Die Story über die legendären Hifi Jahrbücher von Karl Breh.
Sie waren mal die Bibel der Hifi-Jünger der 68er Stereo Fans. Irgendwann ab 1978/80 war aber die Masse der Geräte und Typen so unüberschaubar "übergelaufen" oder ausgeufert, daß es für einen Interessenten einfach keinen Sinn mehr gemacht hatte, das Buch oder die Bücher zu kaufen (und damit solche Bücher weiter herauszugeben).
Und damit da keine Mißverständnisse aufkommen, die Hersteller (1) mußten dafür bezahlen, in das Buch aufgenommen zu werden, die Anzeigenkunden (2) mußten sowieso auch bezahlen und die Käufer (3) der Bücher haben als Dritte Geldquelle "zum Ertrag" des Verlages beigetragen.
Am Ende standen sowieso nur noch ein Bruchteil der inflationären Typen an Hifi-Geräten drinnen. Und die alten Freaks erinnern sich, der tiefe Einbruch im Hifi Markt stand ab etwa 1984 vor der Haustür. In den Jahren ab 1980 bis weit über 1990 hinaus ging es vielen alten Hifi-Firmen für immer an den Kragen. Übrigens: Im Fonoforum von 1963 steht in einem Leserbrief, daß das erste Hifi-Jahrbuch mal schlappe 3,80 DM gekostet hatte. Der Preis war auf jeden Fall steigerungsfähig.
Hier die ersten legendären Hifi Jahrbücher 1 & 2 ganz aus den Anfängen 1963/64.
Diese sind die ersten beiden Hifi-Jahrbücher, eine "Intention" (in Anlehnung an die göttliche Eingebung vom bayerischen Engel Aloisius) des Karl Breh, der auch die Hifi- Stereophonie herausgegeben hatte. Hier die Bücher Nummer 1 und 2 von 1963/64 und 1965/1966.
So etwas gab es bei uns in Westdeutschland im Vergleich mit den USA oder England noch nicht, ein Buch über die edlen Stereo- und Rundfunk- Geräte für nur 3,80 D-Mark. Bis dahin war ja "Stereo" und "Hifi" für 99% der Bevölkerung nahezu identisch. Sie wußten es nicht bessser.
Die erste Ausgabe des Jahrbuches war recht schnell vergriffen und wurde von den damals angehenden Hifi-Gourmets "aufgesogen" - oder besser - "inhaliert".
Was dort drinnen stand, das wurde gelaubt und "nie wieder" in Zweifel gezogen. Und wenn zum Beispiel bei einer kleinen Heco Regalbox etwas von 100 Watt Musikbelastbarkeit stand, dann wurde anfänglich damit sogar die Beschallung eines großen Wohnzimmers versucht, bis zum ersten Durchblick oder Lichtblick, daß diese Daten überhaupt nichts über Klang und Qualität aussagten.
Es wird bald eine Liste von einzelnen ausgewählten Hifi-Geräten nach Hersteller geben, mit "subjektiver" Bewertung aus 40 Jahren Hifi-Wissen.
Eine Mitarbeit hier im Web ist stets willkommen. Mit dem Redaktionssystem Typo3 ist der Webinhalt samt Bildern einfach und genial zu füttern.
Das legendäre Hifi Jahrbuch 1967/1968 (oder die Nummer 3)
Jetzt wurden die Hifi-Bücher dicker, die Industrie hatte Blut geleckt, die "dummen" Kunden orientierten sich an diesem Werk, das durch seine gewaltigen Ausmaße (im Vergleich zu einem dünnen Firmenprospekt) Seriosität und Objektivität vorspielte. Jedenfalls damals wagte keiner daran zu zweifeln.
Doch wie oben gesagt, der Verlag verkaufte Seiten über Seiten und der Kunde (sprich der Hersteller oder Importeur) bestimmte, was auf den Seiten geschrieben wurde. Und es stand viel Mist drinnen, utopsche Werte und Wunschträume. Doch damals war es Gesetz, es mußte einfach stimmen.
Daß Tests und Kritiken auch gekauft (werden konnten) bzw. verkauft wurden, hatten wir irgendwann vermutet, als es zu hahnebüchen wurde, doch bewiesen wurde es erst viel später (und geleugnet wird es immer noch).
Das legendäre Hifi Jahrbuch 1969 (oder die Nummer 4)
Jetzt hatte das Hifi Jahrbuch echten Kultstatus. Die Glanzzeit bei Hifi war angebrochen und die Bücher wurden gekauft "wie blöd". Kennen wir das nicht irgendwoher, das mit dem "Ich bin doch nicht blöd!" aus dem Blödmarkt ?
