aufsätze „Achtung! Europa!" und „Der kommende Sieg der Demokratie". Österreich wurde „heim ins Reich geholt". Der Film „Tanz auf dem Vulkan" wurde uraufgeführt; die Hauptrolle spielte Gustaf Gründgens, der mit dem Filmschlager „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" zum erstenmal eine Schlagerplatte besang. In München trafen sich der britische Ministerpräsident Chamberlain, der französische Ministerpräsident Daladier, Mussolini und Hitler zu einem Abkommen über die friedliche Regelung aller politischen europäischen Probleme. Die Oper „Der Friedenstag" von Richard Strauß wurde uraufgeführt. Hans Schweikert schrieb das aktuelle Lustspiel „Lauter Lügen".

1939
wurde die Tschechoslowakei „zu ihrem eigenen Schutz" unter deutsche Oberhoheit gestellt und als Protektorat Böhmen und Mähren in den Schutz und die Grenzen des Reiches geführt - so konnte man es am 15. März 1939 im „Völkischen Beobachter" lesen. Eine Woche später wurde das Memel-Land „heim geholt"! Dem Rundfunk wurde die Bezeichnung „Groß-Deutscher Rundfunk" verliehen. Gustaf Gründgens inszenierte den Film „Der Schritt vom Wege". Die Sowjetunion und Deutschland schlossen einen Nichtangriffspakt ab. In Amerika erschien der Roman von William Saroan „Der Friede ist wundervoll".

Nr 6 - 1939

  • 1939 Bei Ami (Mackeben/Beckmann) Horst Winter, Gesang - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 1939 Komm zurück (Olivieri/Siegel) Horst Winter, Gesang - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 1939 Rosamunde (Vejevoda) Die fröhlichen Polka-Musikanten - Leitung: Omar Lamparter
  • 1939 Ich brauche keine Millionen (Kreuder/Beckmann) Trio Sorrento - Tommy Voss und sein Orchester

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  • Bild Vorderseite: Pfingsten 1939 . . .
  • Bild links: Ein Schlager wird geboren: Ich  brauche keine Millionen. Marika Rökk in dem Film ,,Hallo, Janine".
  • Bild  unten: Willy Forst, Schauspieler und  Regisseur, mit Olga Tschechowa und Hilde Hildebrand in seinem Film „Bei Ami".

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1939 wurde die Fluglinie Berlin-Bangkok eröffnet. Für die 10500 Kilometer lange Strecke benötigte man damals 5 Tage. Die Flugzeit von New York nach San Franzisko betrug 20 Stunden und von Berlin nach London 4 Stunden. Den Weltrekord für Motorflugzeuge stellte eine ME-109 mit 755 Stundenkilometern auf.

In New York wurde eine Weltausstellung eröffnet. In Hollywood wurde der Roman „Vom Winde verweht", mit Vivien Leigh und Clark Gable in den Hauptrollen, mit einem Kostenaufwand von 3,9 Millionen US Dollar verfilmt. In Deutschland gab es 2 Millionen Briefmarkensammler, rund 350 Theater, 3.065 Kilometer Autobahn und 18.257 Zeitungen und Zeitschriften in einer Gesamtauflage von 89 Millionen Exemplaren. Willi Forst inszenierte in eigener Produktion die satirische Filmkomödie „Bei Ami" nach Guy de Maupassant, spielte die Hauptrolle und sang den Titelschlager von Theo Mackeben. „Der Tag endet" - dieser Film von Duvivier stand damals auf dem Spielplan vieler deutscher Kinos. Es war einer der letzten Filme aus dem Ausland, den man in einem deut-schen Kino sehen konnte.

Am 1. September 1939 marschierten deutsche Truppen in Polen ein, der erste Bericht des Oberkommandos der Wehrmacht erschien. Der zweite Weltkrieg hatte begonnen.

