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Die Legenden um die "direct cut" Platten

Karajan + Richter 1963
Karajan in Wien 1972

Legenden kann man immer noch gut verkaufen und so blühen sie im Verborgenen weiter. Eine gemeinsame Legende sind die legendären Direktschnitt- Platten.

In den Anfängen der 1970er Jahre waren wir jungen Hifi-Fans glücklich, wenn es bei den klassischen Platten nach unseren damaligen Vergleichen recht gut klang und auch ein wenig Dynamik zu erleben war.

Das Klavierkonzert No. 1 von Peter Tschaikowsky
- DGG und Karajan natürlich - war schon toll, wenn man keinen weiteren Vergleich hatte. Auch die grüne Schwanensee LP der DECCA klang hinreißend super - beide jeweils für 21.- bzw. 29.- DM.

Irgendwann war aber keine weitere Steigerung mehr wahrnehmbar, auch wenn die Werbung uns das eintrichtern wollte. Und dann gab es auf einmal diese Lincoln Mayorga Scheffield Platten aus Amerika für 45.- DM (fünfundvierzig !!!) oder sogar 49.- DM.

Es sprach sich in Windeseile rum und alle rannten
in die wenigen Hifi-Studios, die noch welche hatten, ich natürlich auch - zum Klangstudio nach Mainz - damals bereits in der Christofstraße - und hörte diesen Sound mit Erstaunen, das war ja wirklich richtige Dynamik. Rainer Pohl hatte natürlich zwei Klipsch Boxen in der Vorführung - und damit war alles sehr beeindruckend, damals 1974 jedenfalls.
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Vorne auf dem Cover war eine richtige Schallplatten- Schneidemaschine drauf . . .

. . . und auf der Rückseite standen die Sprüche, warum das weltbewegend neu sei und warum das alles Andere (bislang Dagewesene) überträfe. Und wirklich - wir glaubten das auch. Es klang - mit den richtigen Geräten abgespielt - beeindruckend laut, dynamisch und weitgehend sauber.

Natürlich hatte Rainer Pohl damals seine Technik vom "absolut" Feinsten aufgefahren und das wurde ja auch in den Randbedingungen gefordert. Übrigens war es in etwa zu vergleichen mit den damals immer noch aktuell neuen BOSE 901 Lautsprechern, bei denen ja auch hinten die "harte Wand" in 35cm Abstand "absolut" notwendig war.
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Was wir damals nicht wußten . . . .

Bei der Entwicklung der Langspielplatte so um 1948/49 hatten sich die Ingenieure mühsam aber dennoch verständigt, daß man nur dann Erfolg haben werde, wenn auf der ganzen Welt mit jedem Plattenspieler jede 45er Single und jede 33er LP abgespielt werden könne.
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links die 78er Schellack-Nadelspitze, dann die neue Spitze für die Monoschallplatte (1949) und dann die Nadelspitze für die Stereo LPs (1958)

Doch schon 1958 beim Umstieg von Mono auf das Stereo-Verfahren schieden sich erneut die Geister, weil jetzt die Nadel (sprich die Saphir- und Diamantspitzen) schon wieder deutlich dünner bzw. schlanker sein "sollten". Die erste Inkompatibilität nach den "extrem dicken" Nadeln für die uralten 78er Schellackplatten brachte also nochmals Ärger. Die 33er Stereo-LP hatte es dennoch überlebt und wurde ein Welterfolg, dank dieser Normung.

In der Hifi-Stereophonie stand zwar irgendwo etwas über die Problematik der Physik der Kräfte bei der Abtastung, aber es funktionierte doch. Was wollte der Dipl. Phys. Karl Breh uns da erzählen. Doch schon mit den ersten Scheffield Platten mußten wir die Auflagekraft unserer Abtastsysteme erhöhen, sogar deutlich erhöhen.

Die Scheffield Platten
bewegten sich nämlich außerhalb der weltweiten Spezifikationen (bezüglich der maximalen Rillenauslenkung - auch Schnelle genannt). Weiterhin hatten sie auch keine "Platz optimierende" Füllschrift nach Eduard Rhein, das ging beim Live-Mitschnitt nicht. Und damit gingen auch nur ca. 18 Minten auf jede Seite.

Und weiterhin lernten wir recht schnell, daß diese Direktschnitt- Platten doch merklich verschleißen, wenn man sie des öfteren abspielt. Es gab da schon kleine Erkentnisse, die wir unseren begeisterten Hifi-Gästen - vor denen wir mit Kompetenz nur so protzten - natürlich nicht verraten hatten.

