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Wie lange lebt solch ein Hifi-Gerät oder ein Lautsprecher ?

Das ist eine verzwackte Frage, die man nicht in einem Satz beantworten kann.

Unterscheiden wir erst mal in :

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  1. das "Gehäuse",
  2. das elektronische Innenleben und
  3. das mechanische Innenleben.

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Das oder die Gehäuse

Gehäuse für Lautsprecher, elektronische Komponenten oder andere mechanische Komponenten gab es aus Holz, unfertig roh oder furniert, aus Holz lackiert, Holz beklebt, Holz beschichtet, aus Kunststoff-Spritzguß, Kunststoff gefäst, Kunststoff gepresst, Metallguß, Metallblech und Vollmetall gefräst in verschiedenen Materialien wie Eisen oder Aluminium. Dazu kamen später Beton, Kunststein und Naturstein und bestimmt noch weitere Kombinationen und Varianten irgendwelcher "anorganischen" Kombinationen.

Die Entwickler, aber vor allem die Verkäufer, waren da "sehr kreativ", wie man den Verkauf von Unsinn auch umschreiben oder beschreiben kann. Das soll aber nicht heißen, daß das alles nur Unsinn gewesen wäre. Es gab da schon physiklisch geniale Konzepte, die leider entweder meist unbezahlbar waren oder aber der Ehefrau, Freundin oder der Lebensgefährtin nicht vermittelbar waren.

Manche Gehäuse waren daher gegen Feuchtigkeit oder Wärme empfindlich, andere gegen Licht, Sonne und Chemikalien, wieder andere sind einfach nur gealtert und wurden klebrig (Revox B77). Bei mimimaler Pflege leben aber die meisten dieser Varianten auch nach 50 Jahren noch.

Das mechanische Innenleben.

Sony Bandgerät - nach 20 Jahren ist es fest
Die Dual Mechanik nach 20 Jahren

Bei den mechanischen Komponenten handelt es sich meist um das Radio-Chassis oder diverse Lautsprecher-Chassis aller Art, kleine und große Bandlaufwerke, Plattenspieler-Chassis und weiteres allgemeines Zubehör.

Bei allen Drehteilen kann das Öl oder Fett der "Dauerschmierung" aushärten  bzw. austrocknen und man spricht auch vom "Verharzen", auch wenn bei synthetischen Ölen und Fetten gar kein Harz mehr im Spiel ist.

Die Teile drehen oder bewegen sich gar nicht mehr oder nur noch sehr sehr schwer. Die Bandandruckmechanik des großen Sony Flagschiffs TC 765 (rechts im Bild) ist solch ein Beispiel.

Auch die Start-Stop Automatik beim DUAL 1229 war nach zig Jahren sehr sehr schwergängig geworden. Das hat aber unser Mr. Dual (= Dennis Rollinger) ganz flink bereinigt.
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einfach zerbröselt - hochgefährlich

Weitere Schwachstellen sind die elektrischen 230 Volt Zuleitungen, bei denen die Isolation aushärtet und abbröselt und angeblich hat das keiner gemerkt..

Auch in den Geräten drinnen dünsten die Weichmacher aus den Umhüllungen und Isolierschläuchen der Leitungen aus. Die Drähte liegen dann teilweise blank im Gerät. Und somit ist höchste Aufmerksamkeit und Vorsicht angesagt. 230 Volt sind absolut lebensgefährlich und machen zudem bei 16 Ampere einen richtig lauten Knall, den Sie so schnell nicht vergessen werden - sofern Sie es überlebt haben.
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Das elektronische Innenleben.

ein Kondensator aus Juni 1976
der hat schon sein Leben ausgehaucht
und der hier ist kurz davor

Auch hier gibt es vielfältige Symtome, sichbare und unsichtbare. Von einem können sie mit Sicherheit ausgehen:

Die Hifi-Geräte sind nicht für eine 40 jährige Lebensdauer konzipiert und produziert worden. Das hätte auch nie funktioniert.

Die häufigsten und wichtigsten Ausfälle
sind die großen und mittleren Kondensatoren, die Elkos. Das steht für "Elektrolyt Kondensator". Ein Kondensator soll zwischen zwei "Platten" Energie speichern. Damit die sich "nie" berühren (= Kurzschluß), ist ein Elektrolyt dazwischen. Das könnte theoretisch Luft sein, ist aber meist eine verdickte wässrige Flüssigkeit.

Wenn die austrocknet nach 40 !!! (vierzig) Jahren, ist er hin. Die "Kapazität" ist weg = sie ist alle. Und daran ist meist die Umgebungstemperatur "schuld", besser: sie ist beteiligt. Wird der Kondensator deutlich zu warm, "gast" er aus (kommt von Gas, ausgasen). Das Elektrolyt verdunstet. Geht das zu schnell, platzt er oder die Sollbruchstelle öffnet sich und es stinkt fürchterlich.

Als die 4 Elkos in einer der aktiven Grundig Boxen XSM3000
geplatzt waren, kam der weiße beißende Rauch sogar aus den Ritzen der luftdicht geschlossenen Box raus. Es war nicht viel, aber es hat erst mal gereicht.

Werfen Sie auch einen Blick auf die korrespondierende Seite "Lifetime" auf unseren Technik-Seiten.

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