Wer oder was NICHT in diesem Buch drinnen stand, das konnte doch nichts sein. Der Karl (also der Diplomingenieur Karl Breh), der wußte schon, was gut ist und was nicht. So dachten wir und die Masse der unbedarften (besser: einfältigen und gutgläubigen) Kunden und das auch noch Jahre lang, bis die Blase immer dichter vor dem Platzen war.
Im Fernsehmuseum habe ich eine ganze Seite über die fast 40 weitere Jahre gültige absolut blöde Aussage geschrieben: Was Du schwarz auf weiß nach Hause tragen kannst, das ist wahr !
Eine von der nationalsozialistischen Propagande lancierte Glaubensweisheit.
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 5 aus 1970.
Die Ausgaben 5 und 6 und 7 waren alle nahezu gleich dick und wir verplemperten ganze Abende mit dem Studium der "Hifi-Weisheit".
Und nicht daß Sie glauben, ich weiß nicht mehr, was da drinnen steht, ich habe sie alle bis zur Nummer 11 und ich kannte die Inhalte weitgehend auswendig. Zu der Zeit habe ich bereits wieder in einem Wiesbadener Hifi-Studio ausgeholfen - und dann war ich irgendwann fürchterlich "satt" im wahrsten Sinne des Wortes.
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 6 aus 1972.
Inzwischen war das Buch Standardlektüre aller Hifi-Verkäufer und auch der Kunden und aller Derjenigen, die so richtig kompetent mitreden wollten, aber ohne wirklich Ahnung zu haben.
Durch die immer aufwendigere Introduktion am Anfang des Buches konnte sich jeder so ein Bißchen Grundwissen aneignen. Und einige Kunden kamen mit stolz geschwellter Brust in den Laden und erzählten uns die technischen Daten der Geräte, die sie haben wollten, die wir aber gerade nicht geführt hatten.
(Es war der Wiesbadener Hifi-Krieg: Onkyo gegen Yamaha und gegen Pioneer und gegen Kenwood und was es sonst noch gab.)
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 7 aus 1974.
So um 1974/1975 kam die Zeit der Aufklärung fast wie bei den Religionen, als die Evangelisten anfingen, an der katholischen Lehre zu zweifeln und zum Beispiel den Ablaßhandel in Frage stellten.
Insbesondere bei den Deutschen war die virtuelle Musikleistung irgendwo in der Typenbezeichnung untergebracht. Bei Grundig waren es zum Beispiel SV40 und SV80 und SV140, also 2 x 70 Watt und das auch noch bei nur 4 Ohm. Die Japaner konnten echte 70 Watt sogar an 8 Ohm liefern.
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 8 aus 1976.
Den neuen konträren Look in Schwarz hätte man als Schwarzmalerei deuten können, denn ab 1980 ging es kräftig nach unten. Der Markt war ziemlich satt und das Geld saß nicht mehr so locker. Und das ging dann bis über 1984 hinaus (abwärts).
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 9 aus 1978.
Die Nummer 9 war der "dickste" Wälzer der Jahrbücher in bibelähnlichen Dimensionen. Und Karl Breh als Dipl. Phys. und Herausgeber schrieb und schrieb und die Bilder im vorderen Wissensteil waren jetzt schon bunt.
Jetzt waren sogar Diskotheken Boxen kein Hinderungsgrund mehr, in der Hifi Bibel aufgenommen zu werden, heutzutage als Brüllwürfel bekannt.
Das silbergraue Edel-Lookout konnte aber zumindest mich nicht mehr darüber hinwegtäuschen, daß da von nun an etwas fürchterlich schief lag.
Die (Anzeigen - oder Mitmach-) Preise waren drastisch gestiegen, es fehlten auf einmal kleinere Hersteller und es stand viel (nicht nachkontrollierter) technischer Murks drinnen.
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 10 aus 1980.
Die Hifi Welt schien noch so einigermaßen in Ordnung zu sein oder hat da nur Keiner etwas gemerkt ? Irgendwie knisterte die Sättigung und wirtschaftliche Probleme kündigten sich an.
Schaun Sie mal rein in die große Grundig Historie, wie die Erträge purzelten und die dicken Wolken am Himmel standen.
Selbst ich war voll bestückt mit Hifi aller Art und dicken Endstufen und dicken Boxen. Damals waren es die Tannoy Arden, die einen gewaltigen Sound ablieferten. Laut musste aber noch lange nicht auch gut sein, doch davon später.
Auf jeden Fall war der bibelähnliche Glauben am Wanken, zu viele Scharlatane hatten ihre Produkte dort "rein-"gekauft.