Und so hatte ich einen Trick auf Lager, nämlich eine ASC 6002 Bandmaschine mit 38er Geschwindigkeit und große 26er Bänder samt einem DOLBY C Prozessor. Damit wurden die (neuen) Platten im Naßverfahren auf ein Halbspurband überspielt. Man beachte den (ziemlich bekloppten) Aufwand, den wir damals getrieben hatten. Solch ein rückseitenbeschichtetes japanisches !! 1100m Band kostete 60.- bis 75.- DM, lief bei 38cm Halbspur knapp 45 Minuten und es paßte gerade mal eine (1) Scheffield Platte drauf. Ich habe diese Bänder heute noch.
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Irgendwann nach 1984 war dann die CD da.

SONY CD Muster 1981

Auf einmal klangen sogar bestimmte James Last Platten (die mit den großen Konzert-Aufnahmen) erstaunlich gut, fast wie die Scheffield "Direct Cut" Platten von damals.

Und irgendwann danach (es muß nach 1990 gewesen sein) hatte ich eine Scheffield CD in den Händen, auf der drauf stand, daß die von einem 2 Spur Masterband gezogen wurde. - Aha, die hatten also doch eine Studio-Bandmaschine mitlaufen lassen, was sie in den frühen Interviews und in den super tollen Magazin-Berichten nicht nur nie erwähnt hatten, sondern sogar abgewiegelt (also nicht abgestritten) hatten.

Sie haben also nicht ihre super tollen "Direct Cut" Platten, von denen es angeblich ja gar keine Steigerung mehr geben konnte, auf die CD überspielt. Sie haben die damals doch mitgeschnittene Version (vermutlich mit DOLBY A) auf dem Masterband benutzt.
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Zwischen den Zeilen der diversen Berichte steht es :

Es kommt auf die Informationsdichte (heute spricht man von Datendichte) an. Also wieviele Informationen (per Zeiteinheit) kann ich überhaupt auf ein Medium drauf "bringen" und auch wieder runter holen. Bei den Bandgeräten ist das Kriterium die Bandgeschwindigkeit, nämlich wieviele cm Band habe ich zum Beispiel für 1 Sekunde Musik zur Verfügung.

Beim Film war es die Laufgeschwindigkeit und die Feinheit der Lichttonspur. Bei der Schallplatte ist es die verfügbare Rillen-Länge pro Sekunde - die ja zudem zum Ende bzw. bereits zur Plattenmitte immer kürzer wird. Es gibt ja Gründe für die 30cm Single-Platten mit 45er Geschwindigkeit. Das sind jetzt ganz simple physikalische Grundlagen.

Dazu kommt aber die Psyche der Menschen. Die geschulten und trainierten Tonmeister hatten bei den Tonbandgeräten bereits so um 1960 festgestellt, daß der Unterschied zwischen der alten 76cm/s (Nachkriegs-) Bandgeschwindigkeit und der späteren 38cm/s Weltnorm selbst von einem Profi nicht mehr zu erkennen war. Weiterhin hatten die Tonmeister ab etwa 1980 festgestellt, daß die Informationsdichte eines 38er Halbspur-Studionbandes von der damals aktuellen PCM Technik (also der von 1980) gerade so erreicht würde.

Das alles hat mit der machbaren Dynamik der neuen digitalen Technik erstmal nichts zu tun. Es geht um die hörbaren Feinheiten der Musik - zum Beispiel bei einem vollen lauten großen Orchester.

Und zudem ist es heute überhaupt kein Problem mehr, eine Plattenaufnahme mit einer CD oder mit einer hochauflösenden SACD oder mit den entsprechenden Audio-Dateien zu vergleichen.
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Und nun wieder zurück zur "Direct Cut" Scheibe:

Ich habe sie noch alle, die 10 oder 11 "Direct Cut" Platten und ich habe einen Revox B795 mit einem recht guten ELAC Abtaster. Und ich habe einen Accuphase C280 Vorverstärker mit einem Phono-Eingang und einen SONY XA50 CD Player. Also alles Geräte aus der heute oberen Qualitätsklasse, und überhaupt kein Vergleich mehr zu den Geräten von vor 40 Jahren.

Beim intensiven Vergleich kann ich feststellen, auf der CD und damit auf dem Masterband ist mehr Qualität drauf als auf den besten 30cm LPs vor 40 Jahren, selbst mit naß Abspielen und allen sonstigen Tricks wie DBX usw.
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Man muß es ihnen neidlos zugestehen, das Markting war super.

Hier unten drunter stehen die Texte aus dem Inlet der Scheffield CD.
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Lincoln Mayorga & Distinguished Colleagues Vol. III

Excerpts from the original direct disc liner notes:

Lab 1-marks Sheffield Lab's third venture into live to two-track recording. The purpose of recording in this live method is to capture the natural interplay that occurs when all of the musicians are playing together live in the studio with no turning back, no safety net of overdubbing later.