Nr 7 - 1940

  • 1940 Im Leben geht alles vorüber (Kreuder/Schaeffers) Heinz Maria Lins, Gesang Tommy Voss und sein Orchester
  • 1940 Schenk mir dein Lächeln, Maria (Denneke) - Bruno Saenger und sein Orchester
  • 1940 Lili Marien (Schultze/Leip) Ilse Hass, Gesang - Simon Krapp und sein Orchester
  • 1940 Hörst du mein heimliches Rufen (Plato/Stöcklein) Heinz Maria Lins, Gesang - Tommy Voss und sein Orchester


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  • Bild Vorderseite: Hans Moser und Paul Hörbiger in „Wiener Geschichten".
  • Bild links: Mode 1940- Frauen in Hosen.
  • Oben: OlgaTschechowa u. Karl Ludwig Diehl in ,,Der Fuchs von Glenarvon".
  • Bild unten: Charlie Chaplin in „Der große Diktator".

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1940 erschienen die ersten Nylonstrümpfe. Amerika ersetzte das 441-Zeilenbild im Fernsehen durch das 521-Zeilenbild. Das Buch „Wie finanziert man den Krieg?" fand viele Leser. Das Wunschkonzert für die Wehrmacht des Groß-Deutschen Rundfunks hatte viele Hörer.

Zum erstenmal erklang das Lied vom einsamen Wachtposten „Lili Marien" und hatte auch bei den englischen Soldaten einen großen Erfolg. Der Treffpunkt aller Exilregierungen war London. Das Abhören der BBC in Deutschland war verboten. Charly Chaplins Hitler-Persiflage „Der Diktator" erlebte ihre Premiere. Peter Kreuder schrieb den trostreichen Schlager „Im Leben geht alles vorüber"!

Nr 8 - 1941

  • 1941 Ihr erstes Rendezvous (Le Premier Rendez-vous) (Sylviano/Potera) - Bruno Saenger und sein Orchester
  • 1941 Unter der roten Laterne von St. Pauli (Siegel/Schaeffers/Schwenn)  Andreas Werner, Gesang Simon Krapp und sein Orchester
  • 1941 Sing, Nachtigall, sing (Jary/Balz) Margot Friedländer, Gesang - Simon Krapp und sein Orchester
  • 1941 So sind wir (Vossen) Die fröhlichen Polka-Musikanten - Leitung: Omar Lamparter


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  • Bild Vorderseite: Ilse Werner und Carl Raddatz in dem Ufa-Film  ,Wunsch-konzert".
  • Bild rechts: Marika Rökk mit Willy Fritsch in dem  Ufa-Farbfilm „Frauen sind doch bessere Diplomaten".
  • Bild unten: Anzeige aus ,,Simplicissimus" 1940.

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1941 war die Produktion deutscher Spielfilme auf 67 Streifen abgesunken. Ein Filmkritiker schrieb damals: „Der Dokumentarfilm sollte der Lehrmeister unserer Spielfllmproduktion sein. Der deutsche Spielfilm sollte überdies seine Anregungen aus der deutschen Wochenschau beziehen, die sich von der Aktualitätenschau zu einem echten Zeitdokument entwickelt hat. Die Bildfolge mit Tendenz sollte das Ziel sein." Die Filme „Bismarck" und „Ohm Krüger" wurden in Berlin uraufgeführt. In München fand eine Festwoche für den deutschen Kulturfilm statt.

Die Lebensmittelrationen wurden gekürzt. „Vitamine und Hormone" war der Titel einer neuen Zeitschrift für Wirkstoff-Forschung. Ein Aufruf zum „eisernen Sparen" erschien. Das „Winterhilfswerk" nahm den Charakter einer Sondersteuer an, es erbrachte weit über 900 Millionen Reichsmark.

