Wie kann man die echte Ausgangs-Leistung eines richtig dicken Verstärkers messen ? (nicht den Klang, nur die Leistung !)
Auch hier gibt es wahre Genies, die die Physik auf den Kopf stellen (wollen). Um einen echten High-End Kraftverstärker, also eine dicke Stereo-Endstufe mit mehr als 2 x 150 Watt Sinus, einigermaßen objektiv auszumessen, reicht ein Stück Draht nicht aus.
Die Leistungsmessung ist sowieso relativ, weil man sie allermeist an einem sogenannten ohmschen Widerstand misst. Später hängen aber an diesen Verstärkern Lautsprecher-Boxen dran, die meisten mit induktiver Last - und ab und zu auch ganz spezielle welche mit kapazitiver Last.
Das sind Welten von elektrischen Unterschieden. - Rechts im Bild mein allererster Bolide, ein Crown DC300A mit echten 2 x 190 Watt an 8 Ohm und angeblich 2 x 340 Watt an 4Ohm. Später kam eine ganz rare Orpheus Endstufe (Prototype) von Bothroyd & Stuart mit ähnlichen Daten dazu, alles edel bis zum Geht-nicht-mehr.
Messen sollte man so gut wie möglich.
Als mir der erste Bose 1800 Verstärker mit 2 x 400 Watt an 8 Ohm und 2 x 1000 Watt an 4 Ohm vor den Füßen stand, kamen Zweifel an den damaligen herkömmlichen Meßmethoden auf.
Wird nämlich der Lastwiderstand warm oder gar heiß oder glüht er bereits, stimmen die in der rechnerischen Ermittlung der abgegebenen Leistung herausgefundenen Werte überhaupt nicht mehr. Die ganze Messung ist dann Murks.
Und speziell diese Bose Endstufen hatten damals zum ersten Male richtig Power und brachten manche Experten zum Schwitzen. Es gab da bei Bose Deutschland den Service-Leiter Heinz Schmitt, der sich damit hervorragend auskannte.
Also ein eigenes Last-Meßgerät
Aus diesem Grund hatten wir uns vor über 30 Jahren mit erschwinglichen Mitteln einen 19" Meß-Einschub mit der geforderten Technik selbst gebaut. Von vorne sieht er (heute noch) so aus. Die Beschriftung (Gravur) ist nie fertig geworden, weil es immer etwas "Wichtigeres" gab.
2 Meßwiderstände mit 8 Ohm und 1% Genauigkeit und bis 250 Watt Nenn- (Dauer-) last
Diese Meßwiderstände waren damals noch bezahlbar. Heute sind es fast astronomische Summen für solche Teile. Wichtig war, die hineingepumpte Leistung musste ja irgendwie wieder weg. Und 500 Watt Leistung über 15 Minuten in Wärme umzuwandeln und auch abzuführen, das ist gar nicht so einfach. Oft sind es mehr als 2 x 250 Watt Dauerleistung, dann aber nur für ganz kurze Zeit.
Diese Widerstände sind eigentlich für Gleichstrom gebaut, können aber laut Datenblatt auch Wechselströme in Wärme umwandeln. Durch die innere "Verlegung" der Widerstandsdrähte im vergossenen Keramic-Innenteil sollen die Induktivitäten sehr gering sein. Wir wollen aber 20 bis 20.000 Hz da rein "schieben". Und jetzt kommen sogar die wenigen kurzen Zuleitungen zu Wort.
Die Feinheiten
Die beiden Widerstände können von vorne über die Hochlast-Buchsen mit jeweils ganz kurzen dicken Kabeln über sogenannte Büschelstecker angeschlossen werden. Damals waren 2,5qmm Anschlußkabel schon selten. Die Übergangswiderstände müssen erheblich kleiner sein als die Last, sonst stimmt das Meßergebnis ja wieder nicht.
An den beiden historischen (damals 1976 hypermodernen) Leuchtdiodenzeilen konnte man rudimentär erkennen, wieviel Leistung gerade verbraucht wurde. (Es war eine rein mathematische Berechnung der NF-Spannung an 8 Ohm.) An den BNC-Buchsen wurde ein (damals Hameg-) Oszilloscope angeschlossen, um die Signalverformung der Sinuskurve schon mal in Augenschein nehmen zu können.
Zusätzlich konnten wir auch kleinere Endstufen an bis zu 8 Lautsprecher-Paaren akustisch testen.
Dieser Meß-Einschub diente auch als Umschaltanlage auf dem Wissen und Niveau der Mitt-Siebziger Jahre. Aus heutiger Sicht war es Bastelei, doch wir sind dran, das auf ein vernünftiges Nievau zu heben. Hier steht mehr über das Umschaltgerät.
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