Being prepared is the secret of actually producing a record in this difficult and unforgiving manner. The mixing console in Producer's Workshop (also das Studio-Mischpult) was extensively re-engineered by Bud Wyatt for optimum signal processing, and to drive this beast we had the services of the much sought after Bill Schnee. Lincoln's arrangements were finished well in advance of the recording session.

Our advance preparation allowed us the luxury of obtaining the exact combination of desired musicians, and the cooperation of our friends in the recording industry gave us an enviable complement of microphones. The difficulties of our first two albums were not going to plague us this time. And they didn't.

When rehearsal started, it became apparent that this would be a special album. The musicians were magnificent, Bill outdid himself, and the music was alive. We hope you will enjoy this as much as we did. -

Doug Sax
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Imprint oder Impressum

Produced by Doug Sax and Lincoln Mayorga Recorded November 26-28,1973 at Producer's Workshop and The Mastering Lab, Los Angeles
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  • Recording Engineer: Bill Schnee Booth
  • Supervision: Wes Lindskoog
  • Design Engineer for The Mastering Lab: Sherwood Sax
  • Design Engineer for Producer's Workshop: Bud Wyatt
  • Pholography: Nurit Wilde Neupert
  • Harpsichord: Kasimoff-Bluthner

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Company Sheffield Lab's Mason & Hamlin piano, tuned and maintained by Keith Albright

Music Preparation: Mickey Ingalls
Special thanks: Bob Schaper, Galen Senogles, Tom Pessagno
Performed Live to Two-Track

Sheffield Lab Inc.
P.O. Box 5332, Santa Barbara, CA 93150

Inhalt :

The songs assembled for this record are a more personal collection than in previous albums. I've tried to show an essential unity between all these good popular songs, both old and new, and have taken the liberty to reveal my true sentimental nature.

Those of you who loved old radio as much as I did will recognize "The Perfect Song" as the "Amos 'n' Andy" theme. "That Certain Feeling" was originally cut as a piano roll by George Gershwin himself. I retained the original flavor of Gershwin's unique piano style, joining the tune to an updated version of the soulful "Oh Lord, I'm On My Way" from "Porgy and Bess."

Perhaps the most memorable film score of the 60s was Michel Legrand's music to the screen opera "The Umbrellas of Cherbourg." Here are excerpts from that film along with the haunting theme from "The Summer of '42." If you have taken the boat on Lake Como in the Italian Alps, you will note that it stops at Menaggio and then Bellagio.

I couldn't resist the title "King Porter Stomp." Jelly Roll Morton's jazz classic, which later became a big swing hit, concludes our record on the old time note with which it began.

Über die (damals geheime) Magnetbandaufnahme

Forty years have passed since the tape recorder brought noteperfect security to recorded music. A byproduct of that security has been a certain apathy which is often found in the recording studio. A live to two-track recording is a very exciting experience for all of us. Apart from the obvious sonic advantages over a conventional recording, cutting a live performance to a final two-track master captures an entirely different kind ot feeling in the music, proving that musicians rise to heights with the challenge and the group effort. I hope you like the difference as much as we do.

Lincoln Mayorga

Arranged by Lincoln Mayorga
Tracks one through four conducted by Ted Dale
Tracks five through nine conducted by Jack Feierman
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THE COLLEAGUES:

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  • Mike Deasy. Mike Anthony: Guitars
  • Al Caseyt; Guitar, Banjo
  • Joanne Grauer: Reed Organ, Electric Piano
  • Victor Feldman, Gary Coleman: Percussion
  • Larry Knechtel: Fender Bass
  • Jim Keltner: Drums
  • Plas Johnson: Tenor and Soprano Saxophones
  • Ronny Lang:+ Alto Saxophone, Flute, Piccolo
  • Tommy Morgan:' Harmonica
  • Lincoln Mayorga: Piano, Harpsichord
  • Brass Section:' Malcolm McNab, Jimmy Salko,
  • George Werth, Trumpets; Dick Nash, Trombone;
  • Phil Teele, Bass Trombone; Tommy Johnson, Tuba ' Performs on Tracks 1-4 only 1 Performs on Tracks 5-9 only

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NOTE: At the end of our original program, we have included an early rehearsal take of "Dock of the Bay" which gives a glimpse into the atmosphere of a direct to disc recording session. The rhythm section took on this simple song with great verve. Unfortunately, we were unable to include this piece in the finished album. One look through the lathe microscope at the wide groove excursions caused by Jim Keltner's bass drum, and we knew that we would not have room to accommodate this song on the record.

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