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Ein Rückblick ins Jahr 1978

Eine Studio Umschaltanlage 24/36 für ganz viele kleine Boxen
12 Edel-Bandgeräte im Vergleich - ob das wirklich Sinn machte ?
1980 - Das Klangstudio Pohl in Mainz hatte die größten Studios
hier im Detail eine meiner größten Umschaltanlagen
1976 mit Limburger Filiale

Der Hifi-Markt blühte bis 1978 auf, während der Fernsehmarkt einbrach. Die großen Elektronik-Hersteller aller Länder, insbesondere in Japan, mußten auf andere oder neue Produkte ausweichen.

Nachdem die speziellen Hifi Messen 1976 und die Hifi 1978 in Düsseldorf doch recht erfolgreich waren, trotz des erfolglosen Fernbleibens der großen deutschen Hersteller, wuchsen überall die Hifi-Studios wie Pilze aus dem Boden. Die Studio-Liste in der Hifi-Stereophonie 1978 auf den letzten Seiten wurde immer länger.

Irgendwo mußte das als die geniale Geschäftsidee verkauft worden sein und viele viele Hobbyisten, Enthusiasten und Charlatane sprangen auf den Zug auf. So auch im Rhein Main Gebiet.

Durch meine Diskotheken war ich inzwischen gut bekannt und baute für die älteren eingeführten Hifi-Studios technisch leistungsfähige Studio- Umschaltanlagen. Sicher gab es auch von Canton und Heco und Radio RIM die DIN-Buchsen bestückten Bastler-Umschaltgeräte, doch bei über 200 Watt Sinus fingen die an, richtig zu spratzeln, bis irgendwann die Funken flogen.
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Meine Umschaltanlagen sollten blind bedienbar sein und schlichte Seriosität ausstrahlen.

Denn in den High-End Studios durfte und sollte der Kunde durchaus selbst den Zeitpunkt des Vergleiches wählen können.

Wie Sie auf den Bildern sehen, waren die 19" Frontplatten nicht nur massiv aus beidseitig eloxiertem 1,5mm Alublech, sondern auch großzügig aufgeräumt bzw. übersichtlich und langlebig durch Gravur beschriftet, also mit großen Buchstaben und Zahlen durchnummeriert. Die jeweils gewählte Taste leuchtet dann auf. Zudem war es die Zeit der schwarzen Frontplatten bei den Spitzenanlagen.

Es paßte also alles zusammen.
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1981 bis 1984 - Ein gnadenloser Wettbewerb setzte ein.

Auch mein Freund Rainer Pohl ließ sich "beschwatzen", das bis dahin sehr renomierte Mainzer Hifi-Studio im Souterain in der Christofstraße von der Größe her zu verdreifachen. Das Erdgeschoß der nebenan liegenden Tanzschule Senzer wurde angemietet und eine teure Durchgangstüre in die dicke Zwischenwand gebrochen. Der Anfangserfolg gab den "Beratern" erst mal recht, doch der Erfolg währte nicht lange, denn alle Wettbewerber in Rhein Main expandierten fast zur gleichen Zeit und die mußten verkaufen, was das Zeug hielt.
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Expansion 1978

Auch die Kaufhäuser wollten ein Stück vom lukrativen Hifi-Kuchen abhaben und den Herstellern war es im Prinzip "schnurz piepe wurscht", wie ein (bzw. ihr) Marktanteil zustande kam.
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Jeder Backstubenverkäufer (Hifi-Lager Suppes in Wiesbaden verkaufte aus der Backstube heraus) wurde beliefert, jeder Hinterhofhändler hatte auf einmal Revox, Thorens und Tandberg und dennoch, viele Händler überlebten es nicht. So ab 1982 war der Boom abgeflacht und die Mieten zehrten an den Resten des zumeist verpraßten Gewinns. Die Studios oder Kartonlager mitsamt ihren "Boxenschiebern" verschwanden wieder.

Elac in Kiel machte Pleite, Tandberg machte Pleite, Bolex hörte auf, AKG kam in Turbolenzen und so verschwanden sie nach und nach alle wieder. Selbst die große Firma Grundig mußte 1982 den Gürtel erheblich enger schnallen und die edlen 1980er Spitzenmodelle deutlich verbilligen, dachte man dort.

Das Klangstudio Pohl zog aus der Mainzer Innenstadt etwas nach Draußen - nach Bodenheim - und nahm die Kundschaft mit. Rainer Pohl hatte nämlich etwas mehr zu bieten, Erfahrung und Wissen, die anderen hatten nur die hohen Rabatte.

Den Hifi-Lägern und Billig-Schrottlern ist die Veränderung des Marktes nicht gut bekommen, die tauchten nämlich nie wieder auf. Auch in den Kaufhäusern schlossen die Hifi-Abteilungen recht schnell wieder, sie waren überhaupt nicht rentabel gewesen. Doch das bekommt der Autor erst mehr als 20 Jahre später erzählt.