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 11 aus 1982.
Der wirtschaftliche Abwärtsgang der Hifi Branche war so ab 1982 eingeleitet. Diese Nummer 11 ist die letzte Ausgabe des Jahrbuches aus dem Braun Verlag Karlsruhe.
Dann wurde der (ganze) Verlag (oder nur die Produkte) an die "Auto Motor Sport Presse" in Stuttgart übergeben oder verkauft oder abgetreten oder wie auch immer.
Dort gab es bereits die Hochglanz Zeitschriften Audio und Stereoplay, die der in die Jahre gekommenen Zeitschrift Hifi-Stereophonie von Karl Breh mächtig zugesetzt hatten (die hatten einfach die besseren Anzeigenverkäufer und die nahmen es mit Objektivität bei den Berichten oder Storys überhaupt nicht so genau) und damit hatten sie Karl Breh letztendlich zum Aufgeben gezwungen.
Anmerkung der Redaktion:
Jetzt nach 20 Jahren kann man es ja endlich laut sagen, die teilweise bekloppten Hifi-Gurus wollten ja "bunteste" Hochglanzfotos ihrer Geräte sehen, als Bestätigung, daß (nur?) sie alleine das ultimative Gerät gekauft hatten.
Die verbliebenen Leser dieser Zeitschriften "WOLLTEN" betrogen werden mit getürkten oder geschönten (neudeutsch = aufgehübschten) Tests und Reports und Beschreibungen, also richtigen Phantasie-Artikeln und Storys jenseites der physikalischen Wahrheit. So gut wie alle Geräte (auch die weniger edlen) kamen auch im wunderschönen Goldlook auf den Markt. Und davon ließen sich trefflich fotogene Titelstorys ablichten.
Anmerkung - Sammler in 2010
Und jetzt kommen auch die nicht immer verständlichen Gedanken der "Sammler" zum Vorschein, die richtig stolz ihre diversen Sammlerstücke zeigen und jedesmal deutlich und wiederholt betonen, daß nur sie eines von 100 oder 200 Exemplaren diese aussergewöhnlichen Stückes (hier in Deutschland) noch besitzen. Kritik oder auch nur leichtes Stirnrunzeln führt oft zu unlösbaren Konflikten oder zum offenen Disput oder zum mehr oder weniger höflichen Rausschmiß.
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 12 aus 1984.
In diesem Hifi Jahrbuch 12 gab es noch einsame 9 "open reel" Tonband-Maschinen auf fast leeren Seiten.
Es tut mir als Tonbandfan in der Seele weh, aber es war das Ende der großen Dinosaurier.
Die großen Bandmaschinen hatten ausgespielt und sind völlig verdrängt worden. Selbst Akai, der angeblich weltgrößte Hersteller dieser Technik, strich bei den Open Reel Maschinen 1984 oder 85 vollends die Segel.
Inzwischen (2008) wird ja gerade die CD verdrängt, eigentlich alles, das sich dreht, ist auf dem sterbenden Ast angekommen.
Das legendäre Hifi Jahrbuch Nummer 13 aus 1987.
Ein Gast schreibt:
Man sollte es nicht glauben es gibt auch noch die Nr. 13 von 1987 von Karl Breh - Verlag: Vereinigte Motor-Verlage, Stuttgart.
Das war es also, das letzte Hifi-Jahrbuch, die letzte "Bibel" der Hifi-Jünger, einer damals aussterbenden Kundengruppe oder doch nicht ?
Jedenfalls ging nicht nur das Interesse an diesen alten und großen Geräten merklich zurück, die "Geschmäcker" änderten sich, die leistungsfähigen Computer mit Windows 95 kamen auf und bei Vielen wurden andere Hobbies gepflegt.
Die ersten Firmen stellen in 2010 bereits keine CD Player mehr her, alles an Musik "wohnt" auf sogenannten NAS Servern und wird in 2010 nahezu verlustfrei komprimiert über eine Netzwerkverbindung wiedergegeben, und alles in vorzüglicher Hifi-Qualität.
In 2009 schrieb ich: Vielleicht rollt auch die Nummer 13 bald ein. Jetzt ist sie da, vielleicht doch eine Unglückszahl für das damit letzte Hifi-Jahrbuch, im Februar 2010 ist es eingetroffen.
Das letzte fehlende Titelbild ist also eingelaufen, ein Dank an Herrn Gerhard und seine Digitalkamera. Damit geht eine Epoche zuende. Von jetzt an wird alles anders . . . . .
Große Mengen an "fonoforum" sind eingetroffen und werden durchleuchtet. Schaun Sie mal rein.
-

