Die Ufa stellte den ersten deutschen farbigen Spielfilm her, mit Marika Rökk und Willy Fritsch in den Hauptrollen: „Frauen sind doch bessere Diplomaten". Botschafter von Papen schloß einen deutsch-türkischen Freundschaftsvertrag auf 10 Jahre ab. In Deutschland wurde zum erstenmal die Perlon-Kunstseide hergestellt. Roosevelt und Churchill verkündeten die Atlantik-Charta: „Freiheit der Meinung, Freiheit der Religion, Freiheit von Not und Furcht". Soldatenlieder wurden immer populärer. Am populärsten, jedoch nur unter der Hand, war das Lied „Wir hängen unsere Wäsche an der Siegfriedlinie auf!" Dieses Lied war so populär, daß im deutschen Volkskonzert davon sogar eine Parodie gesendet wurde.

Nr 9 - 1942

  • 1941 Man müßte Klavier spielen können (Schröder/Beckmann) Rudolf Scherfling, Gesang - Friedrich Schröder und sein Orchester
  • 1942 Es geht alles vorüber (Raymond/Wallner/Feltz) Rudolf Scherfling, Gesang - Trio Sorrento - Simon Krapp und sein Orchester
  • 1942 Chianti-Lied (Winkler/Siegel) Heinz Maria Lins, Gesang - Gerhard Winkler und sein Orchester
  • 1942 Heimat, deine Sterne (Bochmann/Knauf) Bruno Saenger und sein Orchester

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  • Bild Vorderseite: Aus deutschen Zeitungen 1941/43.
  • Bild links: Kristina Söderbaum und Carl Raddatz in dem Film ,,Immensee".
  • Bild unten: Entsinnen Sie sich noch . . . ?

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1941 wurden in der Ufa-Filmstadt Babelsberg bei Berlin zwei neue Ateliers in Betrieb genommen. Dem Propaganda-Ministerium war es noch nicht gelungen, alle Filme „weltanschaulich auszurichten". Der Grund dafür waren kommerzielle Erwägungen. Die Leute gingen lieber in Filme wie ,,Oh, diese Männer" - oder „Immer nur du". Die Kassenbilanzen der Tendenzfilme waren schlecht. Der Filmschlager des Jahres trug den Titel „Man müßte Klavier spielen können" und wurde von Johannes Heesters gesungen.

1942 wurde auf Fernando Poo ein weißgliedriger Satansaffe entdeckt. Die Feuergeschwindigkeit des Maschinengewehrs wurde auf 1000 Schuß pro Minute gesteigert. Die Flakgeschütze gewannen große Bedeutung für den direkten Panzerbeschuß. Die Frauen trugen sportliche Kleidung mit kurzen Röcken. Die Frisuren waren hoch gekämmt und trugen den Namen „Entwarnungsfrisuren". Das Mieterschutzgesetz wurde in Deutschland eingeführt.

Junkers und BMW entwickelten Turbinen-Strahltriebwerke für Jagdflugzeuge. Der russische Film „Die deutsche Niederlage vor Moskau" hatte seine Premiere. In Amerika erschien die Filmgroteske von Ernst Lubitsch „Sein oder Nichtsein'. Maria von Schmedes und Wilhelm Strienz gehörten in diesem Jahr zu den beliebtesten Hörerlieblingen. Die Schlager „Heimat, deine Sterne" und „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei" wurden überall gesungen, der letztere zumeist augenzwinkernd!

Nr 10 - 1943

  • 1942 Immer und ewig (Kreuder/Beckmann) Herbert Ernst Groh, Gesang - Ein großes Unterhaltungsorchester - Leitung: Friedrich Schröder
  • 1943 Das Karussell (Jary/Beckmann) Margot Friedländer, Gesang - Simon Krapp und sein Orchester
  • 1943 Ganz leis erklingt Musik (Dörflinger/Wallnau/Feltz) Bernd Golonsky, Gesang - Tommy Voss und sein Orchester
  • 1943 Wir machen Musik (Igelhoff/Steimel/Käutner/Pinelli) Ilse Werner, Gesang - Josef Niessen und sein Orchester

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  • Bild Vorderseite: Hans Albers i.d. Farben-Trickfilm der Ufa,,Münchbausen".
  • Bild   links:   Ilse Werner   und Victor  de Kowa   in   dem  Film  „Wir machen Musik" (19«).
  • Bild unten: Deutsche Wirklichkeit 1943/44 . . .