"Mr. Tandberg" (der viel zu früh verstorbene Wolfgang Matthiolius war später bei uns der "Mr. Thorens") war Ende 2011 bei uns in der Hifi-Museums- Redaktion und hat lange und viel aus dem Nähkästchen geplaudert, wie es damals und vor allem was alles hinter den Kulissen abging.
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Noch ein Blick auf meine damalige Werbung

Als kleines Ingenieurbüro mit kleiner Produktion war die Werbung nur bedingt zu machen. Im Nachhinein ist es selbst heute schwer zu entscheiden, war ich damals hauptberuflich Student oder Unternehmer. Ich war nämlich tagsüber in Darmstadt an der TH und Abends und Nachts und an jedem Wochenende in meiner 36qm Audio-Elektronik Werkstatt.

Übrigens: Eine gebrauchte rote IBM Kugelkopf- Schreib- mascheine war also das höchste der Gefühle, das ich mir leisten konnte. Der IBM Composer mit Proportionalschrift sollte weit über 6.000 Markt kosten und das war nahezu unerschwinglich.

So wurde also mit 2 Fingern getippt, was sich über die Tage so im Kopf zusammengebraut hatte.
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Ein Blick auf die Preise

Preisübersicht 7/78 - Studioumschaltanlagen Standard

  • Modell 12 / 16 ca. 1.49o.—
  • Modell 16 / 24 ca. 1.99o.—
  • Modell 24 / 36 co. 2.89o.—


Beispiele für Sonderanfertigungen

  • 3x Vorverstärker - 3x Equalizer - 3x Endstufen
    9 Lautsprecherpaare mit Lautstärkeausgleich ca. 2.5oo.—


Es sind sämtliche erdenklichen Kombinationen möglich. Die genauen Preise richten sich hauptsäohlioh nach der Art der Gehäuseausführung. Eine Trennung von Steuerteil und Schaltteil ist immer möglich, ebenso eine Kombination von mehreren Schaltanlagen.

Die Preise verstehen sich ab Wiesbaden - zuzüglich Mwst. zahlbar bei Lieferung. Bei Vorkasse 3% Skonto. Bei Sonderanfertigungen ist eine Anzahlung von 50% erforderlich.
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Ein Blick auf die Technik

1978/08 - HIFI - Studio - Umschaltanlagen
Die Umschaltanlagen für HIFI - Studios System STUDIO-TON schließen eine Lücke in der Gruppe der verkaufsfördernden Geräte. Die Ausführung von Design und Technik wurde von langjähriger Verkaufserfahrung und dem Vergleich mit anderen Geräten geprägt.

Eine klar gegliederte Front- und Bedienplatte mit einem übersichtlichen daumenbreiten Abstand der Tasten liegt schräg in einem eleganten Aluminiumpultgehäuse. Die großen griffigen Leuchttaster schalten beim Drücken mit einem leisen, aber deutlich fühlbaren Kontaktsprung. Die gedrückte Taste leuchtet auf, vorher gedrückte Tasten verlöschen.

Die mattgebürsteten und eloxierten Frontplatten haben eingravierte Nummern und Schriftzüge, die wesentlich zum ansprechenden und soliden Aussehen beitragen.

Alle Geräte arbeiten vollkommen passiv. Auch der Lautstärkeausgleich bei Lautsprecherboxen wird passiv zwischen Vor- und Endstufe vorgenommen. Verstärkerleistungen von 500 Watt Sinus schaltet die Anlage nahezu verlustfrei um. Die innere Verkabelung (2,5mm²) und die Anschlüsse (Hochstrom- druckklemmen für 40 Ampere) sind für vergleichendes Umschalten speziell bei leistungsstärkeren Steuergeräten und von Leistungsendstufen unbedingte Voraussetzung.

Die Auslegung der Bestückung in 12er Einheiten hat sich bewährt. Weitgehend vorbereitet sind meistens die Modelle 12/16, 16/24 und 24/36, das bedeutet 24 Steuergeräte und 36 Lautsprecherpaare usw....

Eine transportable Umschalteinheit STUDIO-Port 3 mit 3x Vorverstärker, 3x Endstufen und 3x Lautsprecherpaaren ist inzwischen ausgereift und ab 9/78 lieferbar. Dieses Gerät soll eine komfortable Vergleichsvorführung hochwertiger Anlagen im Hause des Kunden wesentlich vereinfachen bzw. verkürzen.
Für Großraumstudios ist weiterhin eine Microprozessor- gesteuerte Schaltanlage mit beliebig vielen programmierbaren Kombinationen in der Entwicklung . . . . . (und wurde natürlich nie fertig.)

Und bitte, das ist hier keine Offerte oder ein Verkaufsangebot,
es ist ein Bericht aus 1978 !!!! Also bitte gar nicht erst anrufen.
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