Sie sind hier : Startseite →  Hifi Wissen und Technik→  Verstärker und Elektronik I→  Digitalverstärker - ein Versuch

Noch effizienter, noch besser, noch billiger : Class D Amps

Die Platine von oben
und von unten

So werden sie beworben und angeblich klingen die modernen Digitalverstärker absolut super. Dazu kosten sie fast nichts und haben eine Effizienz von 80 bis 90%. Nun, mal sehen, ob das alles stimmt.

Januar 2015 - ein LowCost Versuch eines China Boards für 23.- Euro

In Ebay angepriesen wird ein 50+50 Watt Digitalverstärker eines (für uns unbekannten) chinesischen "Herstellers" für 23.- Euro Festpreis - aber ab Bremen !!, also nicht ab Hongkong. Alleine die Idee ist gut, denn der Import geht nicht immer problemlos über die Bühne.

Und das ist der Text auf der Angebotsseite :

Die (supertollen) "Features"

Der Chip unbekannter Herkunft
Die Grafiken sind von TI für den TI Chip TPA31110D2

Latest 2.0 HIFI TPA3116 Digital power amplifier Assembled board DIY 50W+50W

Features
This is assembled board and tested well - Using the new USA TI company TPA3116D2 high-performance power amplifier chip as the core, single-supply DC 8-25V wide working voltage, maximum 50W (left channel)+50W (right channel) two-channel output, efficiency up to 90%. You can use switching power supplies, laptop power supply, battery or vehicle power supply and so on ...
Special Note: The front panel switch is used to cut output, not cut off the power. Therefore, the power light is always on, not surprising. Because for this circuit,the quiescent current is very small when There is no output, - Internal circuit protection circuit has been perfect, no other access.
 
The luxury components
With the top red ring of the output inductor, output without loss, more pure tone - Adopt the German Weimaraner MKP10 as input, richer overtones - High-speed capacitor array, lower resistance, dynamic more rapid Gold-plated RCA output port, Taiwan imported sealed potentiometers, thick aluminum heat (color random)
 
PCB size:88 x 100mm
Power connector is a standard 5.0 mm power jack
Power range :8-25V
 
Power supply voltage:
12V ------- 8 Ohm speaker / 12W (left channel) + 12W (right channel), 4 ohm speaker / 20W (left channel) + 20W (left channel),
15V ------- 8 ohm / 18 + 18W, 4 ohm / greater than 30 + 30W,
19V ------- 8 ohm / 32 + 32W, 4 ohm / greater than 45 + 45W,
24V ------- 8 ohm / 38 + 38W, 4 ohm / greater than 55 + 55W,

Artikelstandort: Bremen, Deutschland - Kostenlose Lieferung in ca. 3 Tagen - EUR 23,00
.

Manche Daten sind weit her geholt.

Was der Anbieter unter 50+50 Watt versteht, lassen wir erst mal offen. In Foren wird aus den TI (Texas Instruments) Chip-Hersteller- Spezifikationen für den TPA-3110 Chip zitiert : Klirrfaktor 10% bei 1 KHz, also vermutlich 30% bei 40 Hz und ebenso bei 15 kHz. -

Die Grafiken rechts sind aus dem Datenblatt von Ti
für den ähnlichen aber leistungsfähigeren TPA-3116-D2 Chip entnommen. Ob die auch für den TPA3110 OEM Chip-Produktionen aus China gelten, ist jetzt korrigiert. Es ist also ein 2 x 15 Watt Chip - 15 Watt an 4 Ohm bei 10% Klirrfaktor !!!!!. Das ist dann die unerwünschte Wahrheit. Was sollen diese Specs uns sagen ? Der Chip kann echte 2 x 10 Watt an 4 Ohm problemlos abgeben, aber mehr auch nicht.
.

Verschiedenste Grafiken und 10% Klirr bei Nennleistung

Es fällt dem Elektroniker sofort auf, wenn da mal etwas von 4 Ohm Last und dann wieder von 8 Ohm Last steht, mal 12Volt Speisespannung und mal 24 Volt. Auch wenn der Graph mal bei 50 Watt aufhört oder die Skala bis 100 Watt geht, aber im 50 Watt Bereich völlig undefiniert ungenau ist. Ich vermute, das ist ein Chip für die Autoradio-Produktion, weil klare technische Angaben oberhalb 6 kHz nicht gemacht werden. Auch ein Klirrgrad, der bei 10 Watt um den Faktor 10 höher ist als bei Nennleistung, das ist schon sehr merkwürdig.