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1942 betrug das Steueraufkommen in Deutschland 42684 Millionen Reichsmark. Am 2. Dezember 1942 begann das Atomzeitalter, als in Amerika die erste fortlaufende Erzeugung von Atomenergie durch eine Kettenreaktion der Uranspaltung gelang.

Januar 1943 - Anmerkung der Redaktion - Stalingrad ist gefallen, von 250.000 (310.000) Soldaten kommen nach dem Krieg nur 6.000 wieder zurück. Die deutsche Bevölkerung spürt den Wendepunkt des Krieges.

1943 wurde die letzte in Deutschland nicht gleichgeschaltete Zeitung, die „Frankfurter Zeitung", verboten. „Das Ministerium des Schreckens" hieß ein in England vielgelesener Roman. In Amerika wurden die ersten „Liberty-Schiffe" gebaut.

Die Ufa feierte ihr 25jähriges Bestehen. Zum Ufa-Jubiläum wurde der erste Agfa-Color-Film von technischer Bedeutung hergestellt, zu dem Erich Kästner, allerdings unter einem Pseud-onym, das Drehbuch schreiben durfte. Hans Albers spielte den Baron von Münchhausen darin. „Münchhausen" war der unterhaltsamste Film jener Tage. Helmuth Käutner bestand mit dem Film „Romanze in moll" seine erste große Talentprobe, erntete viel Publikumserfolg und zog sich den Zorn des Propaganda-Ministers zu: wegen mangelnder Zeitnähe. Zeitnah und optimistisch sollten auch die deutschen Schlager sein. Den Doppelsinn so mancher Schlager, wie etwa „Es wird einmal ein Wunder geschehn", haben die Zensoren nie verstanden . . . damals.

Nr 11 - 1944

  • 1943 Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn (Jary/Balz) Zarah Leander, Gesang - Das FFB-Orchester, Ltg.: Arne Hülphers
  • 1944 In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine (Grothe/Dehmel) Margot Friedländer, Gesang - Simon Krapp und sein Orchester
  • 1944 Kauf dir einen bunten Luftballon (Profes/Pinelli) Ina Brosow, Gesang - Josef Leo Gruber mit seinem Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 1945 Zum Abschied reich' ich dir die Hände (Bette/Holm) Andreas Werner, Gesang - Simon Krapp und sein Orchester

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  • Bild Vorderseite: Tankstellen-Idyll 1944.
  • Bild unten: Ufa-Star Zarah Leander.
  • Bild rechts: Aus einer Tageszeitung vom 21. Januar 1944.

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1943 wurden die "schlaflosen Nächte" immer zahlreicher. Ca. 10000 veränderliche Sterne waren damals bekannt. Der größte Stern am Filmhimmel war Zarah Leander. Ihr letzter Film in Deutschland hieß „Die große Liebe". Ihr musikalischer Abschiedsgruß von der Leinwand war das Lied „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn ... ich weiß, daß wir uns einmal wiedersehn!"

1944 war der Schlager „In der Nacht ist der Mensch nicht gern alleine", gesungen von Marika Rökk, ungeheuer populär. Helmuth Käutner durfte einen Seemannsfilm mit Hans Albers drehen und hatte mit dem Titel „Große Freiheit" große Schwierigkeiten. Man hatte Angst vor Mißverständnissen. In den deutschen Theatern wurde bei den „Don Carlos"- Aufführungen das Schiller-Wort des Marquis Posa „Geben Sie Gedankenfreiheit" stürmisch beklatscht. Der Friedensnobelpreis wurde 1944 an das internationale Komitee vom Roten Kreuz verliehen. Ernst Jüngers illegale Schrift „Über den Frieden" erschien.

