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Und schon wieder kam eine Änderung auf den Markt

von Gert Redlich im Juli 2018 - Im Nachhinein betrachtet waren sowohl die Macher (Produzenten, Tonmeister, Toningenieure) als auch die Konsumenten und erst recht die Verkäufer schlicht überfordert.

Jetzt gab es schon wieder "neue" Platten, für die man wieder neue "Nadeln" brauchte. Wen hatte denn wirklich interessiert, warum die 75um Schellack-Nadel nicht in der 25um Mono-Rille oder gar in der 18um Stereo-Rille benutzt werden durfte. Und warum war diese neue Stereoplatte zwar irgendwie kompatibel zu Mono - aber nicht mit der alten Nadel oder den beiden alten Nadeln.

Warum konnte man mit dem Stereo-Abtaster auf einmal die älteren Mono Platten nur noch sehr begrenzt abspielen, das war alles ein Geheimnis oder viel zu kompilziert. Aus diesen Gründen dauerte der endgültige Durchbruch der Stereoplatten erheblich länger als gedacht oder gar geplant.
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Selbstverständlich hatten die Tonmeister Stereo geübt

Die Mono-Seite
Die Stereo-Seite

Und bei den Tonmeistern gab es jede Menge an Diskussionen, wie sich denn eine Stereoplatte anzuhören habe. Daß am Ende der Auftraggeber, also der Produzent das Sagen hatte, ist auch wieder eine andere Geschichte. Tonmeister Peter Burkowitz hat es in vielen Artikeln aufgeschrieben, was damals alles "gedacht" und probiert wurde. Am Anfang gab es in den Platten- oder Rundfunk-Studios erstmal nur die Stereo-Bandgeräte, sodaß eine einmal gemachte Aufnahme nicht später aus 24 Kanälen in den unterschiedlichsten Varianten zusammengemischt werden konnte.

Und wie später 1972 bei den ersten (analogen) Quadro-Aufnahmen nochmals, wurde intensiv diskutiert, sitzt der Zuhörer im (vollen Sound mitten im) Orchester oder sitzt er vor der Bühne vor dem Orchester. Und dann kam die Frage auf, wie muß man das für den Rundfunk machen, der ja immer noch überwiegend in Mono sendet. Das mit den hörbaren Auslöschungen von zwei miteinander einfach nur kurz geschlossenen Stereokanälen hatten die allermeisten Tonmeister bereits verstanden.
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Es gab natürlich beeindruckende Demo-Platten

Die älteren unter unseren Gästen erinnern sich bestimmt noch an die Lokomotive oder den Düsenflieger, der von links nach rechts und und wieder zurück gedonnert kam. Von vorne nach hinten ging ja noch nicht, übrigens bei der analogen 4-Kanal Quadrophonie auch nur bedingt.

Das mit dem "plastischen" stereophonen Hören war übrigens eine Domäne der Kunstkopf- Stereophonie, die aber nur mit dem Kopfhörer funktionierte. Mit zwei Stereo-Lautsprechern ging und geht das nicht.

Einige Lautsprecherhersteller erstellten später ganz besonders beeindruckende Stereo-LPs (und ganz später Muster-CDs) mit überragenden Musikstücken drauf - natürlich nur - um ihre Produkte ins rechte Licht zu stellen. Daß diese Platten auch mit anderen Boxen recht gut geklungen hatten, wurde geflissentlich verdrängt.
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Doch die Probleme mit den Nadeln waren nicht trivial.

Bei den beiden ersten Plattenverfahren - Schellack und Vinyl-Mono - "schlenkerte" die Nadel nur seitwärts hin und her. In der Rille war nur eine Information für einen Kanal drinnen. Bei Vinyl-Stereo waren jetzt aber 2 Informationen in den beiden Rillenflanken drinnen, eine neue Kombination von waagrechter und senkrechter Bewegung - und deshalb mußt man die Rille enger machen.

Automatisch wurde deshalb natürlich auch die Nadelspitze von der Größe her reduziert. Der Fachmann spricht von der sogenannten "Spitzenverrundung" von 25 Mikrometern auf 18 oder noch weniger Mikrometer. Die Schellackplatte hatte noch eine Verrundung von 75 Mikrometern.

Rein theoretisch konnte oder könnte man also mit der Stereo-Nadel sowohl Schellackplatten wie auch Vinyl-Mono Platten abtasten. Die diese Theorie funktioniert in der Praxis nur sehr schlecht. Die ganz kleine Nadelspitze kratzt dann in den Tiefen der Rille, in denen sich der Vinyl-Abrieb ansammelt, andere Sprechen da von Staub und "Dreck".
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Die Hersteller haben damals ganz bewußt gelogen

Die Käufer der Stereo-Platenspieler bekamen also schriftlich im Handbuch und dazu auf der Hülle der nach wie vor immer noch angebotenen Mono-Platten die Kompatibilität der neuen Stereo-Plattenspieler mit den alten Mono-Platten bestätigt. Das war damals eine ganz bewußte Falschinformation, die manche  Stereo-Nadel vorzeitig das Leben kostete.

Die Hersteller wollten auf jeden Fall die neuen Stereo-Plattenspieler "an den Mann" (oder die Frau) bringen und Plattenfirmen natürlich auch die neuen Stereo-Platten. Von denen gab es aber am Anfang recht wenige (im Vergleich zu heutigen Maßstäben sehr wenige).

Gleichzeitig durfte aber das "Brot und Butter Geschäft" mit Vinyl-Mono Platten nicht einbrechen - wie ganz viel später in 1966, als die Farbfernseher angekündigt wurden und der Schwarz-Weiß-Absatz brutal existenzgefärdend einbrach. Davon steht mehr in der SABA Story im Fernsehmuseum. Ähnliches spielte sich auch beim Aufkommen der CD 1983/85 mit den Vinylplattenspielern ab.

Es gab also handfeste wirtschaftliche Gründe, den oder die Kunden zu verdummen und zu belügen.
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