Übrigens, die 1.200 Watt Sinus Digitalendstufen bei unserem Linkwitz Lautsprechertest in Stuttgart kosten etwa 650.- Euro pro Modul pro Stück ohne Netzteil. (und das jetzt mal 6 für 2 Dreiwegesysteme.) Damit ist die Richtung der Erwartungshaltung doch recht eingegrenzt.

Der erste Eindruck :

Der Ein-Schalter samt Poti
Der SMD Digital-Chip

Am Sonntag abend per Kreditkarte bezahlt, am Dienstag früh schon da, erstaunlich. Verpackt in einer antistatischen Tüte und gut eingewickelt - es schaut gut aus. Doch ausgepackt und etwas genauer betrachtet, schaut es gar nicht mehr so gut aus.

Es ist eine typische Hinterhofproduktion
aus den weiten des chinesischen Hinterlandes, von denen so oft Schauermärchen über die Bildschirme flimmern. Die verbauten Bauteile sind sicherlich von guter Qualität, doch die Verarbeitung ist gerade noch ausreichend.

Die Platine ist handverlötet, auch die kleinsten SMD Bausteine, alles von Hand. Selbst der Chip ist von chinesischen Fingern von Hand aufgelötet. Und beim Schütteln klingelt es ganz leise, der Kühlkörper wackelt ??? Was ist das ?

Der Kühlkörper war zwar verschraubt
, sogar mit Wärmeleitpaste dazwischen, aber die Schrauben haben nicht gehalten. Ich hätte den Kühlkörper sowieso mal abgeschraubt, aber daß er mir von alleine entgegen kommt, war sicher nicht der Sinn der Sache.

Das Problem ist, zu fest angezogen nimmt der Chip Schaden, zu locker verschraubt, lösen sich die Schrauben. Eine Springfeder würde Wunder wirken.

Zurück zur Qualität, die Kondensatoren sind hochwertig, der Kipp-Schalter und auch das Potentiometer sowie die Ferritkernspulen ebenso. Auch die Platine an sich ist gesund und würde eine maschinelle SMD-Bestückung viel besser vertragen als die Lötklumpen von Hand.

Inbetriebnahme mit 12 Volt

In Feb 2016 war es dann so weit. Ich brauchte doch mal schnell eine Abhör-Endstufe ohne hohe Qualitätsansprüche, jedoch mit möglichst geringem Dauerstromverbrauch.

So bekam der Digitalverstärker ein 12V / 2A Schalt-Netzeil und Lautsprecher- Ausgangsbuchsen und einen Eingang von dem kleinen Grundig MXV 100 Vorverstärker. Zum Abhören einer analogen Tonbandaufnahme sollte es das allemale tun.

Die Leuchtdiode zeigt an, ob eine Versorgungsspannung anliegt, also nicht, ob der Verstärker mit dem Schalter eingeschaltet wurde.

Erster Eindruck bei 12 Volt und 2 Boxen BRAN L710 hinten dran, es klingt passabel. Beurteilen läßt sich die effektive Qualität damit aber nicht.

Facit : Er geht . . . . .

Nächte Stufe, er bekommt ein 24 Volt 100 Watt Netzteil und dann muß er zeigen, ob er 50 Watt liefern kann. (Kann er nicht, der Chip kann das gar nicht leisten.)
.

Die Inbetriebnahme kommt in Kürze

und dann kommen auch erste Hör-Erfahrungen mit echten Meßwerten aus unserem Labor. Die Chip Beschreibung vom Hersteller Texas Instruments spricht von 15 Watt an 8 Ohm bei 10% Klirr und von virtuellen 30 Watt an 4 Ohm auch bei 19% Klirr. Das ist natürlich etwas dünn.

Gehen Sie gleich zur nächsten Seite, denn das Teil hier ist bereits wieder außer Betrieb.
.

- Werbung Dezent -
Zurück zur Startseite © 2007/2019 - Deutsches Hifi-Museum Wiesbaden - Copyright by Dipl. Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Zum Telefon der Redaktion - Zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - kostenlos natürlich.

Privatsphäre : Auf unseren Seiten werden keine Informationen an google, twitter, facebook oder andere US-Konzerne weitergegeben.