1945 hießen die neutralen Staaten: Afghanistan, Irland, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien. Die finanzielle deutsche Staatsschuld betrug rund 400 Milliarden Reichsmark, der Verlust des Volksvermögens etwa 300 Milliarden Reichsmark. Für Geld konnte man nur noch wenig kaufen. Eine 24zylindrige Rotationspresse druckte 1.200.000 achtseitige Zeitungen in einer Stunde.

Die letzte Stunde des zweiten Weltkrieges ging am 8. Mai um 24.00 Uhr zu Ende. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen aufgeteilt, die deutsche Hauptstadt Berlin in vier Sektoren. In San Franzisko wurden die Vereinigten Nationen (UN) gegründet. In London fand der erste Weltgewerkschaftskongreß statt. Victor Gollancz gründete die Wohltätigkeitsbewegung „Rettet Europa". In Europa gab es 19,75 Millionen Heimatlose.

Nr 12 - 1946

  • 1946 Capri-Fischer (Winkler/Siegel) Bernd Golonsky, Gesang - Gerhard Winkler und sein Orchester
  • 1947 In the mood (Garland) Tommy Voss und sein Orchester
  • 1947 Möwe, du fliegst in die Heimat (Winkler/Schwenn) Das Orchester der T. S. „Bremen" - Leitung: Hermann Rohrbeck
  • 1948 Träume kann man nicht verbieten (Schröder/Schwenn) Irene Ziedek, Gesang - Friedrich Schröder und sein Orchester

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  • Bild Vorderseite: Dieses Geld war endlich wieder Gold wert!
  • Bild   links:   Überall   in   Deutschland, vor dem 20. Juni 1948,  dem Tag der Währungsreform.

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1946 wurde die Zahl der Analphabeten auf 60% der Weltbevölkerung geschätzt. In Amerika fand die erste Vollversammlung der Vereinten Nationen statt. In Deutschland wurden das Entnazifizierungsgesetz und das Urteil im Nürnberger Prozeß verkündet. Der RIAS-Berlin (Rundfunk im amerikanischen Sektor) wurde gegründet.

Die ersten deutschen Nachkriegsfilme erschienen : „Die Mörder sind unter uns" von Wolfgang Staudte und „Irgendwo in Berlin" von Gerhard Lamprecht. Die BBC-London führte das kulturell anspruchsvolle „Dritte Programm" ein. Der Höhenrekord für Flugzeuge stand auf 17000 Meter. In Wolfsburg wurde die Serienproduktion des „Volkswagens" aufgenommen.

1947 sang man in Berlin im Kabarett der Komiker: „Die Frau lebt nicht vom Fett allein, sie braucht auch etwas Duft, ein Hauch Chanel, dann ringt der Mann nach Luft. Die Flasche, die ich kaufen wollt' für einen Jahreslohn, war eine Sensation!" Auf dem schwarzen Markt in Deutschland kosteten ein Ei 12 Reichsmark, 1 Kilo Kaffee 1100 Reichsmark, 20 amerikanische Zigaretten 150 Reichsmark und eine Schachtel Streichhölzer S Reichsmark. Nach einem sehr kalten Winter folgte in Mitteleuropa ein sehr heißer Sommer.

1948 fanden in London wieder Olympische Spiele statt. Deutschland erlebte die Währungsreform. Man unterschied nun Deutsche Mark West von Deutscher Mark Ost. ,,Es ist wie in der guten alten Zeit, nur daß die Zeit nicht so gut ist. Vor lauter Schlag-bäumen, Barrieren und Zonen kennt man sich nimmer aus!" sang man in der Kabarettrevue „Ach, du liebe Zeit!" Der Schlager des Jahres war „Träume kann man nicht verbieten", und jeder träumte so seine eigenen Träume: die Berliner, daß die russische Blockade ein Ende nehmen sollte; die Piloten der amerikanischen „Rosinen-Bomber", daß sie mal Pause machen könnten; die Menschen in Deutschland, daß man mal wieder zu den Verwandten hüben und drüben auf Besuch fahren könnte.



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